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Die Sinti und Roma

Stand: Juli 2017

Flagge der Roma © Wikimedia Commons

Die Sinti und Roma sind mit 10 bis 12 Million Menschen die größte Minderheit in ganz Europa. Die genaue Zahl lässt sich allerdings nur schwer beziffern.

Das Wortpaar Sinti und Roma ist eine Besonderheit des deutschen Sprachgebrauchs zur Bezeichnung der Gesamtminderheit der Roma. Der Begriff etablierte sich, um den negativ belegten Ausdruck der "Zigeuner" abzulösen. Doch auch heute noch sind viele Roma von Ausgrenzung und Alltagsrassismus betroffen - vor allem, wenn auch nicht ausschließlich - in den Ländern des östlichen Europas. 


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Die Roma-Strategie der EU


Vorurteile und Ausgrenzung

Seit ihrer Ankunft in Europa im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts sind die Sinti und Roma stets Opfer von Vorurteilen gewesen. Da ihre – hauptsächlich durch die jahrhundertelange Verfolgung verursachte – Lebensweise meist nicht den Normen und Werten der Mehrheitsgesellschaft entsprach, wurden ihnen immer wieder kriminelle Energien unterstellt. Der „Zigeuner“ als Kindsräuber, als Dieb, Hexe, Verbreiter der Pest, Faulpelz und schmutziger Mensch war ein immer wiederkehrendes Bild der Fremdwahrnehmung von Sinti und Roma.

Viele Vorurteile gründen jedoch auf der mangelnden Bereitschaft zur Auseinandersetzung und dem Kennenlernen von Sinti und Roma. Häufig wird das „ewige Herumziehen“ der Sinti- und Roma-Familien als Grund für Abneigung ihnen gegenüber angegeben. Bemerkenswert ist dabei, dass heute ein großer Teil der Sinti und Roma die Nationalbürgerschaft ihrer jeweiligen Staaten besitzt, sesshaft ist und einen festen Beruf ausübt.

Antiziganismus

Romafrauen in Rumänien, © Wikimedia Commons (Adam Jones)

Allein der Begriff „Zigeuner“ hat bereits seit dem 16. Jahrhundert eine negative, diskriminierende Bedeutung, die ihm bis heute anhaftet. Deshalb wird die grundlegende Abwehrhaltung gegenüber Sinti und Roma seit den 80er Jahren als „Antiziganismus“ bezeichnet. Speziell bezieht sich der Antiziganismus dabei auf die Ausgrenzungs- und Verfolgungspolitik gegen die Minderheit seit dem 15. Jahrhundert, die auf einer pauschalisierten Zuschreibung von Wesenseigenschaften beruht.

Der Antiziganismus wird unter anderem auch von der Darstellung in den Medien befördert: Sinti und Roma werden häufig als mögliche Tätergruppen für jede Art von Kriminalität genannt. Dadurch verfestigt sich die konstruierte Wahrnehmung der ethnischen Minderheit als ein Volk von Dieben und Kriminellen mit riesigen Sippen, die zu einem Großteil selbst für ihre Ausgrenzung verantwortlich sind.


 

Dossier

 

Sinti und Roma in Europa

Die Bpb hat im Jahr 2014 ein Dossier zum Thema erstellt. Analysen und Interviews, Reportagen und Essays verschaffen hier Einblicke in das Leben der Sinti und Roma in Europa.

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Veröffentlichung

 

LpB Bausteine:

Zwischen Romantisierung und Rassismus: Sinti und Roma - 600 Jahre in Deutschland (1998)

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Publikation

 

Sinti und Roma

ApuZ - Aus Politik und Zeitgeschichte (23-24/2011)

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