NATO-Einsätze

Kritik und Zuspruch der militärischen Interventionen

Die NATO, 1949 als Verteidigungsbündnis gegründet, erlebte in den vergangenen Jahrzehnten einen bedeutenden Wandel von einer regionalen Verteidigungsstruktur zu einer global agierenden Ordnungsmacht. Der erste Militäreinsatz außerhalb des Bündnisgebiets erfolgte 1995 im ehemaligen Jugoslawien nach dem Ende des Ost-West-Konflikts. Die Allianz entwickelte sich zu einem „Bündnis im Einsatz“ mit Schwerpunkt auf weltweitem Krisenmanagement, begleitet von kontroversen Debatten über die Vor- und Nachteile dieser Entwicklung. Der Beitrag von Simon Koschut analysiert die Rechtmäßigkeit und Legiti mität von NATO-Einsätzen, unter Berücksichtigung der normativen Positionen der Mitgliedstaaten und des Einflusses externer Akteure. Anhand der NATO-Interventionen im Kosovo, Afghanistan und Libyen werden unterschiedliche Perspektiven beleuchtet und die normativen Rahmenbedingungen hinterfragt. Abschließend bietet der Beitrag einen Ausblick auf die Lehren, die die NATO aus vergangenen Militäreinsätzen gezogen hat.

Seit ihrer Gründung am 4. April 1949 hat die Rolle der NATO einen tiefgreifenden Wandel erfahren. Zunächst als Bündnis zur Verteidigung konzipiert, entwickelte sich die Allianz in den 1990er Jahren zu einer global agierenden Ordnungsmacht. Bereits im Harmel-Bericht von 1967 wurde betont, dass die Sicherheit des NATO-Territoriums und ihrer Mitgliedstaaten im weiteren globalen Kontext verankert werden sollte. Dem Bericht zufolge könne das Vertragsgebiet nicht „in Isolation vom Rest der Welt [betrachtet werden.] Krisen und Konflikte, die außerhalb dieses Gebiets aufkommen, können seine Sicherheit entweder direkt oder durch Beeinträchtigung des globalen Gleichgewichts schädigen“ (zitiert in: Giegerich 2012: 57). Doch erst mit dem Ende des Ost-West-Konflikts kam es 1995 im ehemaligen Jugoslawien zum ersten Militäreinsatz der NATO außerhalb ihres Bündnisgebiets. In den Folgejahren entwickelte sich die NATO zu einem „Bündnis im Einsatz“: Das weltweite Krisen- und Konfliktmanagement wurde zur Kernaufgabe der Allianz. Dieser Wandel wurde innerhalb und außerhalb des Bündnisses kontrovers begleitet. Die Befürworter hoben die Vorteile der NATO-Militäreinsätze in der Friedenssicherung, der Verhinderung humanitärer Katastrophen und der Abschreckung potenzieller Aggressoren hervor. Kritiker bemängelten hingegen zivile Verluste, Souveränitätsverletzungen, langfristige Instabilität sowie das Risiko von Eskalation und einer Rolle als „Weltpolizist“ (Holbrooke 1999; Varwick 2008).

Der vorliegende Beitrag möchte Einblicke in die Rechtmäßigkeit und Legitimität von NATO-Einsätzen gewähren. Von entscheidender Bedeutung ist hierbei die Frage, wie sich die Mitgliedstaaten der NATO bei diesen Einsätzen normativ positionieren und welchen Einfluss externe Akteure auf die Diskussion über ihre Legitimität ausüben. Anhand von drei Interventionen – Kosovo, Afghanistan und Libyen – werden dabei exemplarisch die vielschichtigen Perspektiven, die in diesen Diskursen zum Ausdruck kommen, beleuchtet und die normativen Rahmenbedingungen hinterfragt, die das Handeln der NATO in Konfliktsituationen beeinflussen. Abschließend erfolgt ein kurzer Ausblick, welche Lehren die NATO aus den bisherigen Militäreinsätzen gezogen hat.

Autor:

Prof. Dr. Simon Koschut ist Professor für Internationale Sicherheitspolitik an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen.

