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Geschichte

Albanische Territorien standen immer wieder unter Fremdeinfluss. Unter Osmanischer Oberherrschaft begann Ende des 14. Jahrhunderts die Einbindung in die türkisch-orientalische Kultur. Kein anderes Gebiet auf dem Balkan wurde dauerhaft so islamisiert wie das albanische Siedlungsgebiet. Nur im Norden gibt es heute noch einige Katholiken oder südalbanische Orthodoxe.

Wie in anderen östlichen Ländern entstand im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts eine Bewegung, die zunehmend eine national-kulturelle Emanzipation der Albaner forderte. Die Sehnsucht nach Autonomie innerhalb des Osmanischen Reichs entwickelte sich zum Streben nach staatlicher Unabhängigkeit. Diese wurde 1912/1913 im Verlauf der Balkankriege ausgerufen. International anerkannt wurde aber nur ein Teil des albanischen Kernsiedlungsgebiets. Rund die Hälfte des Territoriums wurde von Serbien, Montenegro und Griechenland besetzt.


Erster und Zweiter Weltkrieg und Kommunismus

Flagge der kommunistischen Partei Albaniens

Die neue Eigenstaatlichkeit konnte sich in den Folgejahren nicht festigen. Wechselnde Besatzung des formal neutralen Landes im Ersten Weltkrieg, der Übergang von einer schwachen Demokratie zu einer Monarchie unter König Zogu I. (1928) in der Zwischenkriegszeit sowie die italienische Invasion und Errichtung einer Personalunion unter dem italienischen König am Vorabend des Zweiten Weltkrieges erschütterten die ersten Jahre des jungen albanischen Staates. Während des Krieges bildeten sich mehrere Widerstandsbewegungen, die zunächst gegen Deutschland und Italien kämpften und später einen Bürgerkrieg untereinander führten. Als Sieger gingen schließlich die Kommunisten unter der Führung von Enver Hoxha hervor.

Nach sowjetischem bzw. jugoslawischen Muster wurde eine kommunistische Einparteienherrschaft eingeführt, die jegliche Opposition ausschaltete und sich 1967 offiziell zu einem „atheistischen Staat“ erklärte. Außenpolitisch orientierte sich Albanien zunächst an Jugoslawien, später an der Sowjetunion und ab 1961 bis Ende der 1970er Jahre an China. In den folgenden Jahren isolierte sich das Land und galt deshalb als „weißer Fleck“ Europas.

Transformationsprozess

1990 wurde das kommunistische Regime gestürzt, allerdings prägte Korruption die Landespolitik. Unzufriedenheit mit der Politik, eine katastrophale wirtschaftliche Lage und schließlich der Zusammenbruch mehrerer Geldanlagefirmen, die Hunderttausende Albaner um ihr Geld brachten, führten 1997 zu einem Bürgerkrieg. Dieser konnte nur durch ausländische Militär- und Polizeipräsenz beendet werden. Die Transformation in Albanien hat durch diese Staatskrise, durch neuerliche innere Unruhen im Herbst 1998 sowie durch unmittelbare Auswirkungen der Kosovo-Krise in den letzten Jahren empfindliche Einschnitte erfahren. Inzwischen befindet sich sich das Land auf dem Weg einer schrittweisen demokratischen und wirtschaftlichen Konsolidierung.

Nach den Parlamentswahlen 2009 warf die Opposition der Regierung Wahlfälschung vor und verweigerte daraufhin die Arbeit im Parlament,  der Boykott wurde zum Hungerstreik ausgeweitet. Erst im September 2011 beendete die Opposition ihren, mit einigen Unterbrechungen, seit Sommer 2009 geführten Boykott der parlamentarischen Arbeit.

Seit September 2013 ist Edi Rama der Ministerpräsident Albaniens. Der ehemalige charismatische Bürgermeister Tiranas hatte die Wahlen als Führer einer Allianz der Sozialistischen Partei Albaniens mit mehreren anderen Parteien gewonnen. Rama steht für einen Kurs weitreichender Reformen. So wurden bereits in den ersten Tagen seiner Amtszeit mehrere Ministerien aufgelöst oder zusammengeführt.

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