EaP-Staaten: Aserbaidschan

Aserbaidschan liegt in Vorderasien im Südkaukasus. Im Norden grenzt es an Russland, im Nordwesten an Georgien, im Süden an den Iran sowie im Westen an Armenien und (über die Exklave Nachitschewan) an die Türkei. Im Osten liegt das Land am Kaspischen Meer. Es gehört zur östlichen Nachbarschaft der Europäischen Union und ist seit 2009 Teil der Östlichen Partnerschaft. Aserbaidschan strebt keinen EU- oder NATO-Beitritt an.
Aserbaidschans Geschichte ist von seiner Lage als Kreuzungspunkt zwischen Europa und Asien sowie von verschiedenen Imperien geprägt. Seine Identität ist stark durch sieben Jahrzehnte als Sowjetrepublik bis zur Unabhängigkeit 1991 und die enge Verbundenheit mit der Türkei definiert. Die militärische Einnahme Bergkarabachs 2023 und die Flucht seiner armenischen Bevölkerung veränderten die regionale Ordnung. Friedensverhandlungen und die Rechte der Vertriebenen bleiben zentrale politische Fragen der Gegenwart.
Länderprofil Aserbaidschan

| Ländername | Republik Aserbaidschan, auf Aserbaidschanisch Azərbaycan Respublikası. |
| Klima | Trockene Steppen und Halbwüsten in der Kura-Aras-Ebene und um Baku, feuchtes subtropisches Klima bei Lenkoran, kühlere bis alpine Höhenlagen im Kaukasus. |
| Lage | Südkaukasus am Westufer des Kaspischen Meeres. Das Hauptgebiet liegt zwischen Großem und Kleinem Kaukasus sowie Talischgebirge. Nachitschewan ist eine räumlich getrennte Exklave. |
| Nachbarländer | Russland, Georgien, Armenien, Iran und Türkei. Die kurze Grenze zur Türkei liegt in Nachitschewan. |
| Landesfläche | 86.600 km², international anerkanntes Staatsgebiet einschließlich Bergkarabachs und der Autonomen Republik Nachitschewan. |
| Hauptstadt | Baku ca. 2,36 Mio. Einwohner (2026) |
| Bevölkerung Zusammensetzung | ca. 10,3 Mio. Einwohner (2026) Aserbaidschaner 94,8%, Lesgier 1,68%, Russen 0,70%, Awaren 0,49% , Türken: 0,30%, Georgier 0,08%,(laut Volkszählung 2019) |
| Landessprache | Aserbaidschanisch, eine Turksprache, in der Republik heute mit lateinischem Alphabet geschrieben. Minderheitensprachen und Russisch sind ebenfalls verbreitet. |
| Religionen | Schätzungsweise 96 % muslimisch, davon ungefähr 65 % schiitisch und 35 % sunnitisch. Daneben christliche, jüdische und weitere Gemeinschaften sowie Konfessionslose (Schätzwerte im USCIRF-Bericht 2026) |
| Unabhängigkeit | Erste Republik am 28. Mai 1918. Unabhängigkeitserklärung am 30. August 1991, Verfassungsakt zur Wiederherstellung der Unabhängigkeit am 18. Oktober 1991. |
| Staats-/Regierungsform | Präsidentielle Republik und säkularer Einheitsstaat. In der politischen Praxis autoritäres Herrschaftssystem. |
| Demokratieindex | Platz 127 (2025) - Autoritäres Regime, Quelle: The Economist |
| Staatsoberhaupt | Präsident Ilham Alijew, Partei Neues Aserbaidschan (YAP), seit 2003, zuletzt 2024 wiedergewählt. |
| Regierungschef | Ministerpräsident Ali Asadow, Partei Neues Aserbaidschan, seit Oktober 2019, zuletzt im Februar 2024 erneut ernannt. |
| Verwaltungsstruktur | 64 Rayons nach der amtlichen Tabelle für 2025, daneben Städte mit gesonderter Verwaltung und die Autonome Republik Nachitschewan. Deren sieben Rayons sind in der Gesamtzahl enthalten. Baku hat zwölf Stadtbezirke. |
