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Geschichte der Ukraine

Stadtansicht Lemberg. Foto: Pavlofox, pixabay, CC0 Public Domain

Frühere Geschichte

Kiewer Rus um 1000 n. Chr.

Wie Russland und Weißrussland versteht sich die Ukraine als Nachfolgestaat des historischen Reiches der Kiewer Rus. Dieses Reich vereinigte die Ostslawen von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und zerfiel nach der Invasion der Mongolen im 13. Jahrhundert in mehrere Teilfürstentümer. Im 14. Jahrhundert kam der Großteil des ukrainischen Territoriums unter die litauisch-polnische Oberherrschaft. 1569 wurde das Gebiet Teil des Königreichs Polen.

Im Widerstand gegen die polnische Herrschaft haben sich die so genannten Kosaken besonders hervorgetan. Sie lebten in freien Gemeinschaften an verschiedenen Orten der Steppe und waren für ihre schlagkräftigen Reiterverbände bekannt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gelang es einem ihrer Anführer, dem Hetman Bohdan Chmelnyckyj, ein autonomes ukrainisches Staatswesen gegen die polnischen Herrschaftsansprüche zu etablieren, das einige Jahrzehnte existierte. Noch im selben Jahrhundert unterstellte sich jedoch die Osthälfte der Ukraine der russischen Zarenherrschaft. Die vom Zaren gewährte sehr weitgehende Autonomie wurde schrittweise aufgehoben.

Im Verlauf der drei Teilungen  Polens (1772, 1793, 1795) wurde auch das restliche Territorium zwischen Russland und Österreich aufgeteilt. Während die ukrainische Sprache und Kultur im Zarenreich mehr und mehr einer massiven Russifizierung ausgesetzt war, konnte sie sich unter habsburgischer Herrschaft frei entfalten. Von dort, von den "Ruthenen", gingen im 19. Jahrhundert starke Impulse einer nationalen Wiedergeburt des ukrainischen Volkes aus. Nach dem politischen Umbruch in Russland (1917) und der Gründung der Sowjetunion (1922) wurde die Ukraine als Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik Teil der UdSSR.


Holdomor und Tschernobyl

das Kernkraftwerk Tschernobyl heute

Zwei schreckliche Katastrophen brachen in der Sowjetzeit über die Ukraine herein.

1931 zwang die Sowjetregierung ukrainische Bauern zu solch hohen Getreideabgaben, dass 1932 eine große Hungersnot ausbrach, die bis September 1933 andauerte. Nach neuesten Schätzungen der Historiker starben 3,5 Millionen Menschen, das heißt über 10 Prozent der damaligen ukrainischen Bevölkerung, eines Hungertodes. Wer fliehen wollte, wurde von den Organen der Staatsmacht daran gehindert. Dieser Massenmord ist unter der Bezeichnung Holodomor (Ukrainisch: holod = Hunger, moryty = Leid, Tötung, Vernichtung) in die Geschichte eingegangen.

Die zweite Katastrophe ereignete sich in den 80er Jahren. Im April 1986 explodierte im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl ein Kernreaktor, wodurch eine Fläche von fast 150 000 km² radioaktiv verseucht wurde und enorme Schäden für Menschen und Umwelt entstanden sind.

Unabhängigkeit, Orangene Revolution und innere Machtkämpfe

Orangene Revolution in Kiew

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 erlangte die Ukraine ihre Unabhängigkeit. Die Maßnahmen zu politischer Demokratisierung und wirtschaftlicher Liberalisierung waren in der neuen, unabhängigen Ukraine zwar eingeleitet, jedoch nicht konsequent umgesetzt worden. Unter Leonid Kravtschuk und Leonid Kutschma, den ersten zwei Präsidenten des Landes, hatte sich ein System etabliert, zu dessen Merkmalen Machtmissbrauch, Korruption, Clanwirtschaft und organisierte Kriminalität gehörten.  Durch die Orangene Revolution, eine breite Volksbewegung, die nach gefälschten Präsidentschaftswahlen im Dezember 2004 Neuwahlen erzwang und dem angeblich unterlegenen Kandidaten Viktor Juschtschenko zum Sieg verhalf, wurde ein wesentlicher Schritt zur Trennung von politischer Macht und Verwaltung geleistet.