NATO-FAQ: NATO-Infos kurz gefasst

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was ist die NATO? Welche Länder sind Mitglieder der NATO? Wer kann dem Bündnis beitreten und wie geht das? Was ist der Bündnisfall? Die wichtigsten Fragen beantwortet unser

NATO-FAQ

NATO - Strategiewandel

Mit dem Ende der Ost-West-Konfrontation entfiel für die NATO und ihre Mitgliedstaaten die unmittelbare Bedrohung durch einen mächtigen Gegner. Allerdings brachen verdrängte Konflikte wieder auf und es entstanden neue Risiken für die europäische wie auch die globale Stabilität. Die NATO entschied sich in dieser Situation für eine strategische Neuausrichtung. Trotz Rückschlägen wie in Afghanistan erwarb die NATO so neue strategische Fähigkeiten, die auch nach der Rückbesinnung auf ihre Kernaufgaben in Abschreckung und kollektiver Verteidigung in Folge der russischen Aggressionen in der Ukraine bedeutsam sind.

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NATO - Beziehungen zu Russland

Für einen kurzen Moment hatten sich zu Beginn der 1990er Jahre die Spannungen zwischen dem Westen und der Sowjetunion bzw. Russland aufgelöst. Doch der Annäherung auf Wegen der Verhandlungen folgte bald erneut Misstrauen und Entfremdung, die spätestens seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim 2014 wieder in Gegnerschaft mündete. Dieser Beitrag beleuchtet die verschiedenen Etappen der NATO-Osterweiterung und der damit verbundenen Haltung der NATO-Mitgliedstaaten und Russlands.

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Politische und rechtliche Grundlagen der NATO-Militäreinsätze

Die NATO stellt kein reines Verteidigungsbündnis dar. Sie versteht sich vielmehr als eine Sicherheitsorganisation zur Krisenprävention und -bewältigung, die die Fähigkeit besitzt, eine Vielzahl von militärischen Operationen und Missionen durchzuführen. Die zahlreichen militärischen Einsätze stehen stellvertretend für die Entwicklung der NATO von einem regionalen Verteidigungsbündnis zu einem globalen Sicherheitsakteur. NATO-Militärinterventionen werden oft als wertebasiert betrachtet, da die Allianz auf gemeinsamen liberalen Werten und Prinzipien beruht. Die NATO betont regelmäßig – nicht zuletzt in der Präambel ihres Gründungsvertrags – ihre Verpflichtung zu Freiheit, Demokratie, Marktwirtschaft, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit. Militärinterventionen werden oft mit dem Ziel gerechtfertigt, diese Werte zu schützen oder wiederherzustellen, sei es durch die Verteidigung von Menschenrechten oder die Förderung von Stabilität und Demokratie (Koschut 2016). Die wertebasierte Natur von NATO-Militärinterventionen wird besonders deutlich in Fällen, in denen die Allianz auf Verletzungen dieser gemeinsamen Werte reagiert, sei es durch massive Menschenrechtsverletzungen, völkerrechtswidrige Handlungen oder Bedrohungen gegen die internationale Sicherheit.

Die Legitimation solcher Interventionen soll durch den Bezug auf diese geteilten Werte gestärkt werden, wobei die NATO argumentiert, dass sie im Einklang mit den grundlegenden Prinzipien handelt, auf denen die Allianz gegründet wurde. Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass die Wahrnehmung der Werte und die Art der Interventionen von verschiedenen Akteuren innerhalb der NATO und der internationalen Gemeinschaft unterschiedlich interpretiert werden können. Die NATO sieht sich nach außen als liberale Wertegemeinschaft, blieb in ihrer Entwicklung dabei aber nach innen mitunter flexibel. Zu den Gründungsnationen der NATO gehörte aufgrund seiner strategisch wichtigen Militärbasen auf den Azoren das damals diktatorisch-autoritär regierte Portugal, dessen Regime erst mit der Nelkenrevolution 1974 endete. Von 1967 bis 1974 tolerierte das Bündnis eine griechische Militärdiktatur in seinen Reihen. Daneben wird häufig kritisiert, dass bestimmte Militärinterventionen von nationalen Interessen getrieben sind und nicht allein auf einer wertebasierten Grundlage erfolgen (Thimm 2018). Daher bleibt die Frage nach der Werteorientierung von NATO-Militärinterventionen ein komplexes und kontroverses Thema.