| Bruttoinlandsprodukt BIP pro Kopf | 78.4 Mrd. US Dollar (2026), Quelle: Worldometer 7.467 US Dollar (2026) |
| Währung/ Wechselkurs | Aserbaidschanischer Manat (AZN) 1 Euro = 1,91 AZN, Stand: Okt. 2026 |
| EU-Beziehungen | Östliche Partnerschaft seit 2009, Partnerschafts- und Kooperationsabkommen seit 1999. Energie- und Verkehrspartner der EU, kein EU-Beitrittskandidatenstatus. |
Der Name Aserbaidschan bezeichnet heute sowohl die unabhängige Republik nördlich des Aras als auch historische Landschaften im Nordwesten Irans. Die heutige staatliche Verwendung des Namens geht auf die Republikgründung von 1918 zurück. Historischer Kulturraum und Staatsgrenzen sind deshalb auseinanderzuhalten. Eine gemeinsame Sprache oder kulturelle Tradition begründet keinen territorialen Anspruch auf das Gebiet eines Nachbarstaates.
Das Land umfasst trockene Tiefländer, bewaldete Berghänge und Hochgebirge. Zwischen Kura und Aras liegen wichtige landwirtschaftliche Flächen. Im Süden ermöglichen die feuchteren Bedingungen bei Lenkoran andere Anbauformen als auf der trockenen Halbinsel Abscheron. Baku befindet sich am Kaspischen Meer, einem abflusslosen Binnengewässer ohne natürlichen Zugang zu den Weltmeeren. Für den internationalen Warenverkehr sind daher Häfen, Eisenbahnen und Transitverbindungen durch Nachbarstaaten besonders wichtig.
Geschichte
In der Mitte des 11. Jahrhunderts wanderten turksprachige Stämme, die vor den Mongolen Zentralasiens flohen, in die Region des heutigen Aserbaidschan ein. Im 11. bis zum 13. Jahrhundert erlebte Aserbaidschan sein erstes goldenes Zeitalter mit einer beispiellosen Blüte von Architektur, Kunst und Literatur. Dieser aserbaidschanischen Renaissance bereiteten die mongolischen Stürme ein gewaltsames Ende.
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Politisches System
Nach der Verfassung von 1995 ist Aserbaidschan eine Republik mit einem präsidentiellen Regierungssystem. Das Politische System Aserbaidschans ist seit 1992 jedoch geprägt vom autoritären Führungsstil der aserbaidschanischen Präsidenten,
Gesellschaft
Die Gesellschaft Aserbaidschan ist ziemlich homogen. 90 Prozent betrachteten sich als Aserbaidschaner. Im Land selbst leben noch kleine Volksgruppen der Lesgier, Armenier, Russen, Talyschen, Awaren, Türken, Tataren, Taten, Ukrainer, Zachuren, Georgier, Juden, Kurden und Udinen.
Wirtschaft
Ab 2000 wuchs die Wirtschaft Aserbaidschans stetig an aufgrund einer expansiven Erdölindustrie, welche den wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes darstellt. Diese Abhängigkeit vom Ölexport rächte sich während des Falls des Ölpreises 2014/15. Dieser führte zu einer Abwertung der Landeswährung Manat um fast 50 Prozent. Immer noch lebt ein Teil der Bevölkerung deutlich unter der Armutsgrenze.
Außenpolitik
Unmittelbar nach der Unabhängigkeit Aserbaidschans war die Sicherstellung und Akzeptanz der Unabhängigkeit des Landes oberste Priorität in der Außenpolitik. Das Land verfolgte zunächst eine stark pro-türkische und pro-westliche Politik. Die Beziehungen zu Russland waren angespannt, da Russland auf verschiedenste Weise Druck ausübte.