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Gesellschaft

In den Jahren des Zweiten Weltkrieges sowie der Nachkriegszeit verlor Litauen durch die Kampfhandlungen, durch Deportationen und Auswanderung etwa eine Million Einwohner. Um diese Bevölkerungsverluste auszugleichen, wurden in der sowjetischen Zeit viele Russen, Ukrainer und Weißrussen in Litauen angesiedelt. Seit der Unabhängigkeit schrumpft die Bevölkerung Litauens. Sie ist, durch niedrige Geburtenraten und vor allem durch Auswanderung, von 3,7 Millionen auf drei Millionen gefallen. Die nationale Statistikbehörde ermittelte für 2013 nur noch 2,98 Millionen Einwohner (dabei wurden die ins EU Ausland emigrierten Bürger nicht mitgezählt). Die Litauer sind mit 84% die größte Volksgruppe im Land. Die größten Minderheiten sind Polen (6,6%), Russen (5,8%) und Weißrussen (1,2%). Kleinere Minderheiten sind Ukrainer und Tataren.

Bereits 1990 bekamen alle ständigen Einwohner Litauens ungeachtet ihrer Nationalität per Gesetz die Möglichkeit, Staatsbürger zu werden. Fast 95% der Bevölkerung haben sie genutzt und genießen heute alle politischen und sozialen Rechte. Seit 1995 ist Litauisch offiziell die einzige Amtssprache im Land, es werden jedoch weiterhin Fernseh- und Radiosendungen in den Minderheitensprachen angeboten zum Beispiel in Polnisch, Russisch und Weißrussisch.

Verfolgung der jüdischen Minderheit

Ein besonders trauriges Kapitel in der Geschichte Litauens bildet die Verfolgung der jüdischen Minderheit. Bereits im 15. Jahrhundert wurden die ersten jüdischen Gemeinden gegründet. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Litauen zu einem wichtigen Zentrum jüdischer Kultur und Religion. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten hier ca. 250.000 Juden. Während der deutschen Besatzung (1941–1944) wurden rund 90% dieser Bevölkerungsgruppe ermordet. An der Judenverfolgung waren auch Litauer beteiligt.


Quellen:
Munziger Online
Fischer Welt Almanach 2014, Andrejs Urdze: Die Rückkehr der baltischen Staaten nach Europa.
Der Bürger im Staat 2-3/ 2004, S. 102-107.

 

 

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