Infoportal östliches Europa

 

Südosteuropa als Raum

Südosteuropa. Grafik: Anna Vogel

Südosteuropa scheint auf den ersten Blick keine geographische, kulturelle oder auch historische Einheit zu bilden. Es ist wie kaum ein anderer Teil Europas durch eine Vielfalt an Lebensformen, Sprachen und Religionen geprägt. Die geographische Abgeschlossenheit kleiner Gebiete hat dazu beigetragen, dass sehr unterschiedliche Kulturen erhalten blieben und Bestandteil der südosteuropäischen Geschichte wurden. Dennoch lassen sich auch raumübergreifende gemeinsame Merkmale benennen, die eine Einheit in der Vielfalt bilden.

Eines der wichtigsten Merkmale des Balkans ist seine geographische Lage zwischen Mittel- und Westeuropa einerseits und dem Vorderen Orient andererseits. Dadurch fungierte er immer wieder als Aufmarsch- und Durchgangsgebiet für Kreuzritter, Händler, Eroberer, Wissenschaftler und schließlich ganze Völkerschaften. Diese Brückenfunktion hat für die historische und kulturelle Entwicklung Südosteuropas die entscheidende Rolle gespielt.
 

Von der Antike bis zum Ersten Weltkrieg

Flagge des osmanischen Reiches

In der Antike herrschte die griechische Kultur auf dem Balkan vor. Später wurde Südosteuropa in das Römische Reich eingegliedert. Als dieses im 4. Jahrhundert zerfiel, ging Südosteuropa an das Oströmische Reich, aus dem sich später das Byzantinische Reich entwickelte. Die Herrschaft von Byzanz war aber in vielen Gebieten des Balkans nur nominell und konnte das Eindringen slawischer Völker in die nördlichen Balkanprovinzen nicht verhindern. Diese sogenannte ‚Slawische Landnahme’ im 6. und 7. Jahrhundert führte dazu, dass die einheimische Bevölkerung  verdrängt wurde und der innerbalkanische Handel zusammenbrach. Nach dem Niedergang der antiken Städte wurden die ersten slawischen Staaten gegründet − das serbische und das bulgarische Reich. Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1454 wurde die byzantinisch-orthodoxe Kultur von der orientalisch-islamischen Kultur überlagert. Die Osmanen beherrschten den Großteil Südosteuropas über mehrere Jahrhunderte. Erst das 19. Jahrhundert markierte das schrittweise Zurückdrängen des Osmanischen Reiches vom europäischen Kontinent. Die serbischen Aufstände von 1804 und 1815 sowie der griechische Befreiungskrieg von 1821 bis 1829 bildeten den Auftakt einer Kette von nationalen Erhebungen. Bis zu den Balkankriegen von 1912/13 verlor der ‚Kranke Mann am Bosporus’ (das Osmanische Reich) den Großteil seiner Gebiete in Südosteuropa. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 erlangten die Völker Südosteuropas Unabhängigkeit.

Kommunismus und Differenzierungsprozess

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich in den Balkanstaaten kommunistische Regime etabliert. Auch dadurch hat sich eine Reihe von Gemeinsamkeiten in der politischen Kultur, der Gesellschafts- und Wirtschaftsstruktur entwickelt. Die politische Wende von 1989 und der Zerfall Jugoslawiens haben den Weg für den Prozess der Differenzierung frei gemacht. Seitdem entwickeln sich die Staaten Südosteuropas sehr unterschiedlich: Slowenien z.B. zählt zu den erfolgreichsten Transformationsstaaten Osteuropas, ist seit 2004 EU-Mitglied und gehörte als erster und lange Zeit einziger Staat Osteuropas der Eurozone an. Staaten wie Bosnien-Herzegowina oder Albanien haben dagegen mit zahlreichen innenpolitischen Problemen zu kämpfen, und es wird noch lange dauern, bis dort stabile Verhältnisse herrschen.

Um die krisengeschüttelte Region des hauptsächlich ehemaligen Jugoslawiens zu stabilisieren, entwickelte die EU einen Stabilisierungs- und Assoziierungsprozess (SAP) für den Westlichen Balkan, d.h. für die Länder Albanien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro und Kosovo. 

Kroatien ist bereits Mitglied der EU; Serbien, Mazedonien und Montenegro besitzen den Status von Beitrittskandidaten. Albanien und Bosnien-Herzegowina haben ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet. Der Kosovo ist nur ein potenzieller EU-Beitrittskandidat. Es ist das Ziel der EU die Staaten des Balkans an die europäischen Strukturen heranzuführen, um so zur Stabilisierung der Region beizutragen.

Nach oben