Die rechtliche Grundlage für internationale Militäreinsätze durch die NATO ergibt sich aus internationalen Verträgen, dem Völkerrecht und den nationalen Rechtsordnungen der beteiligten Mitgliedstaaten. Die Charta der Vereinten Nationen (VN) erkennt in Artikel 52 und 53 die Rolle von Regionalorganisationen an und sieht vor, dass diese in Bezug auf die Aufrechterhaltung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten können, sofern sie den Zielen der Vereinten Nationen nicht widersprechen (Vereinte Nationen 1945). Die Grundwerte der NATO, festgelegt im Washingtoner Vertrag von 1949, umfassen Demokratie, Freiheit, marktwirtschaftliche Zusammenarbeit und Rechtsstaatlichkeit. Diese gemeinsamen Werte stehen im Einklang mit den Zielen der Vereinten Nationen und betonen den Frieden unter seinen Mitgliedern als zentrales Ziel. Artikel 54 der VN-Charta behandelt die Rolle der regionalen Organisationen bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Friedenssicherung, die der VN-Sicherheitsrat ergreifen kann. Er ermöglicht dem Sicherheitsrat, regionale Organisationen mit der Durchführung solcher Maßnahmen zu beauftragen. Eine weitere rechtliche Grundlage für NATO-Militäreinsätze ist der Nordatlantikvertrag, der 1949 in Washington, D.C. unterzeichnet wurde. Artikel 5 des Vertrags ist besonders wichtig. Er besagt, dass ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere NATO-Mitgliedstaaten als Angriff gegen alle Mitglieder gilt, und jeder Mitgliedstaat verpflichtet sich, Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit im nordatlantischen Raum wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten. Somit kann die NATO im Rahmen der kollektiven Selbstverteidigung auf einen äußeren Angriff auf ihr Bündnisgebiet mit militärischer Gewalt reagieren, um ihre Mitglieder zu schützen. Die NATO-Mitgliedstaaten sind dabei an die Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen gebunden.

Regionale Organisationen wie die NATO können demnach eine wichtige Rolle bei der internationalen Friedenssicherung und Konfliktlösung spielen, allerdings nur, wenn der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sie mit einem Mandat dazu ermächtigt. In der Praxis hat sich daraus eine pragmatische Zusammenarbeit zwischen den VN und der NATO entwickelt, die aus einem Spannungsfeld aus Macht und Autorität in der internationalen Politik resultiert: Die VN haben zwar die alleinige Autorität zur legitimen Gewaltanwendung in der internationalen Politik, verfügen jedoch über keine Armee, um dieser Autorität weltweit Geltung zu verschaffen. Die NATO wiederum ist das mächtigste Militärbündnis der Welt, das jedoch nicht über die Autorität zur legitimen Gewaltanwendung verfügt.
Die Haltung der NATO gegenüber den VN bei internationalen Militäreinsätzen ist ambivalent. Einerseits erkennt die NATO die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen explizit in der Präambel ihres Gründungsvertrags an. Allerdings beanspruchen einzelne Mitglieder das grundsätzliche Recht der NATO zur Selbstmandatierung von Militäreinsätzen, also die rechtliche Autorität, internationale Militäreinsätze durchzuführen. In Fällen, in denen die NATO Militäreinsätze aus humanitären Gründen durchführt – so eine weitläufige Auffassung –, könne das Bündnis durchaus aus politischen Gründen eine ausdrückliche Autorisierung vom VN-Sicherheitsrat anstreben, sei dazu aber nicht verpflichtet. Diese Rechtsauffassung ist äußerst umstritten und hat im Falle des Kosovoeinsatzes zu teils heftigen Debatten innerhalb des Bündnisses über die Rechtmäßigkeit einer solchen Selbstmandatierung geführt (Daalder 1999).

Abschließend beruht die rechtliche Grundlage für NATO-Militäreinsätze auch auf den nationalen Rechtsordnungen der beteiligten Mitgliedstaaten. Jeder Mitgliedstaat muss sicherstellen, dass sein nationales Rechtssystem die Entsendung von Militärkräften und ihre Beteiligung an internationalen Operationen ermöglicht. In Deutschland beinhaltet dies beispielsweise den Parlamentsvorbehalt, der die Beteiligung deutscher Soldatinnen und Soldaten an Auslandseinsätzen von der Zustimmung des Deutschen Bundestags abhängig macht.

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Der Blick zurück: Die Ära der Auslandseinsätze

Die NATO ist heute an vielen zivilen und militärischen Operationen weltweit beteiligt. Dies war jedoch nicht immer so. Seit ihrer Gründung im Jahr 1949 hatte die NATO während des Ost-West-Konflikts die grundlegende Aufgabe, als machtvoller Abschreckungsfaktor gegen militärische Aggressionen zu wirken. In dieser Rolle war der Erfolg der NATO darin zu sehen, dass ihre Streitkräfte während der gesamten Periode des Kalten Krieges nicht an einem einzigen militärischen Einsatz beteiligt waren.

