Infoportal östliches Europa

 

Geschichte

Das Gebiet des heutigen Kosovo war Teil des Osmanischen Reichs, bevor es 1912 im Ersten Balkankrieg an Serbien fiel. Auch nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) wurde Kosovo als Autonomes Gebiet Kosovo und Metochien (später Autonome Provinz Kosovo und  Metochien) Teil Serbiens. Währenddessen hatte Serbien selbst den Status einer Republik innerhalb der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien (nach 1963 Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien). Als in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Bevölkerungsanteil der Kosovo-Albaner in der Provinz stark gestiegen war, forderten ihre dominierenden politischen Kräfte mehr Selbstbestimmung und einen Republikstatus für ihr Land.

Unabhängigkeitserklärung, Krieg und UN-Verwaltung

Symbol der UCK

1989 hat die Provinz starke Einschränkungen ihrer Autonomierechte hinnehmen müssen. Das Parlament wurde geschlossen, die Regierung aufgelöst. Im September 1990 proklamierten 111 Abgeordnete der Kosovo-Albaner heimlich die Verfassung der Republik Kosovo. Ein Jahr später folgte die Unabhängigkeitserklärung, die per Volksabstimmung bestätigt wurde. Im Mai 1992 wurden einseitige Präsidentschafts- und Parlamentswahlen durchgeführt. 1993 wurde die Befreiungsarmee Kosovos (UCK) gegründet, die sich im weiteren Verlauf der 1990er Jahre Kämpfe mit der serbischen Polizei lieferte.

1998 eskalierte die Situation. Es häuften sich Meldungen darüber, dass serbische Einheiten bei ihrer Offensive massive Menschenrechtsverletzungen in Kosovo begingen. Die Vermittlungsversuche durch internationale Akteure (VN, OSZE, NATO) blieben weitgehend erfolglos. Nachdem die jugoslawische Regierung ein Ultimatum der NATO über die Stationierung einer von der NATO angeführten Truppe im Kosovo abgelehnt hatte, begann die NATO im März 1999 einen Luftkrieg. Am 10. Juni lenkte Jugoslawien ein und zog sich aus dem Kosovo zurück. Der UN-Sicherheitsrat beschloss daraufhin in der Resolution 1244 zum einen die provisorische Verwaltung des Kosovo durch die sogenannte United Nations Interim Administration Mission in Kosovo (UNMIK). Diese verabschiedete 2001 einen verfassungsrechtlichen Rahmen für das Kosovo. Zum anderen regelte die Resolution 1244 den Einsatz der NATO-Sicherheitstruppe Kosovo Force (KFOR), der das Ziel hatte, den Abzug der jugoslawischen Truppen und die Entmilitarisierung des Kosovo überwachen.

Die umstrittene Unabhängigkeit 2008

Feiern zur Unabhängigkeit des Kosovo in Wien 2008

Die Verhandlungen über den Status der Provinz verliefen ohne Ergebnis. Serbien hielt stets mit Unterstützung von Russland an Kosovos Zugehörigkeit zu Serbien fest. Von den rund zwei Millionen Einwohnern des Kosovo sind 90 Prozent albanischer Abstammung. Gut 100.000 Einwohner sind Serben, ihre Zahl hat nach dem Kosovo-Krieg 1999 stark abgenommen. Die Serben im Kosovo wehrten sich gegen die Unabhängigkeit ihres Gebietes von Serbien. 1999 und im März 2004 kam es zu progromartigen Ausschreitungen von Albanern gegen die serbische Minderheit und die Roma im Kosovo. Allein bei den Unruhen 2004 waren 19 Tote zu verzeichnen.

Am 17. Februar 2008 verkündete das Parlament von Kosovo einseitig die Unabhängigkeit von der Provinz Serbien. Per Beifall stimmten die Abgeordneten auf einer Sondersitzung in Pristina der Unabhängigkeitserklärung zu. Darin verpflichtet sich der neue Staat dem "Frieden" und der "Stabilität".

Bis zur echten Selbständigkeit ist es aber noch ein weiter Weg. Die serbische Regierung hat mehrfach erklärt, auf keinen Fall das Land mit der tausendjährigen serbischen Geschichte abtreten zu wollen. Russland verurteilt die Unabhängigkeitserklärung ebenfalls. Die USA dagegen erkannten am 18. Februar 2008 als erstes Land offiziell das Kosovo als unabhängigen Staat an. Am 20. Februar des gleichen Jahres beschloss auch die Bundesregierung Deutschland die völkerrechtliche Anerkennung des unabhängigen Staates Kosovo. Bisher haben über 113 Länder das Kosovo anerkannt, darunter die meisten EU Länder. Doch viele Staaten der Erde, unter ihnen Russland und China sowie die EU Staaten Spanien, Griechenland, Slowakei und Rumänien betrachten das Kosovo offiziell immer noch als serbische Provinz. Aufgrund der Ablehnung durch viele nichtwestliche Staaten ist Kosovo bisher auch noch kein Mitglied der UN geworden. Im Jahr 2012 kam es auf Initiative der EU zu einem Abkommen zwischen dem Kosovo und Serbien, das die Spannungen zwischen beiden Ländern etwas vermindert hat und unter anderem Regelungen zur Reisefreiheit und der Verwaltung der Grenze beinhaltete.

Am 22. Juli 2010 erkannte auch der Internationale Gerichtshof in Den Haag die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien als rechtens an.

Im März 2014 gab der Ministerpräsident des Kosovos bekannt, dass das Land die Einführung einer eigenen Armee in einer Stärke von 5000 aktiven Soldaten und 3000 Reservisten plant. Ziel der Vergrößerung soll sein, die Standards einer NATO-Armee anzustreben. Bisher hat das Kosovo nur 2500 Sicherheitskräfte, die dem Kommando der internationalen Truppen der KFOR unterstehen. Die KFOR hat die Aufgabe den immer noch instabilen Friedensprozess im Kosovo auch in den nächsten Jahren zu sichern. Das Mandat für den Einsatz der derzeit 1.350 deutschen Einsatzkräfte wurde zuletzt im Juni 2016 verlängert.


Quellen:

www.auswaertiges-amt.de

Außenministerium des Kosovo

Bundeswehr: KFOR

 

 

Nach oben