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Wirtschaft

1000 albanische Lek

Obwohl Albanien über Bodenschätze, fruchtbare Böden und günstige klimatische Bedingungen in der Ebene verfügt, befand sich das Land Ende der 1980er Jahre wirtschaftlich auf dem Niveau eines Entwicklungslandes. Die ohnehin eher schleppend laufende ökonomische Transformation erlitt 1997 durch eine schwere Krise im Finanzsektor einen herben Rückschlag. Erst als sie überwunden war, erfolgten wesentliche Fortschritte beim Aufbau marktwirtschaftlicher Strukturen. Mit Unterstützung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank wurden die Preise liberalisiert und die staatlichen Betriebe privatisiert. Damit konnte das Land nach 2003 über mehrere Jahre stabile Gewinne von druchschnittlich 5 Prozent verzeichnen. Sogar während der Wirtschafts- und Finanzkrise erzielte Albanien noch leichtes Wachstum.

Aktuelle Wirtschaftslage

Nach der langen Phase des stabilen Wachstums stagnierte die Wirtschaft 2012/2013 bei nur noch 1,4 Prozent. Dies war nicht zuletzt auf die Krise im Euro-Raum zurückzuführen, die vor allem für die Nachbarländer Griechenland und Italien eine Herausforderung darstellte. Daraufhin stieg die Arbeitslosigkeit 2013 auf 16 Prozent an, wobei die Jugendarbeitslosigkeit mit fast 30 Prozent nochmals deutlich höher lag.

Albanien ist trotz seines jahrelang stabilen Wachstums mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 8.600  Euro (2015) (EU-Durchschnitt: 28.600 Euro in Kaufkraftstandards) eines der ärmsten Länder Europas geblieben. So lebten 2012 etwa 14,3 Prozent der Menschen unter der nationalen Armutsgrenze.

Langsam nimmt die Konjunktur wieder an Fahrt auf. Grund dafür sind vor allem ausländische Investitionen, die Projekte im Bereich Energie, Verkehr und Umwelt umsetzen. Weiterhin schleppend bleibt allerdings die Binnennachfrage, was vor allem an der nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit liegt. Beim Wachstum für 2016 geht die Weltbank derzeit von einem Anstieg von etwa 3,2 Prozent aus. Dies wirkt sich auch positiv auf die Staatsverschuldung aus, die 2016 auf circa 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesunken ist.

Wirtschaftsstruktur

Der Hauptwirtschaftszweig Albaniens ist der Dienstleistungsbereich, wobei sich auch das Baugewerbe lange positiv entwickelte und zum Motor des Wirtschaftswachstums geworden ist. Allerdings ist die Bauindustrie in den letzten Jahren stagniert. Wachstumstreiber sind jetzt vor allem die Textilindustrie, der Handel und der Tourismus. Der Anteil des Agrarsektors geht langsam zurück, sein Anteil am BIP hat sich innerhalb der letzten Dekade auf jetzt rund 20 Prozent halbiert. Dennoch sind der Agrarsektor und der Tourismussektor die beschäftigungsintensivsten Sektoren. Der Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt liegt stabil bei etwa 10 Prozent.

Die wirtschaftlichen Aktivitäten im Land konzentrieren sich vor allem auf die Küstenregion. Dagegen sind die ländlichen Bergregionen von Landwirtschaft auf niedrigem Niveau, vor allem zur Selbstversorgung, geprägt. Dies führt zu einer starken Abwanderung der ländlichen Bevölkerung in die Städte. Problematisch für die Witschaftsentwicklung in Albanien sind insbesondere starke Korruption, oftmals mangelnde Rechtssicherheit und ungeklärte Eigentumsverhältnisse. Für mehr Transparenz soll eine neue Justizreform sorgen, die das Parlament im Juli 2016 verabschiedet hat. Das soll sich positiv auf ausländische Direktinvestitionen auswirken.

Außenhandelbeziehungen

Wichtigste Exportländer für Albanien sind Italien, China, Griechenland und die Türkei. Dabei sind insbesondere Öle, Metalle und Textilien wichtige Außenhandelsgüter. Wichtigste Importgüter sind ebenfalls Mineralien und Metalle, sowie Maschinen und elektrische Ausrüstung. Die Handelsbilanz von Albanien ist nach wie vor defizitär, da etwa das Dreifache dessen, was exportiert wird, importiert wird.

Seit Oktober 1992 besteht zwischen Albanien und der EU ein Handels- und Kooperationsabkommen. Im September 2000 wurde Albanien in die Welthandelsorganisation (WTO) aufgenommen. 


Quellen:

Munzinger Online
www.auswaertiges-amt.de: Albanien
BMZ: Albanien
Weltbank
Ostausschuss: Albanien

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