Infoportal östliches Europa

 

Geschichte

Karlis Ulmanis

Seit der Unterwerfung finno-ugrischer und indo-europäischer Stämme durch den Deutschen Orden im 13. Jahrhundert und bis zu der Unabhängigkeitserklärung 1918 war das Territorium des heutigen Lettlands Fremdherrschaften ausgesetzt. Im 16. und 17. Jahrhundert gehörte es zu Polen und Schweden, im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde es von Russland erobert. Nach dem Zerfall des Zarenreichs infolge der Oktoberrevolution riefen die bürgerlichen Kräfte im Land am 18.11.1918 die Republik aus.

In den 1920er Jahren erlebte das Land eine wirtschaftliche Blüte. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise und zahlreiche innenpolitische Probleme führten allerdings 1934 zu einem Putsch und zur Errichtung eines autoritären Regimes unter der Führung von Karlis Ulmanis. Im Hitler-Stalin-Pakt von 1939 dem sowjetischen Machtbereich zugeordnet, wurde Lettland 1940 völkerrechtswidrig von der Sowjetunion annektiert. Infolge der Russifizierungspolitik der Sowjetregierung nach 1945 siedelten sich viele ethnische Russen in Lettland an. Ende der 1980er Jahre betrug der Bevölkerungsanteil der Letten im Land nur noch knapp über 60%.

Kampf um die Unabhängigkeit

Freiheitsdenkmal in Riga

Gorbatschows Politik der Perestrojka und Glasnost ermöglichte in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre einen öffentlichen Diskurs über die Loslösung von der Sowjetunion. 1988 schlossen sich verschiedene Kräfte, die für Autonomie eintraten, zu einer so genannten "Volksfront" zusammen und machten vor allem durch Massenkundgebungen auf ihre Ziele aufmerksam. Bei den Parlamentswahlen im März 1990 gewannen die Kandidaten der Volksfront zwei Drittel der Sitze. Im Mai beschloss das Parlament die Unabhängigkeit Lettlands, wobei eine Übergangszeit bis zur völligen Souveränität vorgesehen war.

Moskau war nicht bereit, diese Entwicklung zu tolerieren. Am 21. Januar 1991 stürmten die Truppen des sowjetischen Innenministeriums das lettische Innenministerium in Riga, wobei fünf Personen ums Leben kamen. Die Volksfront erhöhte den Druck, indem sie im März 1991 die Bevölkerung über die Unabhängigkeit abstimmen ließ. Bei einer Wahlbeteiligung von 88% stimmten 74% der Wähler für die Unabhängigkeit, darunter auch zahlreiche Russen. Am 20. August erklärte Lettland seine Souveränität und setzte einen Tag später die Verfassung von 1922 wieder in Kraft. Am 6. September 1991 erkannte die Sowjetunion Lettlands Unabhängigkeit an. Am 17. September erfolgte die Aufnahme in die Vereinten Nationen.

Nach der Unabhängigkeit war Lettland besonders darauf bedacht, sich in die euro-atlantischen Strukturen zu integrieren. So wurde das Land 2004 Mitglied der EU und der Nato.  Im September 2003 hatten 67% der lettischen Bevölkerung einem Beitritt zur EU zugestimmt. Da es in der lettischen Politik schon in den 90er Jahren und verstärkt seit dem Amtsantritt Wladimir Putins Ängste vor den möglichen hegemonialen Bestrebungen eines wiedererstarkten Russlands gab, betrachtete man die Mitgliedschaft in EU und Nato auch als eine Rückversicherung gegenüber Moskau.

Innenpolitisch ist die Situation in Lettland durch ein wenig stabiles Parteiensystem und häufige Regierungswechsel geprägt.


Quellen:
Urdze, Andrejs: Die Rückkehr der baltischen Staaten nach Europa, in: Der Bürger im Staat  2-3/ 2004, S. 102-107.

 

Nach oben

 

Medien