Wirtschaft in Georgien
Georgien verzeichnet nach schwierigen Jahren der wirtschaftlichen Transformation und des Verlusts von einem Fünftel des Staatsterritoriums beträchtliche Wachstumsraten und eine Verringerung der Staatsschulden. Als wirtschaftlicher Motor funktioniert neben dem Tourismus die Beteiligung an der Logistikroute „Mittlerer Korridor“, die Asien mit Europa verbindet.
Wirtschaftliche Entwicklung
Georgien, wichtiger Lieferant von Obst, Gemüse, Nüssen und Wein in der Sowjetunion, erlebte in den ersten Jahren der Unabhängigkeit einen dramatischen Einbruch der landwirtschaftlichen Produktion. Auch der Industriesektor sank von 1991 bis 1998 auf unter 10 Prozent. Schattenwirtschaft, Korruption und die mangelnde Kontrolle über die abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien erschwerten die Umstellung von der Plan- auf eine Marktwirtschaft..
1995 wurde die neue Währung Lari eingeführt. Kredite des IWF und ein wirtschaftsliberaler Kurs förderten ausländische Investitionen und führten ab 2000 zu einer allmählichen wirtschaftlichen Erholung. Probleme schufen der Reformstau in der Landwirtschaft, in der die Hälfte der Bevölkerung nur ca. 10 Prozent des BIP erwirtschaftete. Außerdem stellte in dieser Transformationsphase die kriegsbedingte Binnenmigration 1992-1993 und 2008 sowie hohe Emigrationsquoten das Land vor große Herausforderungen (Länderreport Georgien) Die Einwohnerzahl ging von 4,9 Millionen im Jahr 1995 auf 3,8 Millionen 2024 zurück. ()
Das 2014 verabschiedete und 2016 in Kraft getretene Freihandels- und Assoziierungsabkommen mit der EU schuf eine Großhandelszone, reduzierte Zölle und brachte eine Angleichung an EU-Rechtsvorschriften und Normen. Die Produktionsraten der Industrie blieben niedrig. Außerdem schrumpfte die landwirtschaftliche Nutzfläche, Lebensmittel müssen mittlerweile importieren werden. (Länderprofil Georgien)
Georgien verfügt über geringe Reserven an Rohstoffen (Kohle- und Öl, Mangan, Kupfer, Eisenerz, Zink, Sande, Erden, Baryt). Durch den Bau von mehreren Pipelines wie z.B. der 2005 eröffneten Transkaukasischen Rohölpipeline BTC (Baku-Tiflis-Ceyhan) hat Georgien im 20. Jahrhundert seine traditionelle Funktion als wichtiges Transitland von Erdöl- und Erdgaspipelines gestärkt.
Aktuelle Entwicklung
Die georgische Wirtschaft hat sich vom pandemiebedingten Einbruch (BIP von Minus 6,3 Prozent im Jahr 2020) erholt und verzeichnet nun Wachstumsraten von über 6 Prozent bei gleichzeitig niedriger Inflationsrate von 1,1 Prozent (2024). Das BIP betrug 2024 33,8 Milliarden US-Dollar. Das BIP pro Einwohner stieg seit 2021 langsam an und betrug 9.142 US-Dollar im Jahr 2024. (Länderprofil Georgien) Der Anteil von Rücküberweisungen der georgischen Arbeitsmigranten am Bruttoinlandsprodukt mit rund 13,65 Prozent des BIP im Jahre 2023 ist bedeutsam und trägt zum finanziellen Unterhalt vieler Familien bei. (Georgien Daten und Fakten)
Die wirtschaftliche Dynamik wird getragen von der Tourismusbranche, seit 2022 vor allem von der Zunahme des russischen Tourismus, vom Dienstleistungssektor und der hohen Zahl von 30.000 Unternehmensgründungen durch russische Staatsbürger. Seit Mai 2023 gibt es wieder Direktflüge zwischen Russland und Georgien. Für russische Staatsbürger, die kein Visum brauchen, ist Georgien zu einem Transit- oder Auswanderungsland geworden. Die robuste Konjunktur setzt sich 2025 fort.
