Infoportal östliches Europa

 

Gesellschaft

Stand: März 2016

In Ungarn lebten im Jahr 2016 etwa 9,83 Millionen Menschen. Damit ist die Bevölkerung seit den 80er Jahren rückläufig. Dies liegt zum einen an einer niedrigen Geburtenrate - die seit 2014 jedoch wieder leicht gestiegen ist - und zum anderen an einer steigenden Lebenserwartung. Ein männliches Kind, das 2016 in Ungarn geboren wurde, wird durchschnittlich 72 Jahre alt (weiblich: 78,6 Jahre). Der Ausländeranteil in Ungarn liegt bei etwa 1,6 Prozent.

Nationale Minderheiten

Ungarischer Tanz

Von den knapp 10 Millionen Einwohnern Ungarns sind mindestens 84 Prozent ethnische Ungarn. Insgesamt gibt es 13 staatlich anerkannte Minderheiten im Land: Armenier, Bulgaren, Griechen, Deutsche, Kroaten, Slowaken, Slowenen, Serben, Ruthenen, Rumänen, Ukrainer, Polen und Roma. Ähnlich wie in anderen Ländern Südosteuropas liegt vermutlich auch in Ungarn der Bevölkerungsanteil der Roma höher als die offiziell angegebenen 3 Prozent: Experten gehen von 4 bis 6 Prozent der Bevölkerung aus. Alle Minderheiten haben laut Gesetz individuelle und kollektive Rechte. Für deren Einhaltung gibt es seit 2014 eine Vertretung aller 13 Minderheiten durch jeweils einen Sprecher im Parlament, der allerdings kein Stimmrecht besitzt.

Roma in Ungarn

Immer wieder kommt es in Zusammenhang mit Roma zu nationalistischer Rhetorik von Fidesz- und Jobbik-Politikern. Auch richtet sich die Kürzung sozialer Leistungen durch die Orban Regierung indirekt besonders gegen die Roma, da diese überdurchschnittlich oft Sozialhilfen in Empfang nehmen. Auch die Arbeitslosigkeit und der Anteil Geringqualifizierter unter den Roma ist weit höher als im Bevölkerungsdurchschnitt. In diesem Kontext sprach ein ungarischer Minister von „nicht förderungswürdigen Familien“.

Minderheiten im Ausland

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Auflösung Österreich-Ungarns verlor Ungarn im Friedensvertrag von Trianon zwei Drittel seines Staatsgebietes an die Nachbarstaaten. Als Folge des Vertrags von Trianon leben seit 1918 große ungarische Minderheiten in den Nachbarstaaten, insbesondere in Rumänien (knapp 7% der Gesamtbevölkerung), der Slowakei (9% der Bevölkerung) und Serbien (in der nord-serbischen Provinz Vojvodina). Die Art der Minderheitenpolitik Rumäniens und der Slowakei lieferten in den vergangenen Jahren immer wieder Zündstoff für politische Konflikte. 1996 vereinbarten Rumänien und Ungarn gegenseitigen Minderheitenschutz.


mehr zu Opposition und Nationale Minderheiten


Die seit 2010 amtierende rechtskonservative Regierung Orban sieht sich als Fürsprecher der ungarischen Bevölkerung in den Nachbarländern. Dadurch sind die Beziehungen zu den Ländern mit größeren ungarischen Minderheiten - insbesondere zu Rumänien und der Slowakei - in jüngster Zeit wieder stärker belastet worden. Deutlich radikaler als die Regierung Orban positioniert sich die oppositionelle, rechtsextreme Partei „Jobbik“, die volle Autonomie der mehrheitlich ungarisch besiedelten Gebiete in den Nachbarländern fordert. Diese Forderungen stießen auf empörte Gegenreaktionen in der Slowakei und Rumänien.

Religion

Zur größten Konfession in Ungarn, den Katholiken, bekennen sich 40 Prozent der Bevölkerung. Allerdings sind nur etwa 500.000 katholische Ungarn auch aktive Kirchensteuerzahler. Traditionell in Ostungarn ist die Reformierte Kirche stark vertreten (12%). Lutheraner (2%) und Juden (0,1%) sind zahlenmäßig eher unbedeutend. Insgesamt 17 Prozent der Einwohner des Landes sind konfessionslos und 25 Prozent gaben bei der Volksumfrage 2011 keine Religionsangehörigkeit an.

Obwohl es kaum Juden in Ungarn gibt, findet man in der ungarischen Gesellschaft nicht selten antisemitische Einstellungen. Diese werden vor allem von der Partei „Jobbik“ bedient. Im April 2010 wurde von der Regierung Orban ein Gesetz beschlossen, das die Leugnung des Holocaust unter Strafe stellt.

Quellen

TAZ, 12.8.13 „Importiertes Naziproblem“

Fischer Weltalmanach 2013 + 2014,

Dieter Segert „Transformationen in Osteuropa im 20. Jahrhundert“, UTB, 2013.

AA: Ungarn

Daten (auf Englisch):

Hungarian Central Statistical Office: Population Census 2011

Hungarian Central Statistical Office: Population

 

 

Nach oben

 

 

Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 29-30/2009)

Ungarn

Im Sommer 1989 öffnete Ungarn die Grenze zu Österreich und ermöglichte tausenden fluchtwilligen DDR-Bürgerinnen und -Bürgern den Weg nach Westen. Diese mutige Entscheidung beschleunigte die Erosion der DDR. Am 23. Oktober 1989 – dem Jahrestag des blutig niedergeschlagenen Volksaufstandes von 1956 – wurde die Republik Ungarn ausgerufen.

Link