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Osteuropa als Raum

Satellitenkarte von Europa. Foto: NASA, wikicommons

Gibt es ein östliches Europa, das sich nach bestimmten Kriterien als ein Gesamtraum beschreiben lässt? Oder anders ausgedrückt: Lässt sich ein klares Profil vom ‚Östlichen Europa’ erstellen, das die Unterschiede zum westlichen Europa verdeutlicht?


Von "Nordeuropa" zu "Osteuropa"

Die Entstehung der Bezeichnung "Balkan"

Das "Baltikum" oder die baltischen Staaten

Grenzen im Ost-West-Konflikt


Ganz so einfach ist der Umgang mit dem Begriff nicht. Denn welche Länder unter den Term "Östliches Europa" fallen, hängt von der Betrachtungsweise, sowie von politischen und gesellschaftlichen Interessen, Kenntnissen und Aufgaben ab. So muss zwischen einer geographischen, einer historischen und einer kulturellen Zuordnung der Länder unter den Begriff Osteuropa unterschieden werden. Im EU-Jargon ist häufig auch von den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) die Rede. Zu diesen gehören im engeren Sinne die baltischen Staaten, die Visegrad-Gruppe, die Nachfolgestaaten Jugoslawiens, Albanien, sowie Bulgarien und Rumänien. Im weiteren Sinne werden unter dem Begriff MOEL auch für das gesamte Kontinentaleuropa östlich der EU-Grenzen von vor 2004 gesehen. Damit werden z.B. auch die Ukraine, Russland, Weißrussland, Moldawien und Kasachstan dazugezählt.

Es ist also wichtig, dass der Begriff "Östliches Europa" - je nach Zeit und Perspektive andere Bedeutungen haben kann.

Von "Nordeuropa" zu "Osteuropa"

Ein Beispiel dazu liefert der Umgang mit dem Begriff Osteuropa in der Frühen Neuzeit. Anfangs trug nämlich das Territorium der heutigen Staaten Polen, Baltikum und Russland die Bezeichnung Nordeuropa. Die Staaten auf diesem Gebiet (Polen-Litauen, Skandinavien und Russland) galten als Teil des so genannten „Nordischen Systems“. Neue Entdeckungen und wissenschaftliche Erkenntnisse der Aufklärung führten dazu, dass der Begriff Nordeuropa durch die Bezeichnung Osteuropa ersetzt wurde. Zum einen belegten neue Methoden in der Geographie und Kartographie, dass sich das „Nordische System“ weiter im Osten befand als zunächst angenommen. Zum anderen unterschieden die neu begründeten Philologien und vergleichenden Sprachwissenschaften zunehmend zwischen den Slawen aus dem „Osten“ und den „Germanen“ aus dem Norden. Diesen Erkenntnissen wollten sie mit neuer Begrifflichkeit gerecht werden. Die Bezeichnung Osteuropa hatte in anderen Kontexten aber auch andere Bedeutungen. Der Begriff Osteuropäische Geschichte, der sich bis ins Jahr 1860 zurückverfolgen lässt, bezeichnete im Gegensatz zu heute lediglich die russische und polnische Geschichte. Noch nach dem Ersten Weltkrieg verwendeten ihn die Historiker in dieser Weise.

Die Entstehung der Bezeichnung "Balkan"

Die Balkan-Region. Foto: Wikicommons

Im 19. Jahrhundert bildete sich ein Begriff für die südlichen Regionen der Habsburger Monarchie und für die europäischen Regionen des Osmanischen Reichs heraus ? die Balkanhalbinsel. Das Wort Balkan stammt aus dem Türkischen und bedeutet Gebirge. Der Berliner Geograph August Zeune, der die Bezeichnung 1808 einführte, ging von der Vorstellung antiker Geographen aus, dass sich das Balkangebirge von den slowenischen Alpen und der Adria bis zum Schwarzen Meer erstrecke. Dabei handelt es sich bei dem eigentlichen Balkangebirge "nur" um einen Gebirgszug im heutigen Bulgarien. Um der gesamten Region gerecht zu werden führte der Balkanforscher Johann Georg v. Hahn 1861 die Bezeichnung Südosthalbinsel ein. Dieser Begriff konnte jedoch den Balkanbegriff nicht mehr aus dem politischen Sprachgebrauch verdrängen.

Das "Baltikum" oder die baltischen Staaten

Der Begriff Nordosteuropa zur Bezeichnung eines eigenständigen historischen Raumes hat sich bisher noch wenig durchgesetzt. Er wird oft als Synonym zum Begriff Ostseeraum verwendet, der auch das nord-östliche Russland einbezieht. Ein anderer Begriff, der zur Bezeichnung der Ostseeregion gebraucht wird, ist Baltikum. Er leitet sich von der früheren Bezeichnung der Ostsee ? Mare Balticum ? ab. Im 19. Jahrhundert gaben sich die in dieser Region ansässigen Deutschen die Bezeichnung Balten. Als die drei Staaten Litauen, Lettland und Estland 1918 ihre Unabhängigkeit erlangten, setzte sich nach und nach der Begriff die baltischen Staaten für sie durch.

Grenzen im Ost-West-Konflikt

Ehemalige Ostblockstaaten (in Rot). Quelle: wikicommons, CC BY-SA-3.0

Die Aufteilung Europas in einen demokratischen und einen sozialistischen Block nach dem Zweiten Weltkrieg relativierte die Grenzen zwischen den Regionen Mitteleuropa, Südosteuropa und Nordosteuropa ohnehin. Die Zugehörigkeit zum politischen Block im Ost-West-Konflikt bestimmte den Verlauf der Grenze zwischen Ost– und Westeuropa, wobei die tatsächliche geographische Lage einzelner Staaten, z.B. der DDR, Griechenlands oder der europäischen Türkei, dieser politisch motivierten Zuordnung widersprach. Prag gehörte zum Ostblock, während Wien, das weiter im Osten liegt, dem "Westen" zuzuordnen war. Erst mit dem Ende des Ost-West-Konflikts wurde diese Aufteilung in Ost und West wieder aufgehoben.  Differenziertere Bezeichnungen wie Ostmitteleuropa oder Südosteuropa sind heute wieder aktuell.

 

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