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Geschichte

Herzog Mieszko I.

Der polnische Staat wurde im späten 9. Jahrhundert als ein Herzogtum mit den Hauptorten Posen und Gnesen gegründet. Schon in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts trat Polen als ein bedeutender Akteur der europäischen Geschichte in Erscheinung. Durch eine geschickte Bündnis- und Eroberungspolitik gelang es dem Herzog Mieszko I, das Staatsterritorium zu erweitern. 966 ließ er sich taufen, worauf auch die Bevölkerung nach und nach das Christentum annahm. Unter Boleslav I. Chrobry bekam Polen 1025 - mit päpstlicher Billigung - den Status des Königreichs.


Erster und Zweiter Weltkrieg

Kommunismus in Polen

Deutsch-Polnische Freundschaft


In den folgenden Jahrhunderten wuchs das Staatsterritorium des Königreichs weiter. Einen der bedeutendsten Schritte auf diesem Weg stellt die 1386 begründete polnisch-litauische Personalunion dar. 1569 wurde sie in Lublin in eine Realunion umgewandelt. Zu dieser Zeit war Polen einer der größten und mächtigsten Staaten in Europa.

Bedingt durch mehrere Kriege und innenpolitische Unruhen setzte im 17. Jahrhundert eine dauerhafte Krise ein, die die Nachbarmächte auszunutzen wussten. In den drei so genannten „Polnischen Teilungen“ Ende des 18. Jahrhunderts wurde Polen unter Russland, Preußen und Österreich-Ungarn aufgeteilt. Der Wiener Kongress schuf ein kleines Kongress-Polen, welches als eine Art russisches Treuhandgebiet fungierte und im Verlauf der Zeit immer mehr in das russische Zarenreich integriert wurde. Der zunehmend repressiven Politik des russischen Zaren begegneten die Polen mit mehreren Aufständen. Russland reagierte mit rigorosen Strafmaßnahmen, verstärkte seine Russifizierungspolitik und hob bis 1874 die Sonderstellung des Königreichs fast vollständig auf.

Erster und zweiter Weltkrieg

Angriff auf Polen 1939. Grafik: wikipedia, CC-BY-SA-3.0

Mit der Niederlage Deutschlands und Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg wurde nach Jahren der Teilung die Wiedererstehung des polnischen Staates möglich. Im Friedensvertrag von Versailles wurde die Unabhängigkeit Polens festgelegt.

Im neu geschaffenen polnischen Staat lebten viele nationale Minderheiten. Deutsche, Ukrainer, Litauer und Weißrussen stellten zusammen ein Drittel der Bevölkerung. Viele standen dem polnischen Staat sehr ablehnend gegenüber. Der polnische Staat verfolgte eine Politik „der starken Hand“ gegenüber den Minderheiten. So erklärte der damalige polnische Kulturminister Grabski: „Das polnische Land ausschließlich für die Polen“.

Der polnische Staat wurde zunehmend autoritär regiert, vor allem nach dem Militärputsch von Marschall Pilsudski im Jahr 1926. Die politische Opposition und die Presse wurden unterdrückt. Dies änderte sich auch nicht nach dem Tod Pilsudskis im Jahr 1935.

Auch die Souveränität, die Polen nach dem Ersten Weltkrieg erlangt hatte, währte nicht lange. Im September 1939 setzten Deutschland und die Sowjetunion um, was sie zuvor im geheimen Zusatzprotokoll zum  Hitler-Stalin-Pakt vereinbart hatten: Sie fielen in Polen ein und teilten das Land entlang des Bug unter sich auf. Hitlers Überfall auf Polen (01. September 1939) markierte gleichzeitig den Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Kommunismus in Polen

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der polnische Staat in einer neuen Form wiedererrichtet. Seine Grenzen wurden bis an die Oder nach Westen verschoben, politisch war er dagegen ein Teil des "Ostens" – ein Satellitenstaat der Sowjetunion. Die Westverschiebung Polens war mit der Umsiedlung und Vertreibung der deutschen Minderheit verbunden. Etwa sieben Millionen Menschen wurden aus den nun zu Polen gehörenden, überwiegend deutsch besiedelten Gebieten Ost- und Westpreußen, Pommern und Schlesien vertrieben oder waren bereits vor der nach Westen vordringenden Roten Armee geflohen. Die Zahl der Getöteten und Vermissten liegt wahrscheinlich bei über einer Million, doch unter Historikern sind die genauen Zahlen umstritten.