Seither ist das politische Geschehen in der Ukraine von inneren Machtkämpfen geprägt. Bereits 2005 entließ Viktor Juschtschenko die Regierung unter Julia Tymoschenko. Nach den Parlamentswahlen 2006 führten erneute Strittigkeiten dazu, dass der Präsident das Parlament auflöste. 2007 einigte man sich auf eine Koalition der Parteien von Juschtschenko und Tymoschenko, die Machtkämpfe hielten allerdings an. In den Präsidentschaftswahlen 2010 erfolgte daraufhin ein Führungswechsel: Wiktor Janukowytsch wurde zum Präsidenten gewählt und Mykola Asarow übernahm das Amt des Ministerpräsidenten.


Zum Thema "Holdomor 1932-33. Politik der Vernichtung" hat die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg am 24. November 2007 eine Tagung in Mannheim veranstaltet. Einige der Referentenbeiträge finden Sie hier:


Professor Dr. Gerhard Simon: Der Holodomor als Völkermord. Tatsachen und Kontroversen (Textmanuskript)

Dr. Ernst Lüdemann: Stalins Feldzug gegen die Bauern in deutschen Schulbüchern (Textmanuskript)


Der Ukraine-Konflikt

Unruhen auf dem Maidan-Platz in Kiew

Die Entwicklung in der Ukraine erregt international tiefe Besorgnis. Nach den Protesten auf dem Maidan-Platz, der Absetzung der Regierung Janukowitsch und der Abspaltung der Halbinsel Krim halten die Unruhen in der Ostukraine an. Separatisten fordern mehr Eigenständigkeit der Ukraine bis hin zu einem Anschluss an Russland und haben diverse Orte gewaltsam unter ihre Kontrolle gebracht. In Donezk und Lugansk haben die Menschen bei einem umstrittenen Referendum für die Abspaltung von der Ukraine abgestimmt.

Am 25. Mai 2014 wählten die Ukrainer Petro Poroschenko mit einer Mehrheit von 55 Prozent zum neuen Präsidenten. Poroschenko will mit Russland in Dialog treten, als langfristiges Ziel sieht er die Ukraine aber in der EU. Bei Gefechten zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischem Militär gibt es viele Tote und Verletzte, die Lebensbedingungen der Einwohner in den ostukrainischen Großstädten Lugansk und Donezk haben sich dramatisch verschlechtert.

Am 5. September 2014 trat erstmals eine Waffenruhe in Kraft, die allerdings schon bald wieder gebrochen wird. Bei der Parlamentswahl in der Ukraine am 26. Oktober 2014 haben die prowestlichen Parteien klar gesiegt. Nach den umstrittenen Wahlen in den abtrünnigen Regionen der Ostukraine am 2. November 2014 verkündeten die Separatisten ihren Sieg, anerkannt wurde dieser aber nur von Russland. Am 9. Dezember 2014 trat erneut ein Waffenstillstand in Kraft, der von beiden Seiten nicht eingehalten wurde. Im 2. Minsker Abkommen haben sich die Konfliktparteien am 12. Februar 2015 wieder auf eine Waffenruhe im Donbass geeinigt. Auch diese wird bis heute immer wieder durch Feuergefechte gestört.

Chronik des Ukraine-Konflikts

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Dossier zum Ukraine-Konflikt

 

Die Entwicklung in der Ukraine erregt international tiefe Besorgnis. Nach den Protesten auf dem Maidan-Platz, der Absetzung der Regierung Janukowitsch und der Abspaltung der Halbinsel Krim halten die Unruhen in der Ostukraine an.

Zum LpB-Dossier: Ukraine-Konflikt

 
 
 
 
 

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Die Entwicklung in der Ukraine erregt international tiefe Besorgnis. Nach den Protesten auf dem Maidan-Platz, der Absetzung der Regierung Janukowitsch und der Abspaltung der Halbinsel Krim halten die Unruhen in der Ostukraine an.

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Die Halbinsel Krim

 

Die Krim ist eine Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer und ist politisch zum größten Teil eine autonome Teilrepublik der Ukraine. In ihrer bewegten Geschichte erlebte die Krim unzählige Herrschaftswechsel.

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