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Geschichte

Die heute häufig vorgenommen Einteilung in Ost- und Westeuropa ist eine Folge des sogenannten Ost-West-Konflikts, der die Weltpolitik im 20. Jahrhundert  prägte. Dieser Konflikt war vor allem von 1945 bis 1991 durch die machtpolitische Rivalität zwischen den USA und der UdSSR sowie dem weltanschaulichen Gegensatz von Kommunismus und liberaler Demokratie gekennzeichnet. Beide Systeme manifestierten sich in unterschiedlich ausgerichteten ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Systemen.


Herausbildung zweier Blöcke und Kalter Krieg

Folgen kommunistischer Herrschaft im ehemaligen Ostblock

Zusammenbruch und Krise

Demokratisierungen und Autokratisierungen

Starke Ost-West-Unterschiede


Herausbildung zweier Blöcke und Kalter Krieg

Hammer und Sichel im kommunistischen Stern

Der Konflikt zwischen Ost und West bildete sich in dieser Form nach dem Zweiten Weltkrieg heraus. Nachdem die politischen Strukturen der Staaten Mitteleuropas zerschlagen worden waren, füllten die USA und die Sowjetunion das politische Vakuum und gestalteten es eigenen Vorstellungen und Interessen entsprechend. Im Einklang mit der jeweiligen Ideologie wurden zwei Blöcke gebildet, die eigene politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und militärische Institutionen und Bündnisse ins Leben riefen. Der Begriff „Westen” entwickelte sich zu einem Synonym für den Block liberal-demokratischer Staaten. Mit dem Terminus „Osten” bzw. „Ostblock” wurden die kommunistischen Staaten bezeichnet.

Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Blöcken nahm eine stark konfrontative Form an und ging als „Kalter Krieg” in die Geschichte ein. Der Krieg gilt als "kalt", da sich die Parteien zwar feindlich gegenüberstanden, kriegerische Mittel (Waffen) jedoch nicht zum Einsatz kamen. Allerdings gab es mehrere Krisen, die ein hohes Risiko für eine Eskalation bargen. Dazu gehören etwa die Blockade Berlins (1948/49), der Koreakrieg (1950-53), der Vietnamkrieg (1946-75), die Kubakrise (1962) oder der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan (1979). Mit den Umbrüchen in Osteuropa, die schließlich zu einem Zusammenbruch der sowjetischen Herrschaft führten und der Auflösung der Sowjetunion 1991 gilt der Ost-West-Konflikt als beendet.

Folgen kommunistischer Herrschaft im ehemaligen Ostblock

Jahrzehnte kommunistischer Propaganda und Erziehung sowie staatlich gelenkter Kultur- und Wirtschaftspolitik haben in den Staaten des ehemaligen Ostblocks tiefe Spuren hinterlassen. Diese Erfahrungen prägen das Denken und Handeln der Länder des östlichen Europas bis heute: Sowohl in der politischen, wirtschaftlichen als auch gesellschaftlichen Entwicklung. Dabei war insbesondere auch die Phase der Transformation von Politik und Wirtschaft in den 90er Jahren vom Gefühl großer Unsicherheit geprägt. Die Entwicklung des Wirtschaftssystems zur Marktwirtschaft bedeutete zunächst einen Rückgang der Produktion, einen Anstieg der Arbeitslosigkeit und niedrigere Löhne. Jedoch schaffen sowohl die gemeinsame Erfahrung des Kommunismus, als auch die darauf folgende Phase der Transformation eine enge Verbindung und Gemeinschaft zwischen den ehemaligen Staaten der Sowjetunion.

Zusammenbruch und Krise

Der Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft stellte die Staaten Osteuropas vor eine enorme Herausforderung. Innerhalb kürzester Zeit wollten sie ein demokratisches politisches System einführen und funktionsfähig machen. Gleichzeitig musste aber auch das Wirtschaftssystem reformiert werden. Eine funktionierende Marktwirtschaft war das Ziel. Für einige Staaten wurden diese Aufgaben dadurch erschwert, dass sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Unabhängigkeit erlangten und plötzlich ohne Unterstützung aus benachbarten Regionen auskommen mussten.
 
Die Gleichzeitigkeit der politischen und wirtschaftlichen Transformation stellte ein zentrales Problem des Wandels dar. Wirtschaftliche Reformen - z.B. die Privatisierung der Unternehmen, die Einführung eines neuen Fiskalsystems oder die Liberalisierung des Handels und der Preise - führten zunächst zum Anstieg der Arbeitslosigkeit und zum massiven sozialen und materiellen Einbruch bei großen Teilen der Bevölkerung. Die vorhandenen Sozialsysteme waren dieser Belastung nicht gewachsen und brachen zusammen. In den Augen vieler Menschen waren diese Missstände eine Folge der Demokratisierung, die ja gleichzeitig stattfand. Die Sehnsucht nach der Stabilität der sozialistischen Zeit machte sich breit.

Demokratisierungen und Autokratisierungen

Den Weg aus dieser Krise meisterten die Staaten auf unterschiedliche Weise. Einige von ihnen, z.B. die Staaten Ostmitteleuropas,  hielten an der Demokratie und Marktwirtschaft fest und haben beachtliche Fortschritte erzielt. Im Nachhinein begrüßt die Mehrheit der Bevölkerung in diesen Staaten die Demokratisierung. Aber es gibt auch Staaten, die inzwischen wieder autokratisch regiert werden. Auch dort begrüßt die Mehrheit der Bevölkerung den eingeschlagenen Weg. In Weißrussland ist das der Fall, aber auch in einigen anderen Staaten ist die Tendenz dazu vorhanden. Ob sie sich wieder in Richtung Demokratie entwickeln werden, bleibt abzuwarten.

Starke Ost-West-Unterschiede

Stacheldraht entlang des "eisernen Vorhangs" © Vladimír Tóth, CC BY-SA 2.5, wikimedia commons

Die unterschiedlichen Erfahrungshorizonte der Bevölkerung in Ost und West sind auch knapp 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs deutlich spürbar. Zivilgesellschaft und Pluralismus, wichtige Bestandteile einer Demokratie, sind in vielen Ländern Osteuropas noch nicht ausreichend ausgebildet. Die politische Partizipation ist schwächer ausgeprägt als in Westeuropa. Dies wird immer wieder an geringen Wahlbeteiligungen und niedrigen Mitgliederzahlen gesellschaftspolitischer Organisationen  deutlich.

Die EU-Beitrittsperspektive bzw. der bereits vollzogene EU-Beitritt hat in vielen Ländern eine mobilisierende sowie konsolidierende Wirkung erzielt. Da die meisten Länder eine Integration in die Europäische Union anstreben, bemühen sie sich, die von der EU vorgegebenen Kriterien zu erfüllen. Wie die erste Runde der EU-Osterweiterung gezeigt hat, sind die ostmitteleuropäischen sowie die baltischen Staaten in ihrem Transformationsprozess am weitesten fortgeschritten. Erhebliche Schwierigkeiten lassen sich noch in den westlichen Balkanländern sowie in den europäischen GUS-Staaten feststellen. Zudem bereiten populistische Tendenzen in Ländern wie Ungarn und Polen Beobachtern zunehmend Sorgen.

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