EaP-Staaten: Armenien

Armenien liegt in Vorderasien im Südkaukasus. Im Osten grenzt es an Aserbaidschan, im Norden an Georgien, im Süden an den Iran und im Westen an die Türkei. Es gehört zur östlichen Nachbarschaft der Europäischen Union und ist seit 2009 Teil der Östlichen Partnerschaft. Armenien strebt einen EU-Beitritt an, ein Beitritt zur NATO ist nicht geplant.
Armeniens Geschichte reicht weit über die Grenzen des heutigen Staates hinaus. Seine Identität ist tief durch das Trauma des Völkermords von 1915 sowie durch sieben Jahrzehnte als Sowjetrepublik bis zur Unabhängigkeit 1991 geprägt. Die Gegenwart bestimmen der demokratische Aufbruch von 2018, die Folgen der Kriege um Bergkarabach, die Aufnahme der von dort geflüchteten Bevölkerung und die Suche nach einer verlässlichen Friedensordnung. Zugleich versucht Armenien, seine internationalen Beziehungen zu erweitern und die Abhängigkeit von Russland zu verringern.
Länderprofil Armenien

| Ländername | Republik Armenien. Armenisch Hajastani Hanrapetutjun, Kurzform Hajastan. |
| Klima | größtenteils kontinental |
| Lage | Binnenstaat im Südkaukasus, im nordöstlichen Teil liegen die Gebirgszüge des Kleinen Kaukasus, im Südwesten das Armenische Hochland, kein Zugang zum Meer. |
| Nachbarländer | Georgien im Norden, Aserbaidschan im Osten und mit Nachitschewan im Südwesten, Iran im Süden, Türkei im Westen. |
| Landesfläche | 29.743 km², international anerkanntes Staatsgebiet Armeniens, Bergkarabach zählt nicht dazu. |
| Hauptstadt | Jerewan ca. 1,15 Mio. Einwohner (2026) |
Bevölkerung Zusammensetzung | ca. 3,1 Millionen Armenier 98,06 %, Jesiden 1,06 %, Russen 0,48 %, Assyrer 0,09 %, Kurden 0,06 %, Ukrainer 0,03 %; weitere Gruppen und ohne Angabe zusammen rund 0,22 % (Volkszählung 2022). |
| Landessprache | Armenisch |
| Religionen | Armenisch-apostolisch 95,24 %, katholisch 0,61 %, evangelisch 0,54 %, jesidisch 0,49 %, orthodox 0,22 %, Zeugen Jehovas 0,18 %; weitere Religionen 0,45 %, ohne Religion 0,60 %, ohne Angabe 1,68 % (Volkszählung 2022; Anteile an der Gesamtbevölkerung, gerundet). |
| Unabhängigkeit | Erste Republik ab 28. Mai 1918; Unabhängigkeitsreferendum am 21. September 1991, dem heutigen Nationalfeiertag. |
| Staats-/Regierungsform | Parlamentarische Republik |
| Demokratieindex | Platz 84 (2025) - Hybridregime (Quelle: The Economist) |
| Staatsoberhaupt | Staatspräsident Wahagn Chatschaturjan, parteilos, seit 2022 |
| Regierungschef | Ministerpräsident Nikol Paschinyan (Zivilvertrag), seit 2018, 2026 erneut ernannt |
| Verwaltungsstruktur | Zehn Regionen (Marser) und die Hauptstadt Jerewan mit gesondertem Status. Insgesamt 71 Gemeinden einschließlich Jerewans (Gemeindezahl: amtliche Angabe 2025). |
| Bruttoinlandsprodukt BIP pro Kopf | ca. 31,8 Mrd. US Dollar (2026), Quelle: Worldometer ca. 10,4 Dollar (2026) |
| Währung/Wechselkurs | Armenischer Dram (AMD), 1 EUR = 405,7 AMD (Dram); Stand: Okt 2026 |
| EU-Beziehungen | Östliche Partnerschaft; erweitertes Partnerschaftsabkommen CEPA vollständig in Kraft seit 2021. Politische Annäherung und armenisches EU-Gesetz von 2025. Kein EU-Kandidatenstatus (Stand: September 2026). |
Die armenische Eigenbezeichnung Hajastan verweist auf das Selbstverständnis der Armenier als Haj. Der international verbreitete Name Armenien hat eine andere Überlieferungsgeschichte. Historische Landschaft, kultureller Erinnerungsraum und heutiges Staatsgebiet sind dabei auseinanderzuhalten: Viele Orte armenischer Geschichte befinden sich heute in Nachbarstaaten. Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wenn historische Karten, Nationalmythen oder gegenwärtige Grenzfragen miteinander verknüpft werden.
Das Land ist überwiegend gebirgig und liegt im Durchschnitt etwa 1.800 Meter hoch. Der Aragaz erreicht 4.090 Meter. Fruchtbare Becken, darunter die Araratebene, stehen neben Hochflächen, tief eingeschnittenen Tälern und dem Sewansee. Höhenlage und Wasserverfügbarkeit bestimmen Landwirtschaft und Besiedlung. Der Ararat, ein wichtiges armenisches Identitätssymbol, liegt auf türkischem Staatsgebiet. Die Gebirge erschweren Verkehrsverbindungen. Die politische Lage an den Grenzen verstärkt diese geografischen Herausforderungen.
Geschichte
Die Armenier können auf eine 3000 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Zeugnisse früh geschichtlicher Besiedlung, die zur Entwicklung des armenischen Volkes und seiner Tradition beigetragen haben, findet man am Fuße des Ararat. Die eigentliche Geschichte des Landes beginnt mit dem Zerfall des urartäischen Reiches im 7. Jahrhundert v. Chr.
Politisches System
Seit 1991 ist Armenien eine souveräne Republik. 2015 kam es zu einer entscheidenden Verfassungsreform, die die Macht des Präsidenten einschränkte. Seit über einem Jahrzehnt hatte die "Republikanische Partei" des Präsidenten Sersch Sargsjan das Land regiert. Mit dieser Reform begann somit der Übergang weg von der semi-präsidentiellen hin zu einer parlamentarischen Republik.
Gesellschaft
Die Gesamtbevölkerung Armeniens kann man als ethnisch homogen bezeichnen. Die größte ethnische Minderheit waren mit einem Bevölkerungsanteil von ca. 1% die Jesiden.
Wirtschaft
Nach dem Zerfall der Sowjetunion geriet der junge Staat in eine schwere Wirtschaftskrise. Neben den üblichen tiefgreifenden Problemen, die sich bei einer Umstellung von einer Zentralverwaltungswirtschaft auf eine liberale Marktwirtschaft ergeben, kam erschwerend der Konflikt um Bergkarabach mit Aserbaidschan hinzu.
Außenpolitik
Armenien verfolgt eine so genannte "Politik der Komplementarität". Das Land unterhält gute Beziehungen zu strategisch wichtigen Großmächten wie den Vereinigten Staaten und Russland, auch wenn bei einigen Themen keine Einigkeit herrscht. Die militärische Sicherheit soll durch die Präsenz russischer Truppen im Land garantiert werden. Andererseits öffnet sich das Land gen Westen und hat eine ausgeprägte politische Lobby in den Vereinigten Staaten, die in der Region ihre geopolitischen Interessen verfolgen.