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Geschichte

Serbien 1849

Die Ursprünge der serbischen Staatlichkeit gehen auf das 10. und 11. Jahrhundert zurück. Unter der Dynastie der Nemanjiden erlangte Serbien im 13. und 14. Jahrhundert die Vorherrschaft auf dem Balkan. Mit dem Nemanjidenfürst Stefan IV Dusan (1331-1355) erreichte Serbien den Höhepunkt seiner Machtentfaltung und beherrschte ein Gebiet, das von Belgrad bis ins mittlere Griechenland reichte. 1346 ließ sich Dusan zum Zaren krönen. Unter seinen Nachfolgern begannen der Niedergang Serbiens und die politische Zersplitterung des Landes.


Serbien und der Erste Weltkrieg

Serbien und der Zweite Weltkrieg

Jugoslawien unter Tito

Die Jugoslawienkriege

Jüngere Geschichte


Im 14. Jahrhundert drangen die türkischen Osmanen immer stärker auf dem Balkan vor. Nach der Schlacht der serbischen Truppen gegen die Osmanen 1389 auf dem Amselfeld (im heutigen Kosovo gelegen) gelangte ganz Serbien unter türkische Herrschaft. Nach anfänglicher religiöser Toleranz wurde die politische und religiöse Unterdrückung der Serben durch die Osmanen zunehmend stärker. Die Türken beherrschten Serbien fast fünf Jahrhunderte. Nach zwei blutigen Aufständen in den Jahren 1804-1813 und 1815 und einer nachfolgenden Autonomie verließen 1867 die letzten türkischen Truppen Serbien.

Die Unabhängigkeit Serbiens

Nachdem das russische Zarenreich im Krieg gegen die Osmanen gewonnen hatte, erkannten die Großmächte auf dem Berliner Kongress 1878 die Unabhängigkeit Serbiens an. Im Jahr 1882 wurde das Fürstentum Serbien zum Königreich. Allerdings war der neue serbische Staat politisch nicht sehr stabil. So kam es 1903 zur Ermordung des Königs Aleksandar Obrenovic durch Offiziere der serbischen Armee. Sein Nachfolger verfolgte eine stark an Russland angelehnte Politik. So annektierte Österreich-Ungarn im Jahr 1908 Bosnien, wo eine große serbische Minderheit lebte. Dies führte in Serbien zu einem Erstarken nationalistischer Strömungen. 1912 kam es zum Krieg der Balkanländer Serbien, Bulgarien, Griechenland und Montenegro gegen die Türken, die schnell besiegt wurden (erster Balkankrieg). Anschließend kam es bei der Aufteilung der türkischen Balkangebiete zum Konflikt Bulgariens mit Serbien, Griechenland und Rumänien, der zur Niederlage Bulgariens im zweiten Balkankrieg führte.

Serbien und der Erste Weltkrieg

Die beiden Kriege hatten die Position Serbiens auf dem Balkan gestärkt (das Kosovo und ein großer Teil Makedoniens wurden serbisch). Während die serbische Regierung gegenüber Österreich-Ungarn weiterhin eher vorsichtig agierte, forderten nationalistische Gruppen in Serbien einen Krieg gegen die Habsburgermonarchie. Ihr Ziel war es, die Kroaten, Slowenen und Bosnier von der österreichischen Herrschaft zu befreien und sie mit den Serben in einem südslawischen (jugoslawischen) Staat zu vereinen. Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand im Juni 1914 durch den serbisch-bosnischen Nationalisten Gavrilo Princip führte zum offenen Konflikt Österreich-Ungarns mit Serbien. Die Regierung in Wien stellte Serbien ein Ultimatum, das von Serbien nicht angenommen wurde. Daraufhin erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Durch die nachfolgenden Kriegserklärungen zwischen den Großmächten begann der Erste Weltkrieg, beim dem Serbien auf Seiten der „Entente“ (Russland, Frankreich, Großbritannien und Italien) gegen die „Mittelmächte“ Deutschland, Österreich-Ungarn und Türkei kämpfte.

