Ostmitteleuropa als Raum

Der Begriff Ostmitteleuropa bzw. Mittelosteuropa ist eine Sammelbezeichnung für die Staaten Tschechien, Slowakei, Polen und Ungarn. Einige Fachleute zählen auch Kroatien und Slowenien dazu. Die Länder Ostmitteleuropas weisen eine Reihe von Gemeinsamkeiten in Bezug auf die geographische Lage, historische, kulturelle und ökonomische Entwicklung auf.

Zwischen westlichen Nationalstaaten und Russischem Reich

Die polnischen, ungarischen und böhmisch-mährischen Länder bilden die Kernzone Ostmitteleuropas. Im ausgehenden 18. sowie im 19. Jahrhundert zählten sie zu Mitteleuropa. Dieser Raum lag zwischen den Nationalstaaten des Westens und dem Russischen Reich und bestand aus einer Vielzahl von kleinen und mittleren Fürstentümern. Im Westen Mitteleuropas wurde Deutsch gesprochen. Das kennzeichnende Merkmal des östlichen Teils war die Multiethnizität – hier siedelten Deutsche, Ungarn, Polen, Tschechen, Slowaken, Rumänen, Serben, Kroaten, Slowenen und andere Völker. Die Habsburger Monarchie und Preußen wechselten sich als Vormächte ab, ihre kulturellen Einflüsse waren deutlich spürbar. Deutsche dominierten in Handel, Handwerk, Bildungswesen, Kunst, Wissenschaft und Verwaltung. Aber auch das Hegemonialstreben Russlands blieb nicht ohne Folgen. Die Aufteilung Polens unter den drei Großmächten Ende des 18. Jahrhunderts ist dafür besonders exemplarisch.


Enge Bindung an Westeuropa

Feier zur Osterweiterung der EU 2004 in Brüssel

Zwei weitere Merkmale sind für die Abgrenzung Ostmitteleuropas von den benachbarten Räumen entscheidend. Zum einen ist das die Religion. Die Völker Ostmitteleuropas gehören traditionell der westlichen Kirche an. Die meisten Gläubigen sind katholisch, nur in Ungarn ist auch der Anteil der Protestanten hoch. Das zweite Merkmal geht auf die Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Im Ost-West-Konflikt gehörten die heutigen Tschechien, Slowakei, Ungarn und Polen zum sowjetischen Machtbereich. Erst nach dem Ende des Ost-West-Gegensatzes 1989/90 begannen sie mit dem Aufbau der Demokratie und Marktwirtschaft. Die Möglichkeit einer Reintegration in die politischen und wirtschaftlichen Strukturen Westeuropas gab großen Auftrieb. Der EU-Beitritt 2004 attestiert, dass sie in ihrer demokratischen Entwicklung und Konsolidierung weit vorangeschritten sind.

Die Visegrád-Gruppe

Die vier Hauptstaaten Ostmitteleuropas - Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei - werden mitunter auch als "Visegrád-Staaten" bezeichnet.
1991 schlossen Ungarn, Polen und die Tschechoslowakei in der ungarischen Stadt Visegrád ein loses Bündnis zur Kooperation im regionalen Bereich, sowie in Wirtschaft und Kultur. Seit der Teilung der Tschechoslowakei in Tschechien und die Slowakei besteht die Visegrád-Gruppe aus vier Staaten.
Große Bedeutung wurde von Beginn an der europäischen Integration der vier Staaten zugemessen. Inzwischen sind alle vier Staaten Mitglied in EU und NATO. Die Gründung eines eigenen Bündnisses und die Annäherung an die europäische Gemeinschaft ergmöglichte der Staatengruppe eine Abkoppelung von der ehemaligen UdSSR. Auch heute spielt die Visegrád-Gruppe noch eine wichtige Rolle in der Region.



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