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Soziale Situation

Romafrau vor einer Kirche in Bulgarien, © Wikimedia Commons (Lori Scott)

Bis heute lebt ein Großteil der Sinti und Roma in der EU am Rande der Gesellschaft, in den letzten 20 Jahren ist sogar eine Verschlechterung ihrer Situation festzustellen. Der Rassismus und Nationalismus in einzelnen Nationalstaaten nimmt wieder zu, sodass teilweise sogar anerkannte Parteien rassistische Positionen vertreten. Bislang gibt es in der EU kein allgemeines Diskriminierungsverbot.

Sinti und Roma sind häufig mit Schwierigkeiten konfrontiert, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Deshalb liegt die Beschäftigungsquote für Angehörige der Minderheit in manchen europäischen Ländern sogar bei unter 50 Prozent. Eine weitere Folge der sozial schwierigen Situation ist eine vergleichsweise hohe Sterblicheitsrate. So liegt die Lebenserwartung bei Sinti und oma etwa 10-15 Jahre unter der durchschnittlichen Lebenserwartung von Nicht-Roma oder Nicht-Sinti. Frauen und Kinder sind dabei besonders benachteiligt.

Gesellschaftliche Ausgrenzung

Die immer noch fortwirkenden Vorurteile gegenüber Sinti und Roma führen nach wie vor zur sozialen Ausgrenzung. In Deutschland beispielsweise ist jeder zweite der Meinung, Sinti und Roma würden selbst durch ihr Verhalten Feindseligkeiten hervorrufen. Jeder dritte Deutsche möchte nicht neben Sinti und Roma wohnen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Zwischen Gleichgültigkeit und Ablehnung - Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma" aus dem Jahr 2014, die die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Auftrag gegeben hat. Auch der Brandanschlag auf das Haus einer Familie deutscher Sinti im sächsischen Klingenhain im Dezember 2009 lässt sich als eines vieler Beispiele dieses sozialen Hasses sehen. Deutschland ist dabei kein Einzelfall; Sinti und Roma werden überall weiterhin diskriminiert und ausgegrenzt.

 

Problem der schulischen Bildung

Romakinder in Tschechien, © Wikimedia Commons

Bildung in Verbindung mit einem Schulbesuch gilt oftmals als wichtige Bedingung für Integration. Über Jahrzehnte hinweg gab es in diesem Bereich bei den Sinti und Roma aber nur geringe Verbesserungen in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus dem Jahr 2011 ("Studie zur aktuellen Bildungssituation deutscher Sinti und Roma. Dokumentation und Forschungsbericht"). Unter den Befragten gaben nur 19 Prozent an, eine berufliche Ausbildung absolviert zu haben - in der Mehrheitsbevölkerung sind es 84 Prozent. Nur sechs unter 261 Befragten gaben an, ein Gymnasium zu besuchen, 13 Prozent gingen auf gar keine Schule und mindestens 44 Prozent verfügen über keinen Schulabschluss.

Noch immer sind Ängste und Misstrauen gegenüber der Mehrheitsgesellschaft und ihren Bildungsinstitutionen präsent. So fühlten sich 54 Prozent der Befragten bei Behördenbesuchen "eingeschüchtert", "schlecht behandelt" oder "diskriminiert". Zudem fürchten viele Eltern fürchten, ihre eigenen Kinder bei der Schulbildung nicht ausreichend unterstützen zu können.

Um eine Chancengleichheit von Sinti und Roma erreichen zu können, ist es deshalb zunächst von Bedeutung, gegen die Diskriminierung vorzugehen. Dabei gilt es insbesondere, die Distanz zwischen den Bildungseinrichtungen und der Minderheit zu erkennen und schrittweise abzubauen.


 

Dossier

 

Sinti und Roma in Europa

Die Bpb hat im Jahr 2014 ein Dossier zum Thema erstellt. Analysen und Interviews, Reportagen und Essays verschaffen hier Einblicke in das Leben der Sinti und Roma in Europa.

zum Dossier

 
 
 
 
 

Publikation

 

Sinti und Roma

ApuZ - Aus Politik und Zeitgeschichte (23-24/2011)

zum Heft

 
 
 
 
 

Veröffentlichung

 

LpB Bausteine:

Zwischen Romantisierung und Rassismus: Sinti und Roma - 600 Jahre in Deutschland (1998)

zur Broschüre

 
 
 
 
 

Dossier

 

Sinti und Roma in Europa

Die Bpb hat im Jahr 2014 ein Dossier zum Thema erstellt. Analysen und Interviews, Reportagen und Essays verschaffen hier Einblicke in das Leben der Sinti und Roma in Europa.

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Zwischen Romantisierung und Rassismus: Sinti und Roma - 600 Jahre in Deutschland (1998)

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ApuZ - Aus Politik und Zeitgeschichte (23-24/2011)

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