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Kultur

Die Sinti und Roma lassen sich keiner festen religiösen Gemeinschaft zuordnen. Häufig ist der jeweilige Aufenhalts- und Lebensort für die religiöse Prägung ausschlaggebend. So ist ein Großteil der Sinti und Roma römisch-katholisch, griechisch-orthodox oder muslimisch.

Die meisten Sinti und Roma sind aufgrund ihres Lebens in verschiedenen Ländern zwei- oder mehrsprachig. Die gemeinsame Sprache ist das Romanes, das eng mit dem alten Sanskrit verwandt ist. Das Romanes war bis zum 20. Jahrhundert eine rein mündliche Sprache und hat bis heute keine geschriebenen Regeln.

Ursprünglich war die Kultur der Sinti und Roma durch ihren Ursprung in Indien geprägt. Im Laufe der Jahrhunderte verschmolz die Kultur jedoch mit den jeweiligen kulturellen Eigenheiten der Länder, in denen sie lebten und leben. In drei Bereichen der menschlichen Kultur berufen sich die Sinti und Roma auf eine eigene Tradition, die weiterzupflegen ihr Anliegen ist: Im Handwerk, in der Musik und in der Erzählkunst.

Musik

© Wikimedia Commons

Die Musik der Roma ist von der Eigenschaft des genauen Hinhörens und sofortigen Improvisierens bestimmt. Diese Gabe der Musikalität wird in vielen Familien bereits im Kindesalter als Tradition gefördert und entwickelt. Ein Beispiel dafür ist die Musik der ungarischen Sinti und Roma: im früheren Ungarn gab es kein Bürgertum, das geschulte Musiker hervorbringen konnte. Die umherziehenden und musizierenden  „Zigeunerensembles“ wurden somit als ungarische Nationalmusiker anerkannt.

Der aus dem damaligen Ungarn stammende Komponist Franz Liszt war ein großer Bewunderer der Virtuosität und Improvisationskunst dieser Musiker. Er selbst bezeichnete sich als „zur Hälfte Franziskaner, zur Hälfte Zigeuner“. Auch in Spanien haben die so genannten gitanos inzwischen Ruhm erlangt, v.a. im Bereich der Flamencomusik. Die beiden Weltberühmtheiten Paco de Lucia und Camarón de la Isla entstammen beide dem Volk der Sinti und Roma.

Handwerk

Traditionell lagen die Berufe der Sinti und Roma vor allem im handwerklichen Bereich. Wie die musikalischen Fähigkeiten wurden auch handwerkliche Fähigkeiten innerhalb der Familien weitergegeben und gelehrt. Viele Sinti und Roma arbeiteten als Gold- und Kunstschmiede oder waren tätig im Bau von Musikinstrumenten, insbesondere von Geigen. Ebenso wie in der Musik verschmolzen auch die handwerklichen Fähigkeiten mit den jeweiligen Besonderheiten der Länder, in denen die Sinti und Roma ansässig waren.

Erzählkultur

Romafamilie in Kroatien 1941, © Bundesarchiv

Die Erzählungen, die innerhalb der Familien meist durch die Ältesten von Generation zu Generation weitergegeben werden, machen einen wichtigen Teil der Kultur der Sinti und Roma aus. Meist handeln sie von den Erlebnissen und dem Leben als gesellschaftliche (Rand-)gruppe.

Durch die Verfolgung im Nationalsozialismus erlitt die Erzählkultur der Sinti und Roma jedoch einen starken Bruch. Der Völkermord hat fast eine ganze Generation ausgelöscht, so dass es nur noch sehr wenige alte Menschen gibt, die Geschichten an ihre Kinder und Enkel weitergeben können. Zum anderen werden die Geschichten oftmals durch die Erfahrungen des Holocaust bestimmt und überdecken damit frühere Erzählgungen.


 

 

 

Dossier

 

Sinti und Roma in Europa

Die Bpb hat im Jahr 2014 ein Dossier zum Thema erstellt. Analysen und Interviews, Reportagen und Essays verschaffen hier Einblicke in das Leben der Sinti und Roma in Europa.

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Publikation

 

Sinti und Roma

ApuZ - Aus Politik und Zeitgeschichte (23-24/2011)

zum Heft

 
 
 
 
 

Veröffentlichung

 

LpB Bausteine:

Zwischen Romantisierung und Rassismus: Sinti und Roma - 600 Jahre in Deutschland (1998)

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Die Bpb hat im Jahr 2014 ein Dossier zum Thema erstellt. Analysen und Interviews, Reportagen und Essays verschaffen hier Einblicke in das Leben der Sinti und Roma in Europa.

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