Mit dem Ende des Kalten Krieges in den frühen 1990er Jahren veränderte sich das internationale Sicherheitsumfeld erheblich. Das Wegfallen des gemeinsamen Feindbilds führte zu einer Sinn- und Legitimitätskrise. Im Zuge dessen suchte die NATO nach neuen Aufgaben und Bedrohungen. Diese fand sie in Form ethnischer Konflikte und Bürgerkriege außerhalb des Bündnisgebiets, wie beispielsweise in Bosnien und Herzegowina. Die Territorialverteidigung des Bündnisgebiets stand nun nicht länger im Vordergrund. Stattdessen konzentrierte sich das Bündnis auf Aufgaben des internationalen Krisenmanagements in asymmetrischen Konflikten unter dem Mandat der Vereinten Nationen. Hierzu wurde die Combined Joint Task Force (CJTF) entwickelt. Das CJTF ist eine multinationale Militäreinheit, die aus verschiedenen Teilstreitkräften und Nationen zusammengesetzt ist und gemeinsam an einer bestimmten militärischen Aufgabe oder Operation arbeitet. Dem gingen intensive Debatten innerhalb des Bündnisses voraus, ob die NATO überhaupt außerhalb ihres Bündnisgebiets (Out-of-Area) militärisch intervenieren dürfe und solle (Kitchen 2010). Letztlich beendeten die USA diese Debatte, in dem sie die europäischen Mitgliedstaaten vor die Wahl stellten: Entweder würde die NATO sich den neuen geopolitischen Herausforderungen anpassen oder schlicht irrelevant werden – „NATO will go out of area or out of business“, wie es der US-amerikanische Senator Richard Lugar (1993) auf den Punkt brachte.

Kosovo

Nach dem Zerfall Jugoslawiens brach 1992 ein gewaltsamer Konflikt in Bosnien und Herzegowina aus. Die NATO reagierte im Sommer 1992, überwachte das Waffenembargo und setzte ab 1993 in Zusammenarbeit mit der Westeuropäischen Union (WEU) eine Flugverbotszone durch. Im Februar 1994 schoss die NATO bosnisch-serbische Jagdbomber ab. 1995 ersuchten VN-Friedenstruppen um NATO-Luftangriffe gegen serbische Truppen, was zur Operation Deliberate Force führte. Diese Luftkampagne brachte die Serben an den Verhandlungstisch, und der Bosnien-Krieg endete nach dem Dayton-Friedensabkommen im Dezember 1995 (Daalder 2000). Die NATO entsandte dann eine Implementierungstruppe (IFOR) und später eine Stabilisierungstruppe (SFOR). Die Friedensunterstützung endete 2004, und die EU startete Operation Althea und nutzte dafür das NATO-Hauptquartier in Sarajevo. Dieses unterhält die NATO weiterhin für spezifische Aufgaben zur Unterstützung der Regierungsreform. In Nordmazedonien führte die NATO drei aufeinanderfolgende Operationen durch, um ethnische Spannungen einzudämmen.

Nach der Ermordung von 45 Kosovo-Albanerinnen und Albanern in Raçak im Januar 1999 engagierte sich die NATO zunehmend in der Konfliktbewältigung. Die Eskalation der Gewalt im Kosovo führte zu Massakern, Vertreibungen und einer humanitären Krise. Angesichts dieser schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen und der drohenden humanitären Katastrophe griff die NATO im Jahr 1999 militärisch ein. Die Intervention hatte das Ziel, die serbischen Sicherheitskräfte zu stoppen, die Gewalt zu beenden und die Grundlage für eine friedliche Lösung des Konflikts zu schaffen. Die NATO startete am 24. März 1999 Luftangriffe gegen serbische Ziele, um Druck auf die jugoslawische Regierung auszuüben und ihre militärische Offensive im Kosovo zu stoppen. Die Operation trug den Namen Operation Allied Force. Die Intervention wurde von vielen Staaten als notwendig erachtet, um das Leiden der Zivilbevölkerung zu beenden, die Stabilität in der Region wiederherzustellen und die Glaubwürdigkeit der Allianz zu gewährleisten. Immerhin hatte das Strategische Konzept von 1991 die NATO als Wertegemeinschaft gestärkt. Daher kam der US-amerikanische Präsident Bill Clinton zu dem Schluss, dass „die NATO selbst […] diskreditiert wäre, wenn sie es versäumt hätte, genau die Werte zu verteidigen, die ihr Bedeutung verleihen“ (eigene Übersetzung, Clinton 1999).