Die geografische Lage Georgiens als Teil des sogenannten „Transkaspischen oder Mittleren Korridors“, der Asien mit Europa unter Umgehung von Russland verbindet, hat seit 2022 weiter an logistischer Bedeutung gewonnen. Infrastrukturprojekte sollen das Schwarze Meer als Wirtschaftsregion und Logistikknotenpunkt stärken. Das ursprünglich amerikanische Projekt eines Containerhafens in Anaklia am Schwarzen Meer wird nun von China im Rahmen des Projekts „Neue Seidenstraße“ realisiert. (Georgien am Kippunkt)
Georgien gehört dank seiner Flüsse zu den Ländern mit den höchsten Wasserressourcen pro Kopf. Wasserkraftwerke liefern etwa 80 Prozent des Stroms. Im Energiesektor zeigen sich enge Verbindungen der georgischen Wirtschaftseliten nach Russland. Ölkonzerne wie Rosneft halten bedeutende Anteile an georgischen Energieunternehmen.
Die Arbeitslosigkeit betrug im Jahr 2024 nach offiziellen Statistiken 13,9 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit 29,9 Prozent. Trotz steigender Reallöhne bleibt die Kaufkraft niedrig. Der wirtschaftsliberale Kurs seit 2012 hat zu einer großen Zahl von Existenzgründungen geführt, viele dieser Selbstständigen wirtschaften aber in prekärer Lage. Auf dem Land dominiert die Subsistenzwirtschaft, hier leben 40 Prozent der Bevölkerung. Die Erwerbstätigenquote beträgt nur 55,8 Prozent. 9,4 Prozent der Bevölkerung lebten im Jahr 2024 an der Armutsgrenze.. Die demographische Entwicklung bleibt trotz der Einwanderung von russischen Staatsbürgern negativ. Der Bevölkerungsrückgang betrug 2024 0,01 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Außenhandel
Das Außenhandelsvolumen legte in den letzten Jahren zu, im Jahr 2023 um 12,5 Prozent, allerdings übersteigen die Importe bei weitem die Ausfuhren. (Wirtschaftsbericht Georgien) Die negative Handelsbilanz stieg im Jahr 2023 auf ein Rekordhoch von 9,4 Milliarden US-Dollar.
Reexporte, vor allem von Kraftfahrzeugen und Arzneimittel, machten 46 Prozent der Gesamtexporte im Jahr 2024 aus. (Wirtschaftsausblick Georgien) Diese Rückexporte gehen vor allem in die Länder der ehemaligen Sowjetunion.
Im Zuge der Auseinandersetzung um die abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien hatte Russland 2006 ein Embargo gegen georgische Produkte verhängt. 2013 wurde es aufgehoben. Mittlerweile florieren die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und Georgien wieder. Der Anteil Russlands an den georgischen Exporten betrug 2023 10,8 Prozent, an den georgischen Weinexporten 65 Prozent.
Die wichtigsten Exportgüter sind Getränke (Wein und Mineralwasser), Erze, Eisen, Stahl, Früchte, Nüsse und Düngemittel. Die Importe kommen aus der Türkei, USA, Russland, China und Deutschland. (Länderprofil Georgien) Erdöl und Erdölerzeugnisse stellen 8,1 Prozent des Imports.
EU-Förderung
Das 2016 in Kraft getretene Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Georgien schuf eine Freihandelszone und hatte eine Intensivierung der Handelsbeziehungen zur Folge.
Das im Mai 2024 vom georgischen Parlament verabschiedete „Gesetz über die Transparenz ausländischer Einflussnahme“ widerspricht europäischem Recht. Die Europäische Kommission beschloss deshalb im Juni 2024, die Budgetunterstützung für Georgien in Höhe von 121 Millionen Euro für den Zeitraum 2023-2024 und das 30-Millionen Paket aus dem Fonds der „European Peace Facility“ einzufrieren. (EU-Georgia relations)
Wegen des innenpolitischen Kurswechsels in Georgien und des gewaltsamen Vorgehens gegen pro-europäische Demonstranten 2024-2025 hat das deutsche Bundesentwicklungsministerium 2025 entschieden, mit der georgischen Regierung geplante Kooperationsprojekte zu stoppen ( im Umfang von 237 Millionen Euro).