Ein erster Angriff österreichischer Truppen auf Serbien 1914/15 war wenig erfolgreich. Im Oktober 1915 begann jedoch ein neuer Angriff, bei dem Österreich-Ungarn von deutschen und bulgarischen Truppen unterstützt wurde (Bulgarien war 1915 auf Seiten der Mittelmächte in den Krieg eingetreten). Die serbische Armee wurde zurückgedrängt und zog sich unter großen Verlusten, an die Adria zurück, von wo sie in das verbündete Griechenland evakuiert wurde. Serbien geriet unter die Kontrolle der siegreichen deutschen, österreichischen und bulgarischen Truppen, wobei alle drei ein hartes Besatzungsregime errichteten. Erst als sich der Krieg im Herbst 1918 dem Ende zuneigte, konnte die serbische Armee - von Frankreich und England unterstützt - eine Großoffensive beginnen und Serbien befreien. Serbien hatte mit ungefähr 1,1 Millionen Kriegstoten, die in Relation zur Bevölkerungszahl höchsten Verluste von allen kriegsteilnehmenden Ländern.

Der Staat der Serben, Kroaten und Slowenen

Die serbische Regierung forderte  bei den Friedensverhandlungen in Versailles angesichts der hohen Opferzahlen die Einrichtung eines Staates für die südslawischen Völker. Im Dezember 1918 wurde der SHS Staat („Staat der Serben, Kroaten und Slowenen“, der aber auch Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Montenegro und das Kosovo einschloss) ausgerufen: ein Königreich mit stark zentralistischer Verfassung. Im SHS Staat dominierten die Serben in Politik, Verwaltung und Militär. Dagegen formierte sich in den nicht serbischen Landesteilen Widerstand. Dieser wurde auch durch die im ganzen Land stark verbreitete Armut und die schlechten sozialen Bedingungen verstärkt. Im Jahr 1929 löste König Aleksandr das Parlament auf, etablierte eine autoritäre Herrschaft und benannte den Staat um in „Königreich Jugoslawien“. Der Widerstand gegen die serbische Dominanz radikalisierte sich durch diesen Schritt und 1934 wurde der König bei einem Attentat kroatischer und mazedonischer Nationalisten getötet.

Serbien und der Zweite Weltkrieg

Die jugoslawische Regierung trat 1941 dem vom nationalsozialistischen Deutschland dominierten Dreimächtepakt bei. Aus Widerstand gegen diese Entscheidung setzten serbische Offiziere wenige Tage später die Regierung ab, woraufhin deutsche Truppen in Jugoslawien einmarschierten und die deutsche Luftwaffe Belgrad bombardierte. Bereits elf Tage später kapitulierte die jugoslawische Armee. Deutschland besetzte Serbien und die verbündeten Italiener Dalmatien, während die Ungarn in die (nordserbische) Vojvodina einrückten und die Bulgaren in Ostmakedonien. Kroatien wurde unabhängig -  stand allerdings unter deutscher und italienischer Kontrolle. Die Deutschen verfolgten in Serbien eine Politik der ökonomischen Ausbeutung und eine Umsetzung der NS-Rassenpolitik. Unter dieser hatten vor allem Serben und Juden zu leiden, von denen zehntausende ermordet wurden. Dagegen formierte sich zwar Widerstand. So kämpften sowohl die nationalistischen, königstreuen Tschetnik-Verbände als auch kommunistische Partisanen unter Führung von Josip Tito gegen die Deutschen. Doch häufig kämpften sie auch gegeneinander.