Der Kosovoeinsatz stand jedoch von Anfang an vor einem rechtlichen Dilemma. Trotz der Verabschiedung der VN-Resolution 1199 zur Beendigung der Gewalt im Kosovo wurde schnell klar, dass die Vetomächte Russland und China eine VN-autorisierte Anwendung von Gewalt gegen Serbien blockieren würden. Die USA drängten ihrerseits darauf, die Kosovo-Krise noch vor dem 50. Jubiläumsgipfel der NATO im Sommer 1999 zu lösen. Viele europäische Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, fühlten sich sehr unwohl bei der Vorstellung, ohne VN-Mandat in den Krieg zu ziehen. Während die meisten Mitgliedstaaten in Europa betonten, dass die NATO als regionale Organisation nur unter der Prämisse eines VN-Mandats handeln sollte, wurde dies auf der anderen Seite des Atlantiks offen in Frage gestellt (Guicherd 1999). Letztendlich wurde der Kosovoeinsatz ohne Mandat der VN durchgeführt, was zu massiven gesellschaftlichen Protesten in einigen NATO-Mitgliedstaaten führte. Auf einem denkwürdigen Sonderparteitag der Grünen am 13. Mai 1999 rechtfertigte der damalige deutsche Außenminister Joschka Fischer den NATO-Einsatz im Kosovo mit dem Argument, dieser sei zwar nicht legal, aber legitim (Fischer 1999). Bereits zuvor hatte er einen möglichen militärischen Einsatz als notwendig bezeichnet: „Wenn Menschen massakriert werden, können Sie nicht darüber murren, dass kein Mandat vorhanden ist. Sie müssen handeln!“ (eigene Übersetzung, Cohen 1999). Die Balkankriege der 1990er Jahre führten den Europäern in dramatischer Weise vor Augen, dass sie ohne die USA politisch und militärisch nicht in der Lage waren, einen bewaffneten Konflikt vor ihrer eigenen Haustür zu lösen. Gleichzeitig pochten die USA auf einer starken Rolle des Bündnisses, um die Relevanz der NATO – und damit auch den Einfluss der USA auf die europäische Sicherheitsordnung – nach dem Ende des Ost-West-Konflikts zu garantieren. Die Hauptkritikpunkte am Kosovoeinsatz der NATO umfassen neben der fehlenden völkerrechtlichen Grundlage für die Intervention auch zivile Verluste und Schäden durch die Luftangriffe (Chomsky 1999). Einige Kritiker sahen den Einsatz als Präzedenzfall für eigenmächtige militärische Interventionen ohne klare rechtliche Legitimation (Loquai 2000).

Afghanistan

Die NATO entwickelte sich nach dem Kosovokrieg weiter zu einem globalen Krisenmanager. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und der erstmaligen Ausrufung des Bündnisfalls nach Artikel 5 richtete sich die Aufmerksamkeit verstärkt auf den Kampf gegen den transnationalen Terrorismus. Am 4. Oktober 2001 stimmte die NATO einem Paket von acht Maßnahmen zur Unterstützung der Vereinigten Staaten zu. Auf Anfrage der USA startete die Allianz ihre erste Anti-Terror-Operation (Operation Eagle Assist) von Mitte Oktober 2001 bis Mitte Mai 2002. Die Operation umfasste sieben NATO AWACS-Radarflugzeuge, die dazu beitrugen, den Luftraum über den Vereinigten Staaten zu überwachen. Operation Active Endeavour wurde als weitere Reaktion der NATO auf die Terroranschläge vom 11. September ins Leben gerufen, um terroristische Aktivitäten im Mittelmeer zu bekämpfen, abzuschrecken und zu verteidigen. Dies war das erste Mal, dass NATO-Militärressourcen im Rahmen einer Artikel-5-Operation eingesetzt wurden. Auf dem NATO-Gipfel in Prag 2002 kam es außerdem zu einer Kommandoreform, bei der die NATO Response Force (NRF) und das Allied Command Transformation (ACT) eingerichtet wurden. Diese institutionelle Reform diente der Fortentwicklung der militärischen Transformation der NATO hin zu einem global agierenden Sicherheitsakteur und sollte die NATO in die Lage versetzen, rasch auf unterschiedliche Krisensituationen und Bedrohungen in der Welt zu reagieren.

