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Wirtschaft in der Ukraine

Gas Pipeline, Ukraine. Photo: Dmytro Glazkov . World Bank. Flickr. CC BY-NC-ND 2.0.
Gas Pipeline, Ukraine. Photo: Dmytro Glazkov . World Bank. Flickr. CC BY-NC-ND 2.0.

Die Ukraine gehörte als ehemalige Sozialistische Sowjetrepublik zu den führenden Volkswirtschaften der Sowjetunion. Nach dem politischen Umbruch Anfang der 1990er Jahre und den ersten sogenannten „marktwirtschaftlichen Reformen“ verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage dramatisch. Anstatt zu einer Marktwirtschaft entwickelte sich die Ukraine zu einer „Clanwirtschaft“: Einflussreiche Politiker und Wirtschaftsgrößen teilten die gewinnbringenden Sektoren der Großindustrie unter ihren Clans auf und steuerten sie eigenen Interessen entsprechend.

Erst seit dem Ende der 1990er Jahre wurde das wirtschaftliche Potential der Ukraine wieder besser genutzt. Das Land hatte schon mit der gelungenen Währungsreform (1996), der Privatisierung der Landwirtschaft und der Industrie deutliche Fortschritte im marktwirtschaftlich orientierten Transformationsprozess gemacht. Nach der „Orangenen Revolution“ (2004) hatten sich die rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen weiter verbessert.

Wirtschafts- und Finanzkrise

Allerdings traf die Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2008 die Ukraine besonders stark. Das Wachstum brach 2009 um 15 Prozent ein, die Exporte gingen um 40 Prozent zurück, die industrielle Produktion um ca. 22 Prozent, die Arbeitslosigkeit stieg auf über 9 Prozent, die Reallöhne sanken um etwa 10 Prozent. Die Landeswährung Hrywnja verlor stark an Wert. Das umfangreiche Reformprogramm für die Jahre 2010 bis 2014 mit der beabsichtigten nachhaltigen Verbesserung des Investitionsklimas ist nur ansatzweise umgesetzt worden. Kiew ist 2013 mit einem Minuswachstum von 1,5 Prozent in eine Rezession gerutscht. Im Jahr 2014 ist das Wirtschaftswachstum um 6,6 Prozent eingebrochen, im Jahr 2015 um 9,9 Prozent. Diese Entwicklung ist auf die Auswirkungen der Kampfhandlungen im Osten des Landes zurückzuführen.


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Aktuelle Wirtschaftslage

Seit Mitte 2015 hat sich die Wirtschaft wieder etwas stabilisiert. Experten gehen im Jahr 2016 sogar von einem leichten Wirtschaftswachstum von etwa 1 Prozent aus, das 2017 noch höher ausfallen könnte.

Die Ukraine, die zuletzt am Tropf der russischen Regierung hing, hatte 2014 den Internationalen Währungsfond (IWF) offiziell um Unterstützung gebeten. Die rund 13 Milliarden Euro vom IWF sind allerdings an Bedingungen geknüpft - so muss die Ukraine die Wirtschaft des Landes reformieren. Die Ausgaben sollen gekürzt, nahezu keine neuen Schulden aufgenommen und das Rentenalter soll heraufgesetzt werden. Die EU will die Ukraine mit 11 Milliarden Euro bis 2020 unterstützen, die USA hat eine Milliarde Dollar zugesagt. Von der Bundesregierung erhält die Ukraine einen ungebundenen Finanzkredit in Höhe von 500 Millionen Euro.

Eine Stabilisierung wird auch durch das Assoziierungsabkommen mit der EU erhofft, das am 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist. Darin ist vorgesehen, europäische Standards umzusetzen und den Handel mit der EU weiter zu liberalisieren. Bereits jetzt hat das ukrainische Parlament dazu Gesetzesvorhaben beschlossen, wie etwa eine Angleichung des Gasmarktes an die Regeln des EU-Wettbewerbs.

Wirtschaftsstruktur

Schon vor den Kämpfen im Land war die Ukraine wirtschaftlich angeschlagen. Nun liegen einige Industriezweige brach. Produktionsausfälle gehören zu den direkten Folgen der Kriegshandlungen im Osten. Die von den Kämpfen am meisten betroffenen östlichen Regionen Donezk und Lugansk sind aufgrund der Industrie und Steinkohlevorkommen wirtschaftlich besonders wichtig für die Ukraine. Entsprechend negativ wirkt es sich aus, dass in diesen Regionen die wirtschaftliche Aktivität gesunken ist.

Die Ukraine gehört zu den größten Abnehmerländern des russischen Energiekonzerns Gazprom. Sie ist das wichtigste Transitland für russische Erdgasexporte. Doch länger andauernde Konflikte und die erhöhten Gaspreise führten 2014 zu einer Eskalation. Mehrmals kam es zu Lieferstopps, da die Länder sich um die Konditionen stritten. Auf russischer Seite versucht der Konzern Gazprom sein wirtschaftliches Ergebnis durch höhere Preise für Erdgaslieferungen in die GUS zu verbessern. Gleichzeitig hat Gazprom ein Interesse daran, die ukrainischen Erdgaspipelines zu übernehmen, um den Transit besser kontrollieren zu können. Am 30. Oktober 2014 einigten sich in Brüssel die Ukraine, Russland und die Europäische Union hinsichtlich mehrerer strittiger Punkte. So soll die Gasversorgung der Ukraine - und damit letztlich auch Europas - während des Winters 2014/15 sicher sein.

Allgemein ist das Vertrauen bei Unternehmern und Verbrauchern gesunken. Investoren schätzen das Land mit hohem Risiko ein.

Auswirkungen des Ukraine-Konflikts

Die Weltwirtschaft bekommt die Ukraine-Krise ebenso zu spüren. Der Konflikt in der Ukraine hat eine negative Auswirkung auf die weltweiten Finanzmärkte. Die Börsianer an der Wall Street, in London und Frankfurt reagieren verunsichert, obwohl z.B. US-Firmen kaum von dem Konflikt betroffen sind. Der IWF hat mitunter wegen der Situation in der Ukraine seine globale Konjunkturprognose für 2014 gekürzt.

Die von der EU und den USA eingeleiteten Sanktionen gegen Russland zeigen erste Auswirkungen. Nicht nur in Russland wachsen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Auch europäische Großunternehmen sind getroffen und verzeichnen Umsatzeinbrüche.
Der Ukraine-Konflikt belastet die deutsche Exportindustrie schwer. So brachen die Ausfuhren nach Russland im August um mehr als ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr ein. In den ersten acht Monaten wurden Waren im Wert von 20,3 Milliarden nach Russland ausgeführt, das war ein Minus von 16,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Maschinenexporte sanken um 17 Prozent zum Vorjahr, die Exporte von chemischen Erzeugnissen gingen um sechs Prozent zurück.

Ukraine Wirtschaftsdaten 2014 kompakt

Bericht der EU-Kommission

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Dossier zum Ukraine-Konflikt

 

Die Entwicklung in der Ukraine erregt international tiefe Besorgnis. Nach den Protesten auf dem Maidan-Platz, der Absetzung der Regierung Janukowitsch und der Abspaltung der Halbinsel Krim halten die Unruhen in der Ostukraine an.

Zum LpB-Dossier: Ukraine-Konflikt

 
 
 
 
 

Die Halbinsel Krim

 

Die Krim ist eine Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer und ist politisch zum größten Teil eine autonome Teilrepublik der Ukraine. In ihrer bewegten Geschichte erlebte die Krim unzählige Herrschaftswechsel.

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