Der Kommunismus in Polen war nicht zuletzt durch eine starke Position der katholischen Kirche weniger repressiv als in anderen Ländern der UdSSR. Dennoch wurden Arbeiterproteste 1956 gewaltsam niedergeschlagen. Daraufhin wurde Wladislaw Gomulka als Parteichef der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei eingesetzt und eine Phase der liberaleren Politik folgte. Ab 1970 jedoch verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation abermals deutlich, was zu vermehrten Protesten führte. 1980 entstand aus mehreren gewerkschaftlichen Bewegungen heraus die Gewerkschaft Solidarnosc ("Solidarität"), deren Vorsitzende der spätere Präsident Lech Walesa war. Solidarnosc wurde allerdings mit der Ausrufung des Kriegsrechts 1981 verboten und wurde erst nach den Gesprächen am Runden Tisch 1989 wieder zugelassen. Bei den ersten teilweise freien Wahlen 1989 gewann die Solidarnosc überraschend die Wahl. Daraufhin wurde der Staatsratsvorsitzende Jaruzelski zum 1. Präsidenten und Tadeusz Mazowiezki zum ersten Ministerpräsidenten Polens gewählt. Noch im selben Jahr beschloss der Sejm eine grundlegende Wirtschaftsreform, die den Beginn einer Umgestaltung zur Sozialen Marktwirtschaft markierte.

Deutsch-Polnische Freundschaft

Die deutsch-polnischen Beziehungen waren nach dem zweiten Weltkrieg und dem Einfall der deutschen in Polen 1939 in höchstem Maße angespannt. Eine Annäherung fand erst rund 25 Jahre nach Kriegsende statt. So wurde im Dezember 1970 der Warschauer Vertrag ("Vertrag über die Grundlagen der Normalisierung der gegenseitigen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen") unterzeichnet. Damit einher ging der berühmt gewordene Kniefall des Kanzlers Willi Brandt im Warschauer Ghetto als Zeichen der Reue für die deutschen Kriegsverbrechen. Mit dem Vertrag verbesserten sich die Kontakte auf kultureller, politischer, wirtschaftlicher und zwischenmenschlicher Ebene. Auch war ab Anfang der 70er Jahre ein visafreier Reiseverkehr zwischen Polen und der DDR möglich.

Eine wirkliche Wende in den polnisch-deutschen Beziehungen ereignete sich aber erst mit der Entstehung der Solidarnosc-Bewegung und der ersten demokratischen Regierung 1989. Ministerpräsident Mazowiecki zeigte sich offen gegenüber einer Versöhnung. Die lange währende Streitfrage der polnisch-deutschen Grenze wurde mit dem Grenzvertrag am 14. November 1990 endgültig völkerrechtlich besiegelt. Der Nachbarschafts-Vertrag ("Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit") folgte am 17. Juni 1991. Dieser bildete die Grundlage für die Zusammenarbeit, regelte die Rechte der deutschen Minderheit. Auch verpflichtete sich Deutschland darin, Polen auf dem Weg in die Europäische Union zu unterstützen.

Quellen

Bundeszentrale Politische Bildung: "Deutsch-polnische Beziehungen"

 

auswaertigesamt.de: Polen

Dieter Segert: „Transformationen in Osteuropa im 20. Jahrhundert“, UTB, 2013.

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