Als weitere Antwort auf die terroristischen Angriffe vom 11. September wurde im Jahr 2001 mit einem VN-Mandat die International Security Assistance Force (ISAF) gegründet. Von August 2003 bis Dezember 2014 wurde ISAF von der NATO geführt und am 1. Januar 2015 von der Resolute Support Mission (RSM) abgelöst, die Anfang September 2021 beendet wurde. Die Mission bestand darin, neue afghanische Sicherheitskräfte zu entwickeln und den afghanischen Behörden zu ermöglichen, effektive Sicherheit im ganzen Land zu gewährleisten, um eine Umgebung für das Funktionieren demokratischer Institutionen und die Etablierung der Rechtsstaatlichkeit zu schaffen. Ziel war es, zu verhindern, dass Afghanistan erneut Zufluchtsort für Terroristen würde. ISAF trug zur Rekonstruktion und Entwicklung in Afghanistan bei, insbesondere durch multinationale Provincial Reconstruction Teams (PRTs), die von einzelnen ISAF-Truppenstellenden Ländern geleitet wurden. Diese sicherten Gebiete, in denen Rekonstruktionsarbeiten von nationalen und internationalen Akteuren durchgeführt werden konnten. Die PRTs halfen auch den afghanischen Behörden, schrittweise die für die vollständige Etablierung von guter Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit erforderlichen Institutionen zu stärken und die Menschenrechte zu fördern (Auerswald/Saideman 2014). ISAF war eine der größten internationalen Krisenmanagementoperationen, an der bis zu 51 verschiedene Länder (auch Nicht-NATO-Mitglieder) beteiligt waren. Der Afghanistaneinsatz wurde jedoch von einer Vielzahl komplexer Probleme überschattet, darunter unübersichtliche Konfliktlage, unzureichende Governance, mangelnde Integration von lokalem Wissen, Gegenreaktion und Aufstand, Zivilopfer, Schwierigkeiten bei der zivil-militärischen Zusammenarbeit, regionale geopolitische Interessen sowie fehlende klare Exit-Strategie und endete schließlich im Fiasko im September 2021 (Williams 2016).
Neben dem Afghanistaneinsatz belastete auch der Irakkrieg 2003 das transatlantische Militärbündnis. Der Irakkrieg löste eine der größten Krisen in der Geschichte des Bündnisses aus. Nachdem die meisten NATO-Partner den USA ihre Unterstützung für eine NATO-geführte Mission verweigerten, versammelten die USA stattdessen eine „Koalition der Willigen“ außerhalb der NATO-Strukturen und marschierten im Irak ein. Der Alleingang der USA hat der NATO enorm geschadet und belastete die Beziehungen zwischen den Bündnispartnern auf Jahre hin. Die europäischen Mitgliedstaaten beklagten eine Instrumentalisierung der NATO durch die USA für eigene nationale Interessen und forderten mehr europäische Eigenständigkeit (Gordon/Shapiro 2004). Obwohl die USA dies im Sinne eines fairen Lastenausgleichs grundsätzlich begrüßten, fürchtete Washington eine Abkoppelung der Europäer. Mit dem Berlin-Plus-Abkommen wurde dieser Konflikt beigelegt. Mit der Vereinbarung zwischen der NATO und der Europäischen Union (EU) wurde es der EU ermöglicht, die militärischen Mittel und Fähigkeiten der NATO für ihre eigenen Krisenbewältigungsoperationen zu nutzen. Die NATO führte von 2004 bis 2011 eine Operation zur Unterstützung im Irak durch, indem sie Schulung, Mentoring und Hilfe für die irakischen Sicherheitskräfte bereitstellte.

Libyen

Nach dem Aufstand gegen das Regime von Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi in Libyen 2011 verabschiedete der VN-Sicherheitsrat die Resolutionen 1970 und 1973 zur Unterstützung des libyschen Volkes und zur Verurteilung von Menschenrechtsverletzungen. Diese Resolutionen führten aktive Maßnahmen ein, darunter eine Flugverbotszone, ein Waffenembargo und die Ermächtigung für Mitgliedsländer, „alle notwendigen Maßnahmen“ zum Schutz libyscher Zivilisten zu ergreifen. Die NATO setzte anfänglich die Flugverbotszone durch und übernahm am 31. März 2011 die alleinige Führung aller militärischen Operationen für Libyen. Die Operation Unified Protector hatte drei wesentliche Bestandteile: die Durchsetzung eines Waffenembargos im Mittelmeer, die Einführung einer Flugverbotszone und Luft- sowie Seeschläge gegen Militärkräfte, die Angriffe gegen libysche Zivilisten durchführten. Die NATO führte Luftangriffe gegen die Regierung von Muammar al-Gaddafi in Libyen durch, um die Zivilbevölkerung zu schützen und einen drohenden Völkermord zu verhindern.

