Gesellschaft

Gagausien

Bereits in den 1980er Jahren wurden sich Teile der moldauischen Gesellschaft ihres rumänischen sprachlichen und kulturellen Hintergrunds verstärkt bewusst. Es bildeten sich zwei Gruppierungen heraus: Die eine forderte die Angliederung an Rumänien, die andere bejahte zwar das rumänische kulturelle Erbe, forderte aber eine eigene Staatlichkeit. Nach der demokratischen ‚Wende’ konkurrierten zunächst pro-rumänische, moldauisch-nationale und zusätzlich pro-russische Gruppierungen um die politische Führung. Die ersten Parlamentswahlen von 1994 zeigten aber, dass die Mehrheit der Bevölkerung eine Vereinigung mit Rumänien ablehnte und die nationale Eigenstaatlichkeit Moldaus bevorzugte.

Der Übergang zur moldauischen Eigenstaatlichkeit wurde von zwei weiteren Separationskonflikten überschattet. In einem Fall riefen die Gagausier, ein christlich-orthodoxes Turkvolk im Süden der Republik, im Sommer 1990 eine Gagausische Sozialistische Sowjetrepublik aus. Durch ein 1994 vom moldauischen Parlament verabschiedetes Autonomiegesetz und die Verankerung der Autonomie Gagausiens in der nationalen Verfassung Moldaus 2003 konnte der Konflikt entschärft werden. Seit 1995 steht an der Spitze des Gebiets ein gewählter Gouverneur, der auch der Zentralregierung angehört. 1998 erhielt Gagausien ein eigenes Grundgesetz. Als Amtssprachen wurden Gagausisch, Russisch und Moldauisch festgesetzt.

Transnistrien

Den Gegenstand des zweiten Konflikts bildete die Statusfrage des mehrheitlich von Ukrainern und Russen bewohnten Transnistriens. Transnistrien ist ein schmaler, aus fünf Distrikten bestehender Gebietsstreifen am östlichen Ufer des Dnjestr. Vor 1940 gehörte das Gebiet zur Ukraine. 1990 proklamierte Transnistrien die Transnistrische Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik, später umbenannt in Transnistrische Moldauische Republik. International wurde diese nicht anerkannt.

Anfang der 1990er Jahre kam es zu militärischen Konflikten zwischen moldauischen Truppen einerseits und transnistrischen paramilitärischen Verbänden sowie russischen Truppen andererseits. Im Juli 1992 wurde ein moldauisch-russiches Abkommen über Konfliktbeilegung geschlossen. 1997 wurde ein Memorandum über Gewaltverzicht und Zusicherung weitreichender Autonomie unterschrieben. Der Konflikt ruht unter der Vermittlung der OSZE, Russlands und der Ukraine seit 1998. Doch nach wie vor prägt der ungeklärte Status Transnistriens die politische Entwicklung Moldaus.


Quelle:

Munzinger Online

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