Gesellschaft

Durch den Zweiten Weltkrieg, Abwanderung und Deportationen verlor Litauen von 1940 bis 1960 etwa 1 Million Einwohner. Erst die Zuwanderung von Russen, Belarussen und Ukrainern führte dazu, dass 1968 die Bevölkerungszahl den Vorkriegsstand wieder erreichte. Der Minderheitenanteil ist jedoch gering geblieben. Die Russen stellen 6,3%, die Weißrussen 1,2% und die Ukrainer 0,7% der Bevölkerung dar. Darüber hinaus gibt es kleine lettische, tatarische und deutsche Minderheiten. Die größte Gruppe bilden mit 6,7% die Polen. Der Anteil der Litauer liegt bei 83,5%.
Bereits 1990 bekamen alle ständigen Einwohner Litauens ungeachtet ihrer Nationalität per Gesetz die Möglichkeit, Staatsbürger zu werden. Fast 95% der Bevölkerung haben sie genutzt und genießen heute alle politischen und sozialen Rechte. Seit 1995 ist Litauisch offiziell die einzige Amtssprache im Land, es werden jedoch weiterhin Fernseh- und Radiosendungen in den Minderheitensprachen angeboten.
Verfolgung der jüdischen Minderheit
Ein besonders trauriges Kapitel in der Geschichte Litauens bildet die Verfolgung der jüdischen Minderheit. Bereits im 15. Jahrhundert wurden die ersten jüdischen Gemeinden gegründet. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Litauen zu einem wichtigen Zentrum jüdischer Kultur und Religion. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten hier ca. 250.000 Juden. Während der deutschen Besatzung (1941–1944) wurden rund 90% dieser Bevölkerungsgruppe ermordet. An der Judenverfolgung waren auch Litauer beteiligt.
Quellen:
Andrejs Urdze: Die Rückkehr der baltischen Staaten nach Europa, in: Der Bürger im Staat 2-3/ 2004, S. 102-107.
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