Die militärische Intervention der NATO in Libyen führte jedoch zu ernsthaften Konflikten innerhalb der Allianz. Besonders bemerkenswert waren dabei die Forderungen von Frankreich und Großbritannien nach einem verstärkten militärischen Engagement in Libyen, während Deutschland und die USA dies zunächst vehement ablehnten. Nachdem die USA sich dann doch für einen Militäreinsatz aussprachen, weigerte sich die Türkei, das Kommando an die NATO zu übergeben. Der schwerwiegendste Konflikt innerhalb der transatlantischen Allianz entstand jedoch durch die Enthaltung Deutschlands bei der Abstimmung über die Resolution 1973 im VN-Sicherheitsrat. Die Resolution 1973 autorisierte den Einsatz militärischer Gewalt zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Libyen. Da der deutsche Außenminister Guido Westerwelle zuvor sogar darauf bestanden hatte, die Resolution abzulehnen (aber schließlich von deutschen Diplomaten überzeugt wurde, sich zu enthalten), wurde die Enthaltung von den westlichen Mitgliedern im Sicherheitsrat, Frankreich, Großbritannien und den USA, als Misstrauensvotum wahrgenommen (Weiland/Wittrock 2011). Es war das erste Mal, dass sich Deutschland bei einer bedeutenden sicherheitspolitischen Frage im VN-Sicherheitsrat nicht mit seinen transatlantischen Partnern solidarisierte. Dies löste auf beiden Seiten des Atlantiks Befürchtungen über deutsche „nationale Überlegungen“ und eine „bündnisfreie Außenpolitik“ aus (eigene Übersetzung, The Economist 2011). Darüber hinaus kam es zu Kritik um die Durchführung des Einsatzes. Konkret ging es um den Vorwurf einer nichtautorisierten Ausweitung des VN-Mandats. Russland argumentierte etwa, dass die NATO über das hinausgegangen sei, was durch die Resolution 1973 des VN-Sicherheitsrats abgedeckt war. Diese Resolution genehmigte die Einrichtung einer Flugverbotszone zum Schutz der Zivilbevölkerung, jedoch behauptete Russland, dass die NATO ihre Mission auf Regierungsgebäude und -einrichtungen ausgeweitet habe, was über den ursprünglichen Schutz der Zivilbevölkerung hinausgehe. Russland und China warfen der NATO vor, unter dem Deckmantel einer humanitären Intervention einen Regimewechsel zu unterstützen. Darüber hinaus bemängelten einige Kritikerinnen und Kritiker, dass der Mangel an langfristiger Stabilität und politischer Entwicklung in Libyen nach dem Einsatz auf die Intervention zurückzuführen ist (Weighill/Gaub 2018).

Neben den kontroversen Militäreinsätzen im Kosovo, in Afghanistan und in Libyen gab es eine Vielzahl anderer internationaler Einsätze der NATO, die das Bündnis als globalen Sicherheitsakteur gestärkt haben. Die NATO unterstützte die Mission der Afrikanischen Union in Darfur, Sudan (AMIS), von Juni 2005 bis Dezember 2007, indem sie Logistik für rund 37 000 AMIS-Personal bereitstellte und über 250 AMIS-Beamte ausbildete, und ab Juni 2007 die Mission in Somalia (AMISOM) durch Luft- und Seetransporte unterstützte. Das Bündnis engagiert sich zudem aktiv in der maritimen Sicherheit durch die ständigen Seestreitkräfte der Allianz (Operation Sea Guardian) im Mittelmeer. Die ständigen Seestreitkräfte (SNF) sind die einzigen ständigen Kräfte der NATO im maritimen Bereich, die eine kontinuierliche, glaubwürdige und flexible maritime Fähigkeit bereitstellen. Nach dem Erdbeben in Pakistan im Oktober 2005 leistete die NATO auf Anfrage Pakistans dringende Hilfe, transportierte etwa 3.500 Tonnen Hilfsgüter und entsandte Ingenieure und medizinische Einheiten. Nach dem Hurrikan Katrina im August 2005 unterstützte die NATO auf Anfrage der US-amerikanischen Regierung die Koordination und Bereitstellung von Material sowie humanitäre Hilfsoperationen. Die NATO unterstützte auch die Olympischen Spiele in Athen 2004 mit verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen. 

