Die Sinti und Roma im europäischen Raum

© Wikimedia Commons

Die Sinti und Roma - mittlerweile die größte Minderheit in ganz Europa - werden von den meisten Menschen mit einer Mischung aus Faszination und Ablehnung wahrgenommen. Einerseits werden sie als die „edlen Wilden“ gesehen, deren Lebensweise auf eine mystische Art und Weise faszinierend und begeisternd wirkt. Andererseits aber werden sie auch immer wieder als „gefährliches Lumpenpack“ angesehen, das sich am Rande der Gesellschaft bewegt. Die traditionelle Lebensweise wird häufig als Ursache für die Ausgrenzung und Bildungsferne gesehen.

Vorurteile und Ausgrenzung

Seit ihrer Ankunft in Europa im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts sind die Sinti und Roma stets Opfer von Vorurteilen gewesen. Da ihre – hauptsächlich durch die jahrhundertelange Verfolgung verursachte – Lebensweise meist nicht den Normen und Werten der Mehrheitsgesellschaft entsprach, wurden ihnen immer wieder kriminelle Energien unterstellt. Der „Zigeuner“ als Kindsräuber, als Dieb, Hexe, Verbreiter der Pest, Faulpelz und schmutziger Mensch war ein immer wiederkehrendes Bild der Fremdwahrnehmung von Sinti und Roma.

Viele Vorurteile gründen jedoch auf der mangelnden Bereitschaft zur Auseinandersetzung und dem Kennenlernen von Sinti und Roma. Häufig wird das „ewige Herumziehen“ der Sinti- und Roma-Familien als Grund für Abneigung ihnen gegenüber angegeben. Bemerkenswert ist dabei, dass heute ein großer Teil der Sinti und Roma die Nationalbürgerschaft ihrer jeweiligen Staaten besitzt, sesshaft ist und einen festen Beruf ausübt.

 

Antiziganismus

Romafrauen in Rumänien, © Wikimedia Commons (Adam Jones)

Allein der Begriff „Zigeuner“ hat bereits seit dem 16. Jahrhundert eine negative Bedeutung, die er bis heute nicht verloren hat. Diese Vorurteile gegenüber Sinti und Roma werden seit den 80er Jahren als „Antiziganismus“ bezeichnet. Der Antiziganismus wird unter anderem auch von der Darstellung in den Medien befördert: Sinti und Roma werden häufig als mögliche Tätergruppen für jede Art von Kriminalität genannt. Dadurch verfestigt sich die Wahrnehmung des Volkes als ein Volk von Dieben und Kriminellen mit riesigen Sippen, die zu einem Großteil selbst für ihre Ausgrenzung verantwortlich sind.

 



 

APuZ 22/23 2011

 
 
 
 
 
 

Zeitschrift

 

DEUTSCHLAND & EUROPA

deutschlandundeuropa.de

 
 
 
 
 

EUROPA im Unterricht

 
 
 
 
 

© 2017 Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
www.lpb-bw.de