Infoportal östliches Europa

 

Geschichte

Ausdehnung des Habsburger Reiches

Die Anfänge kroatischer Staatlichkeit reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück, als es den Kroaten gelang, sich von der fränkischen Oberherrschaft zu lösen. Nachdem im 11. Jahrhundert das kroatische Königreich zu einem festen Faktor auf dem Westbalkan geworden war, wurde 1102 der ungarische König Koloman zum kroatischen König gewählt: die Personalunion zwischen Ungarn und Kroatien hatte Bestand bis zum Ende Österreich-Ungarns im Jahre 1918. Das ungarische-kroatische Königreich wurde im 14. Jahrhundert zunehmend von der Expansion der türkischen Osmanen bedrängt. Insbesondere die südlichen und östlichen Teile Kroatiens wurden vom Osmanischen Reich erobert.

Nach dem Tod des ungarischen Königs Ludwig II gegen die Türken in der Schlacht von Mohacs 1526 wurde der Habsburger Ferdinand zum neuen ungarischen König gewählt. Damit wurden Ungarn und die, nicht unter osmanische Herrschaft gelangten, kroatischen Gebiete Teil des österreichischen Habsburgerreiches. Die Grenze zwischen dem Habsburger und Osmanischen Reich wurde mit Flüchtlingen aus den osmanischen Gebieten, viele von ihnen Serben orthodoxen Glaubens, besiedelt. Sie hatten die Aufgabe das Habsburgerreich gegen türkische Angriffe zu sichern. Anfang des 18. Jahrhunderts gelang es habsburgischen Truppen die Osmanen aus Ungarn und dem östlichen Kroatien (Slawonien) zurückzudrängen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Kroatien eine Nationalbewegung, die jedoch in sich gespalten war. So propagierte ein Teil der Bewegung ein unabhängiges Kroatien, während andere Kräfte ein Zusammengehen mit Serbien befürworteten. Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) kämpften kroatische Soldaten in den Reihen der österreichisch-ungarischen Armee, doch gegen Ende des Krieges desertierten viele kroatische Soldaten. Nach der Niederlage und Auflösung der österreichisch-ungarischen Habsburgermonarchie 1918 wurde Kroatien Teil des „Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen“ (SHS Staat). Im SHS Staat, der 1929 in „Jugoslawien“ umbenannt wurde, dominierten die Serben in Politik und Militär. Es bildete sich eine kroatische Opposition unter Führung der Bauernpartei, die mehr Rechte für den Landesteil Kroatien forderte. Die Bauernpartei konnte allerdings nur wenig von ihren Forderungen durchsetzen, obwohl sie gerade in ländlichen Regionen Kroatiens sehr große Unterstützung besaß.

Jugoslawien und Krieg

Ruinen des Krieges

Nach der Kriegserklärung Hitlers gegen Jugoslawien und der schnellen Niederlage der jugoslawischen Armee gegen die deutsche Wehrmacht im Jahr 1941 wurde ein kroatischer Staat, unter Führung der faschistischen „Ustascha“ Bewegung, gegründet. Der „Ustascha“ - Staat war formal unabhängig, stand aber unter Kontrolle des Deutschen Reiches und Italiens. Die „Ustascha“ ging mit großer Härte gegen die knapp zwei Millionen Serben und Juden vor, die auf dem Territorium des neuen kroatischen Staates siedelten. Vor allem in den serbisch besiedelten Gebieten Kroatiens formierte sich Widerstand durch kommunistische Partisanen. Gegen Ende des Krieges wurde Kroatien vollständig von den Partisanen erobert und im November 1945 wurde die Volksrepublik Jugoslawien unter der Führung von Josip Tito ausgerufen.

Die kommunistische Partei etablierte sich in Jugoslawien schnell und es wurde ein föderativer Staat gebildet, in dem Kroatien eine von sechs Teilrepubliken war. Durch die föderative Gliederung Jugoslawiens konnte lange Zeit ein Konflikt zwischen den verschiedenen Völkern des Landes vermieden werden. Seit etwa 1985 wurde jedoch in Kroatien der Ruf nach mehr Rechten für die Teilrepublik zunehmend stärker. Eine seit Ende der 70er Jahre anhaltende Wirtschaftskrise verstärkte die Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Nachdem in Serbien der Nationalist Slobodan Milosevic 1986 Parteichef wurde und die föderative Verfassung Jugoslawiens zunehmend in Frage stellte, verstärkten sich die separatistischen Tendenzen in Kroatien.

Bei freien Wahlen im April 1990 gewann die antikommunistische, konservative Partei HDZ unter Franjo Tudman 42 Prozent der Stimmen. Im Mai 1990 wurde Tudman zum kroatischen Staatsoberhaupt gewählt und die kroatische Führung verlangte die Umwandlung Jugoslawiens in einen Bund souveräner Staaten. Nachdem die Verhandlungen darüber zu keinem Ergebnis führten, erklärten Kroatien und Slowenien im Juni 1991 ihre Unabhängigkeit. In der Folge kam es in Kroatien zu Kämpfen serbischer Milizen gegen die kroatischen Streitkräfte. Nachdem die jugoslawische Volksarmee auf Seiten der Milizen eingriff, gelangte etwa ein Drittel des kroatischen Staatsgebietes unter serbische Kontrolle. In den besetzten Gebieten wurde die „Republik Serbische Krajina“ ausgerufen. Der Konflikt zwischen Serbien und Kroatien verschärfte sich noch durch den Bürgerkrieg im benachbarten Bosnien, in dem beide Seiten jeweils ihre eigene Volksgruppe unterstützten. Im August 1995 griffen kroatische Truppen die Serbische Republik Krajina an und eroberten das Gebiet zurück. Etwa 150.000 bis 170.000 Serben flüchteten aus der Krajina nach Serbien. Etwas später räumten die Serben auch das von ihnen ebenfalls besetzte Ostslawonien (östlicher Landesteil Kroatiens).

Autoritarismus und Transformation

Nach Kriegsende folgte zunächst eine Phase autoritärer Herrschaft, die eine effektive Konsolidierung der Demokratie verhinderte. Tu?mans Partei, die HDZ, ließ anderen politischen Kräften in Kroatien jahrelang wenig Spielraum. Weit verbreitete Korruption und Menschenrechtsverletzungen stellten international häufig kritisierte Begleiterscheinungen dar.

Im Dezember 1999 starb der kroatische Präsident Tu?man. Bei den Parlamentswahlen einen Monat später verlor die HDZ ihre bisherige Mehrheit und bei den Präsidentschaftswahlen im Februar 2000 wurde der Oppositionspolitiker Stipe Mesic gewählt. Das Verhältnis zur EU verbesserte sich und bereits im Oktober 2001 unterzeichnete Kroatien ein Assoziierungsabkommen mit der EU. Im Juli 2013 wurde Kroatien in die EU aufgenommen. Seit April 2009 ist Kroatien auch Mitglied der Nato. Das Verhältnis zu Serbien hat sich seit dem Tod Tudmans und dem Sturz Milosevics schrittweise normalisiert. Allerdings ist nur ein Teil der vertriebenen serbischen Bevölkerung in die kroatischen Siedlungsgebiete in der Krajina und Ostslawonien zurückgekehrt.

Mathias v. Hofen


Literatur:
Marie-Janine Calic: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert. München, 2010
Ludwig Steindorff: Kroatien. München, 2001
Edgar Hösch: Geschichte der Balkanländer, München, 2002



Nach oben