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Wirtschaft

Stand: April 2017

Seit dem Sturz Milosevics hat Serbien sich um wirtschaftlichen Aufbau und ökonomische Reformen bemüht. Vor dem Hintergrund laufender Beitrittsgespräche mit der EU steht eine Anpassung an die EU-Standards bei der Reformpolitik im Vordergrund.

Von 2000-2008 hatte Serbien Wachstumsraten von fünf Prozent und mehr zu verzeichnen. Doch 2009 brach die Wirtschaft infolge der Finanzkrise um drei Prozent ein, wobei in den folgenden Jahren wieder moderate Wachstum verzeichnet wurde. 2012 ging die Industrieproduktion allerdings erneut um bis zu vier Prozent zurück - Grund hierfür waren die Instabilität im Euroraum sowie der politische Streit im Kosovo. Infolgedessen zogen einige ausländische Investoren Kapital aus Serbien ab.

Aktuelle Wirtschaftslage

Erste Erfolge der angestrebten Haushaltskonsolidierung werden inzwischen deutlich. So ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2016 auf rund 34,1 Milliarden Euro gestiegen - das sind etwa 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Land hatte sich 2014 in einem Abkommen mit dem Internationalen Währungsfond (IWF) zu Strukturreformen und einem Sparkurs verpflichtet. Darunter fallen unter anderem Gehaltskürzungen für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, eine Modernisierung des Arbeitsgesetzes sowie ein effektives Vorgehen gegen Schattenwirtschaft und Korruption. Zudem sollen rund 500 staatliche Unternehmen privatisiert werden.

Die Arbeitslosigkeit in Serbien lag 2016 offiziell bei 15,3 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt allerdings wesentlich höher. Eine besondere Belastung stellt das Rentensystem für die Wirtschaft Serbiens dar. Die Zahl der Rentner ist in Serbien fast so hoch wie die der Arbeitnehmer (was auch am recht hohen Durchschnittsalter der serbischen Bevölkerung liegt). Das durchschnittliche Monatseinkommen in Serbien betrug 2016 etwa 375 Euro netto.

Wirtschaftsstruktur

Den größten Anteil am serbischen BIP hat der Dienstleistungssektor mit knapp 50 Prozent. In Serbien trägt auch die Landwirtschaft nach wie vor mit fast 10 Prozent (2014) zur Wirtschaftsleistung bei - obwohl diese auch hier im Rückgang begriffen ist. Dazu kommt, dass die Erträge aufgrund von Einflüssen des Klimas stark schwanken können. Noch immer sind fast 20 Prozent aller Beschäftigten in Serbien in der Landwirtschaft tätig.

Industrie und Bergbau machen etwa 20 Prozent des BIP aus. Doch ist die Industrie des Landes in vielen Bereichen veraltet und können sich im europäischen Wettbewerb kaum behaupten. Deshalb versucht der Staat verstärkt, das Interesse ausländischer Investoren zu gewinnen und lockt mit Subventionen.

Außenhandel

Serbien hat nach wie vor das Problem eines starken Außenhandeldefizits. Obwohl die Differenz zwischen Importen und Exporten 2016 rund 9 Prozent niedriger war als im Vorjahr, lag sie noch immer bei 4 Milliarden Euro. Zu den wichtigsten Handelspartnern Serbiens zählen Deutschland, Italien und Russland. Es ist jedoch schwierig, das Ausmaß des deutsch-serbischen Handels genau zu beziffern, da Tochterfirmen oftmals nicht statistisch erfasst werden. Jedoch ist bekannt, dass deutsche Firmen wie STADA, METRO, Fresenius, Bosch, Henkel, Siemens und Messer höhere Investitionen in Serbien getätigt haben.

Hauptexportprodukte Serbiens sind Kraftfahrzeuge, Elektrogeräte, Betriebsmaschinen, Eisen Stahl und Buntmetalle, Weizen, Obst und Gemüse sowie Textilprodukte. Importiert werden ebenfalls Kraftfahrzeuge, jedoch auch Rohöl und Ölderivate, Elektrogeräte, Industriemaschinen sowie medizinische und pharmazeutische Produkte.

EU-Fördergelder

Serbien wird durch die EU im Rahmen der Heranführungshilfe (IPA II) unterstützt. Dabei wurden Serbien zwischen 2007 und 2015 mehr als 1,8 Milliarden Euro bereitgestellt. In der laufenden Förderperiode von 2014-2020 sieht IPA II rund 1,5 Milliarden Euro für Serbien vor. Allein für das Jahr 2016 waren im Aktionsprogramm 166,4 Millionen Euro veranschlagt. Für die Folgejahre sind je rund 200 Millionen Euro geplant. Regionale und länderübergreifende Programme der EU unterstützen Serbien zusätzlich.

Quellen

www. liportal-giz.de

Auswärtiges Amt: Serbien

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