Jugoslawien unter Tito

Gegen Ende des Krieges wurden die kommunistischen Kräfte zunehmend stärker. Den kommunistischen Partisanen gelang es, Belgrad zu erobern und mit Unterstützung sowjetischer Einheiten bis Mai 1945 ganz Serbien und Jugoslawien zu besetzen. Ebenso wie in den Nachbarstaaten Ungarn, Rumänien und Bulgarien etablierte sich in Jugoslawien ein kommunistisches System unter sowjetischer Kontrolle. Doch bereits 1948 kam es zum Bruch zwischen Tito und Stalin. Jugoslawien verfolgte von nun an eine von der Sowjetunion unabhängige Entwicklung und wurde zu einem führenden Mitglied der „blockfreien“ Staaten, die eine neutrale Politik zwischen der NATO und dem sowjetisch dominierten Warschauer Pakt, vertraten. Im Inneren etablierte Tito die Politik der „Arbeiterselbstverwaltung“ und betrieb eine Föderalisierung des Staates. Das System Jugoslawiens war politisch und wirtschaftlich liberaler als in den Staaten des „Ostblocks“ (der sowjetischen Einflusssphäre).

Die Jugoslawienkriege

Nach dem Tod Titos 1980 kam es in Jugoslawien zum Wiedererstarken nationalistischer Kräfte, die unter Tito stark zurückgedrängt worden waren. In Serbien vertrat der Ministerpräsident der autonomen serbischen Teilrepublik, Slobodan Milosevic, einen national-kommunistischen Kurs. Sein Regime begann 1987 mit dem Sturz des bisherigen Präsidenten Ivan Stambolic und dauerte bis zum Jahr 2000 an. Milosevic behauptete kurz nach seinem Amtsantritt, die Zentralregierung und die anderen Teilrepubliken (insbesondere Kroatien und Slowenien) würden Serbien gezielt benachteiligen. Auch gebe es im Kosovo einen „politischen und kulturellen Genozid“ gegen die Serben.

 

 

Regime Milosevic

Slobodan Milosevic 1996

Während der Jugoslawienkriege befand sich Serbien unter der Präsidentschaft Slobodan Miloševics. Der Präsident gilt bis heute als Schlüsselfigur der Jugoslawienkriege, da er die Jugoslawische Volksarmee massiv unterstützte. Auch trägt er Mitverantwortung für viele der begangenen Kriegsverbrechen. Das Regime Miloševic (1987-2000) zeichnete sich vor allem durch seine unnachgiebige Politik aus, mit der er letztendlich auch die Eigenständigkeit der Republik Srpska innerhalb des serbischen Gebietes erreichte.

1999 wurde Miloševic vom Internationalen Strafgerichtshof für die ehemalige Republik Jugoslawien in insgesamt 66 Anklagepunkten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, unter anderem für Völkermord und Deportationen. Der Prozess begann im Jahr 2002. Miloševic starb jedoch 2006 vor dem Abschluss des Verfahrens, sodass es zu keinem Urteil kam.

Im Juli 1990 erklärten sich die Parlamente von Kroatien und Slowenien für unabhängig. Die Zentralregierung in Belgrad erkannte die Unabhängigkeit nicht an und es kam zu einer Intervention der jugoslawischen Volksarmee im Sommer 1991 in Slowenien, die jedoch nach wenigen Tagen beendet wurde. Damit war Slowenien de facto unabhängig. Dieser 10-Tage-Krieg in Slowenien zählt heute als erster der sogenannen Jugsolawienkriege

In Kroatien brachen im Juni 1991 schwere Kämpfe zwischen der jugoslawischen Volksarmee und kroatischen Sicherheitskräften aus. Die kroatischen Städte Vukovar und Dubrovnik wurden von der Armee beschossen und in der Krajina, einem Teil Kroatiens, der überwiegend von Serben besiedelt wird, vertrieben serbische Milizen die kroatischen Sicherheitskräfte. Im Dezember 1991 erkannte die deutsche Regierung Kroatien und Slowenien als souveräne Staaten an, was auf starke Kritik in London und Paris stieß, wo die Regierungen für eine Bewahrung der Einheit Jugoslawiens plädierten.

Im April 1992 erklärte auch Bosnien-Herzegowina seine Unabhängigkeit. Daraufhin brachen schwere Kämpfe aus und die Streitkräfte der bosnischen Serben, die von der jugoslawischen Volksarmee unterstützt wurden, eroberten zwei Drittel Bosnien-Herzegowinas. Es folgten umfangreiche Vertreibungen der muslimischen und kroatischen Bevölkerung aus den serbisch kontrollierten Gebieten. Dabei kam es auch zu Erschießungen von Zivilisten wie beim Massaker von Srebrenica, bei dem im Juli 1995 etwa 8000 muslimische Männer exekutiert wurden.

