Infoportal östliches Europa

 

Wirtschaft

Stand: Dezember 2016

Fischzucht

Ungarn hatte bereits kurz nach dem Ende des Kommunismus den Weg wirtschaftlicher Transformation beschritten. Der Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft ist hier zügiger verlaufen als in den meisten anderen osteuropäischen Ländern. Die Wirtschaft hat sich im Verlauf der 1990er Jahre  stabilisiert. Insbesondere nach 1997 waren reale Wachstumsraten von bis zu 5 Prozent zu verzeichnen. Die Wirtschaftsstruktur ist mit der in westlichen Industrieländern vergleichbar.

Ungarn verfolgte bis zum Regierungsantritt Viktor Orbans das Ziel der Mitgliedschaft in der Eurozone. Seitdem ist Präsident Orban auf Distanz zur Einführung des Euro gegangen. Orban äußerte sich im Oktober 2012 „Es wäre unverantwortlich, wenn wir jetzt der Euro Zone beitreten würden“. Bereits zuvor hatte Orban mehrmals betont, Ungarn nicht in die Eurozone führen zu wollen.

Aktuelle Wirtschaftslage

Die positiven Entwicklungen haben das Land allerdings nicht vor den weltweiten Auswirkungen der Finanzkrise bewahren können. 2009 fiel die Wirtschaftsleistung des Landes um über sechs Prozent. Auch in den Folgejahren waren die wirtschaftlichen Daten Ungarns eher ungünstig. 2012 schrumpfte die Wirtschaft des Landes nochmals um über ein Prozent. Im Jahr 2015 allerdings hat Ungarn wieder ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent erreicht. Mit 75,5 Prozent des BIP bewegt sich die Staatsverschuldung Ungarns im EU-Vergleich auf mittlerem Niveau. Durch eine Steigerung der Einnahmen aus, zum Teil neu eingeführten, indirekten Steuern und Einnahmen (Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 27% im Jahr 2012), gelang es der ungarischen Regierung, die Staatsverschuldung leicht zu senken. Deswegen stellte die EU ein seit mehreren Jahren laufendes Defizit Verfahren gegen Ungarn ein.

Die Arbeitslosenquote geht seit 2011 zurück und lag Anfang 2016 bei 6,1 Prozent.

Außenhandel

Die wichtigsten Wirtschaftszweige für Ungarn sind Industrie (26%), sowie Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergungs- und Gaststättenwesen (19%). Auch die Bereiche öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Bildung, Gesundheits- und Sozialwesen machen gut 18 Prozent des BIP aus. Die frühere Bedeutung des Agrarsektors ist zurückgegangen.

Der Export Ungarns hat sich seit der Finanzkrise wieder positiv entwickelt. Rund ein Viertel der expotierten Güter geht in die EU, der größte Anteil davon nach Deutschland, Österreich und Rumänien. Somit ist Ungarn über Handel und Investitionen wirtschaftlich eng mit dem westlichen Europa verbunden, was sich durch den EU-Beitritt verstärkt hat. So sind auch bei den Einfuhren Deutschland und Österreich unter den wichtigsten Partnern, ebenso zählt Russland dazu.

EU-Förderung

Die ungarische Wirtschaft hat bereits in der Vergangenheit deutlich von Finanzhilfen der EU profitieren können. Für den Finanzzeitraum 2014-2020 stehen dem Land rund 21,9 Milliarden Euro zum Abruf bereit, die aus verschiedenen Struktur- und Investitionsfonds kommen. Außerdem erhät Ungarn 3,45 Milliarden Euro für die Entwicklung des ländlichen Raums und 39 Millionen Euro, um die Fischerei zu fördern. Der Schwerpunkt der Ausgaben soll vor allem darauf liegen, die Wirtschaftslage weiter zu verbessern. Weniger Arbeitslosigkeit und bessere Wettbewerbsfähigkeit, sowie ein starkes Unternehmertum und Nachhaltigeit sollen das Ziel sein.

Quellen

www.auswaertiges-amt.de

www.sueddeutsche.de, 11.10.12:  „Orban verweigert Ungarn den Euro“

Fischer Welt Almanach 2013 + 2014.

Europäische Kommission: Ungarn

Germany - Trade&Invest: EU-Förderung für Ungarn

Nach oben

 

 

Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 29-30/2009)

Ungarn

Im Sommer 1989 öffnete Ungarn die Grenze zu Österreich und ermöglichte tausenden fluchtwilligen DDR-Bürgerinnen und -Bürgern den Weg nach Westen. Diese mutige Entscheidung beschleunigte die Erosion der DDR. Am 23. Oktober 1989 – dem Jahrestag des blutig niedergeschlagenen Volksaufstandes von 1956 – wurde die Republik Ungarn ausgerufen.

Link