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Baltikum als Raum

Baltikum (von oben nach unten: Estland, Lettland, Litauen). Quelle: TBjornstad, wikicommons, gemeinfrei

„Mittelalterliche Städte, gotische Kirchen und unberührte Natur“ ? damit werben Reiseveranstalter für eine Region, die sich am nordöstlichen Rand Europas befindet und als Baltikum bezeichnet wird. Der Begriff umfasst die Republiken Estland, Lettland und Litauen und ist eine sehr junge Bezeichnung für eine Region, die historisch, sprachlich, kulturell und sozial durchaus heterogen ist. In ihrer Geschichte hat sie niemals eine staatliche Einheit gebildet. Auch kulturelle Unterschiede sind vorhanden: Das Luthertum steht hier neben dem Katholizismus und der Orthodoxie, die Sprachen der baltischen Sprachgruppe — Lettisch und Litauisch — werden ebenso gesprochen wie das finno-ugrische Estnisch und die slawischen Sprachen Russisch und Weißrussisch. Die Frage nach einer eigenständigen ‚baltischen Identität’ ist selbst unter den Bürgern dieser Länder höchst umstritten.

Parallelen in der Landesgeschichte

Dennoch scheint es berechtigt, die drei Staaten als einen Raum zu sehen. Alle drei Staaten waren jahrhundertelang fremdbestimmt und erlangten erst nach dem Ersten Weltkrieg 1918 ihre Unabhängigkeit. Die eingeführten demokratischen politischen Systeme wurden in allen drei Ländern nach wenigen Jahren durch autoritäre Regime abgelöst. Aber auch sie währten nicht lange: 1939 wurden die baltischen Staaten im geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt dem sowjetischen Machtbereich zugeordnet und kurz darauf von der Sowjetunion besetzt. Erst über vierzig Jahre später konnten sie ihre Selbständigkeit wiedererlangen. Zu Russland, dem rechtlichen Nachfolger der Sowjetunion, wahren sie seither eine Distanz und bemühen sich stattdessen um die Integration in die westlichen Bündnisse. 2004 traten alle drei der Europäischen Union und der Nato bei. Ihre heutigen politischen Systeme haben die baltischen Staaten nach dem Vorbild europäischer Demokratien aufgebaut.


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