Im Sommer 1995 willigten die Serben in Friedensverhandlungen ein, die zum Vertrag von Dayton führten. In diesem Vertrag wurde Bosnien in zwei eigenständige Teilrepubliken unterteilt: die „Föderation Bosnien und Herzegowina“, in der vor allem Muslime und Kroaten leben, und die Serbische „Republik Srpska“, die knapp die Hälfte des bosnischen Territoriums einnimmt.

Ab 1996 formierte sich im serbisch beherrschten Kosovo, der schon im Mittelalter zu Serbien gehört hatte, aber mehrheitlich von Albanern besiedelt wird, die albanische Untergrundarmee „UCK“. Die UCK kämpfte für die Unabhängigkeit des Kosovo. Im Frühjahr 1999 eskalierten Gefechte zwischen den UCK Kämpfern und serbischen Streitkräften und es kam zu Übergriffen gegen die Zivilbevölkerung, die eine Massenflucht von Kosovoalbanern nach Makedonien und Albanien auslösten. Daraufhin griff die NATO ein und bombardierte serbische Stellungen im Kosovo sowie verschiedene serbische Städte, um dadurch einen Friedensschluss zu erzwingen. Die Luftschläge der NATO forderten in Serbien, nach unterschiedlichen Schätzungen, etwa 2000-3000 Menschenleben. Im Juni 1999 billigte das serbische Parlament unter dem Druck der Luftschläge einen Friedensvertrag und im Kosovo rückte die internationale Friedenstruppe KFOR anstelle der abziehenden serbischen Truppen ein. Über 200.000 Serben emigrierten aus dem Kosovo und weit über hundert wurden von UCK Milizen ermordet.

Jüngere Geschichte

Der faktische Verlust des Kosovo für Serbien war ein Grund dafür, dass im Dezember 2000 die Partei „Demokratische Opposition“ die serbischen Parlamentswahlen gewann. Ministerpräsident wurde Zoran Dindic, der im Jahr 2002 den früheren Ministerpräsidenten Milosevic an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag ausliefern ließ. Dindic wurde ein Jahr später von serbischen Nationalisten ermordet. Doch auch nach Dindics Tod setzte die serbische Regierung dessen Politik, die auf politische und wirtschaftliche Reformen ausgerichtet war, weitgehend fort. Besonders Boris Tadic, der von 2004 bis 2012 Präsident war, vertrat eine demokratische Reformpolitik. Zudem verfolgte er eine Annäherung an die EU und eine Aussöhnung mit den früheren Kriegsgegnern Kroatien und Bosnien.


mehr zum Politischen System in Serbien


Seit März 2012 ist Serbien offizieller EU Beitrittskandidat, unterhält gleichzeitig aber auch gute Beziehungen mit Russland und China. Serbien hat sich den Sanktionen der EU, die im Jahr 2014 gegen Russland verhängt wurden, nicht angeschlossen. Ein Konfliktpunkt mit dem Westen bildet das Kosovo, das sich 2008 für unabhängig erklärt hat, was jedoch von Serbien nicht anerkannt wird.  Das Land leidet unter wirtschaftlichen Problemen, insbesondere einer hohen Arbeitslosigkeit, und einer weitverbreiteten Korruption, die zugleich einen negativen Einfluss auf die politischen Strukturen des heutigen Serbien hat.

Quellen

Marie-Janine Calic: Geschichte Jugoslawiens Im 20. Jahrhundert, München, 2010

Edgar Hösch: Geschichte der Balkanländer, München, 2002

Holm Sundhausen: Geschichte Serbiens: 19-21 Jahrhundert, Wien, 2007

Wolfgang Libal: Die Serben. Blüte, Wahn und Katastrophe. Dortmund, 1996

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