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Wirtschaft

Stand: Januar 2017

Schon in den 80er Jahren galt das Kosovo als das ökonomisch rückständigste Gebiet Jugoslawiens. So lag der Entwicklungsstand Kosovos 1984 bei gerade einmal 26 Prozent des jugoslawischen Durchschnitts - die Provinz war auf Investitionen aus Belgrad angewiesen. Hohe Arbeitslosigkeit, eine dichte Besiedlung und die Tätigkeit vieler Menschen in der Landwirtschaft stellten Probleme dar. Wirtschaftlich große Auswirkungen hatte auch der Kosovo-Konflikt 1998/1999, in dessen Folge zunächst viele Wiederaufbauleistungen und Infrastrukturprojekte umgesetzt wurden. Dies führte zu einem kurzfristigen Boom und einem Wirtschaftswachstum im Jahr 1999 von vier Prozent. Zudem begann damals die Transformation von einer sozialistisch geprägten Wirtschaftsstruktur zu einer offenen Marktwirtschaft.

Aktuelle Wirtschaftslage

Das Kosovo ist mit einem BIP pro Kopf von etwa 3.500 Euro (2015) das ärmste Land auf dem Balkan, kurz gefolgt von der Republik Moldau. Die Wirtschaftsleistung insgesamt lag 2015 bei 6,4 Milliarden Euro. Die Angaben hierzu sind allerdings unzuverlässig, da durch Transferleistungen einer großen Diaspora im Ausland und Schattenwirtschaft ebenfalls Geld in das Land kommt.

Aufgrund ihrer geringen Integration in die Globalwirtschaft wurde die Wirtschaft Kosovos von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise nur leicht getroffen. Die Wachstumsraten sind mit vier bis fünf Prozent seit 2011 wieder relativ stabil. Doch ist das Wachstum in hohem Maße von internationalen Hilfszahlungen, der Entwicklung des öffentlichen Sektors und den Überweisungen der im Ausland lebenden Kosovaren getragen.

Die Arbeitslosenrate von 35 Prozent gehört zu den höchsten in Europa und hat sich im Laufe der vergangenen Jahre nur geringfügig verringert. Insbesondere unter Jugendlichen ist die Arbeitslosigkeit weit verbreitet. Doch auch hier kann es zu Abweichungen kommen, da die genauen Beschäftigungszahlen im informellen Sektor nicht bekannt sind.

Wirtschaftsstruktur

Die kosovarische Wirtschaft ist in hohem Maße von Transferleistungen aus dem Ausland abhängig, denn die Eigenproduktion ist nur schwach ausgeprägt. Doch werden diese Leistungen häufig in privaten Konsum und nicht in öffentliche Investitionen gesteckt, weshalb eine Stagnation der Wirtschaftsentwicklung deutlich wird.

Der wichtigste Bereich für das Bruttoinlandsprodukt ist der Dienstleistungssektor, der zu etwa zwei Dritteln zur Wirtschaftsleistung beiträgt. Entwicklungspotenziale werden hier vor allem im Tourismus und in der IT-Branche vermutet. Der industrielle Sektor dagegen ist schwach ausgeprägt. Nur jedes zehnte Unternehmen ist in diesem Bereich tätig. Der Landwirtschaftssektor trägt zu etwa 15 Prozent zum BIP bei, ist jedoch weiterhin schwach in seiner Produktivität. Nur etwa 30 Prozent der Nahrungsmittel kann der Kosovo durch Eigenproduktion decken. Für die Weiterentwicklung wichtige Kredite sind oft durch ungeklärte Eigentumsrechte nur schwer zu bekommen. Insgesamt sind noch etwa fünf Prozent der Arbeitenden im Landwirtschaftssektor beschäftigt, wobei die Tendenz sinkend ist.

Die Attraktivität für ausländische Investitionen ist gestiegen, nachdem im April 2016 das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) mit der EU abgeschlossen worden ist. Günstige Körperschaften, ein leistungsfähiger Bankensektor, sowie ein flexibler Arbeitsmarkt locken zunehmend ausländische Unternehmen an.

Außenhandelsbeziehungen

Die derzeitige Wirtschaftsstruktur Kosovos führt zu einem hohen Außenhandelsdefizit. So wurden 2015 beim Import 2,6 Milliarden Euro ausgegeben, wobei der Export nur 325,2 Millionen Euro eingebracht hat. Wichtigster Handelspartner innerhalb der EU, aus der Kosovo über 40 Prozent der importierten Güter bezieht, ist dabei Deutschland (11 Prozent). Weitere wichtige Importländer sind Serbien, die Türkei, China und Italien. Exportiert wird vor allem Indien, Albanien, Mazedonien und Serbien.

Als wichtigste Güter für den Import gibt das kosovarische Amt für Statistik mineralische Brennstoffe, Nuklearreaktoren, Boiler und Maschinen, sowie Fahrzeuge, Plastik und Plastikprodukte und elektrische Maschinen an (2015). Exportiert wurden vor allem Eisen und Stahl, Plastik und Plastikprodukte, sowie Stahl- und Eisenprodukte. Wichtig für die Wirtschaft des Kosovo sind auch  Rohstoff-Exporte (insb. Erze und Bleikonzentrate) und Getränke, einschließlich alkoholische Getränke und Essig. 

Der Kosovo nutzt den Euro als Währung, obgleich er nicht zur Eurozone gehört.


Quellen:

Auswärtiges Amt

GIZ de,

Munzinger Online,

Weltbank


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