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Wirtschaft

Bosnische Mark

Bosnien-Herzegowina ist reich an Rohstoffen und Energiereserven. Zahlreiche Flüsse mit starkem Gefälle stellten bis zum Zerfall Jugoslawiens die Grundlage eines bedeutenden hydroenergetischen Sektors dar, der rund ein Drittel der gesamtjugoslawischen Stromkapazität ausmachte. Außerdem waren viele Betriebe der Rüstungs- und Schwerindustrie in Bosnien-Herzegowina angesiedelt.

Der Krieg brachte die Wirtschaft fast völlig zum Erliegen. Fast 80 Prozent aller Industrieanlagen wurden zerstört. Der Wiederaufbau ging nur langsam voran, doch inzwischen ist die Infrastruktur wieder weitgehend intakt. Auch stellt das Land trotz seiner Einteilung in zwei Entitäten einen einheitlichen Wirtschaftsraum dar. Die Privatisierung der kleinen und mittleren Unternehmen ist abgeschlossen und als besonderer Erfolg der Wirtschaftstransformation gilt der Bankensektor, der zu 90 Prozent privatisiert ist. Allerdings wurden die Bereiche Telekommunikation, Transport und Strom bisher nur in der Republika Srpska privatisiert. Dies ist auf die leichtere Entscheidungsfindung in der Entität zurückzuführen.

Aktuelle Wirtschaftslage

Das Wirtschaftswachstum Bosnien-Herzegowinas war in den vergangenen Jahren starken Schwankungen unterworfen. Im Krisenjahr 2009 brach die Wirtschaft Bosnien- Herzegwoinas um etwa 3 Prozent ein. Dann ging  nach dem darauf folgenden moderaten Wachstum in den Jahren 2010 und 2011 die Wirtschaftsleistung 2012 wieder zurück. Es sank aufgrund der Krise im Euro-Raum um 0,7 Prozent. Seit 2013 steigt das Wirtschaftswachstum wieder stetig an und lag 2016 wieder bei 3 Prozent.

Die Arbeitslosenquote in Bosnien-Herzegowina liegt offiziell bei etwa 40 Prozent. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass viele Arbeitnehmer auch im informellen Sektor tätig sind und die tätsächliche Arbeitslosenquote deshalb deutlich niedriger ist. Dennoch sind die Durchschnittslöhne mit 400-450 Euro sehr gering und führen zur einer Abwanderung der Fachkräfte. Zudem hemmt die überbordende Korruption in Bosnien-Herzegowina die wirtschaftliche Entwicklung des Landes erheblich.

Wirtschaftsstruktur

Die wichtigsten Wirtschaftszweige Bosnien-Herzegowinas sind der Energiesektor (v.a. Erneuerbare Energien) und die Metallverarbeitung. Auch ist in dem Land nach wie vor der Sektor der Landwirtschaft von Bedeutung, durch den etwa 9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet werden. Allerdings sind die Produkte und die Betriebe im EU-Vergleich kaum wettbewerbsfähig.

Investitionen in Bosnien-Herzegowina stehen vor allem im Energiesektor (u.a. durch die KfW-Bank), dem Ausbau der Verkehrswege und zur Verbesserung der kommunalen Infrastruktur an. Gemeinsam mit einer regen Auslandsnachfrage, insbesondere nach Industriewaren, befördern die Investitionen das Wirtschaftswachstum. Hemmend für das wirtschaftliche Potenzial wirken sich dagegen die komplizierten politischen Strukturen durch die Einteilung in zwei Entitäten aus. Denn dadurch nehmen viele politische Entscheidungen viel Zeit in Anspruch.

Außenhandel

Die Wirtschaft des Landes ist eng mit der Region und der Euro-Zone verknüpft, was nicht zuletzt auf den festen Wechselkurs der Konvertiblen Mark (KM) zum Euro zurückzuführen ist. Wichtigster Handelspartner im Jahr 2015 war dabei Deutschland, das einen Anteil von 15,7 Prozent am Export und 12,1 Prozent am Import nach Bosnien-Herzegowina hatte. Wichtigste Exportgüter waren dabei Metall und Metallprodukte, sowie Möbel und Holz. Importiert wurden 2015 vor allem Nahrungsmittel, Maschinen, sowie KfZ-Teile.

Bosnien-Herzegowina wird in hohem Maße durch ausländische Transferzahlungen unterstützt. Laut der nationalen Zentralbank machten diese 2015 einen Anteil von mehr als 15 Prozent am BIP aus. Im Jahr 2007 ist Bosnien-Herzegowina dem zentraleuropäischen Freihandelsabkommen CEFTA beigetreten, das den Abbau der Zölle zwischen den Nicht-EU-Staaten Südosteuropas zum Ziel hat. Auch ist 2015 das Assoziierungs- und Stabilierungsabkommen SAA mit der EU in Kraft getreten, das weitere Reformen des Landes zur Bedingung hat. Zudem verhandelt Bosnien-Herzegowina derzeit den Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO).


Quellen:

www.auswaertiges-amt.de: Bosnien-Herzegowina

GTAI: Bosnien-Herzegowina

Ost-Ausschuss: Bosnien-Herzegowina


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