Der Blick nach vorne: Drei Lehren für die Zukunft

Die NATO hat sich als aktiver Dienstleister für Frieden und Sicherheit etabliert, indem sie demokratische Werte fördert und sich für die friedliche Beilegung von Konflikten einsetzt. Trotzdem haben ihre Militäroperationen nicht immer zu mehr Frieden und Sicherheit geführt und bleiben hinter den eigenen Werteansprüchen zurück. Kritikpunkte umfassen die Legitimation der Einsätze, insbesondere ohne VN-Mandat, sowie zivile Opfer, Menschenrechtsverletzungen und ungewollte Konsequenzen für die Zivilbevölkerung. Langfristige Auswirkungen werden bezweifelt, da viele Einsätze nicht die erhofften positiven Veränderungen bewirkt haben. Kritik bezieht sich auch darauf, dass zum einen die NATO zu stark auf militärische Lösungen setzte, während diplomatische und politische Ansätze vernachlässigt wurden und dass zum anderen Eigeninteressen einzelner Mitglieder Einsätze antrieben, nicht immer im besten Interesse der Allianz oder der betroffenen Region (Kantner 2016; Williams 2023).

Welche lessons learnt oder Lektionen ergeben sich für die NATO aus ihren Militäreinsätzen? Erstens hat die NATO gelernt, dass moderne Konflikte oft komplex und vielschichtig sind. Dies erfordert eine umfassende Herangehensweise, die neben militärischen auch politische, wirtschaftliche und humanitäre Elemente integriert. Dabei ist zu betonen, wie wichtig die Zusammenarbeit und Interoperabilität zwischen den Mitgliedstaaten und den verschiedenen Teilstreitkräften ist. Dies umfasst gemeinsame Übungen, Koordination von Operationen und gemeinsame Einsatzplanung. Aber auch eine verbesserte Koordinierung zwischen zivilen und militärischen sowie externen Akteuren ist entscheidend. Dies betrifft die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen, NGOs und lokalen Akteuren, um eine umfassende und nachhaltige Stabilisierung zu erreichen. Zweitens hat die NATO einsehen müssen, wie wichtig die Bedeutung des Schutzes der Zivilbevölkerung während militärischer Operationen ist. Dies schließt nicht nur Maßnahmen zur Minimierung von zivilen Opfern und die Bereitstellung von humanitärer Hilfe ein, sondern auch eine effektive Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit während Militäreinsätzen. Die Legitimität und Unterstützung der Öffentlichkeit sind entscheidend, und die Allianz hat versucht, dies besser zu managen. Drittens hat die NATO gelernt, wie wichtig die langfristige Stabilisierung nach einem Konflikt ist. Dies umfasst den Aufbau von Institutionen, die Förderung der Rechtsstaatlichkeit und die Unterstützung bei der wirtschaftlichen Entwicklung, eine Exit-Strategie sowie klare politische Ziele für die Zeit nach einem Einsatz. Die Fähigkeit zur Anpassung an sich verändernde Bedingungen und die Flexibilität in der Herangehensweise sind dabei von entscheidender Bedeutung. Dies umfasst die ständige Überprüfung von Strategien und Taktiken während einer Mission.

Mit der illegalen Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 und der groß angelegten russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 steht die NATO nun am Ende einer Ära. Die Zeit der großen internationalen Militäreinsätze ist vorbei. Der Blick nach vorne ist dabei eigentlich ein Blick zurück: Die NATO besinnt sich wieder auf ihre strategische Kernkompetenz, nämlich die Verteidigung des Bündnisgebiets. Hierzu hat die NATO zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für Verbündete im östlichen Teil der Allianz ergriffen, einschließlich der Verstärkung der NATO-Luftraumüberwachung. Die NATO-Luftraumüberwachung zielt darauf ab, die Sicherheit des Luftraums der Allianz zu gewährleisten. Diese kollektive Aufgabe erfordert die kontinuierliche Präsenz von Kampfflugzeugen und Besatzungen, die rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr einsatzbereit sind, um schnell auf mögliche Luftraumverletzungen zu reagieren und angemessene Maßnahmen zu ergreifen. Alliierte Kampfflugzeuge überwachen den Luftraum von Verbündeten, die keine eigenen Kampfflugzeuge haben. Die NATO-Luftraumüberwachung ist Teil des integrierten Luft- und Raketenabwehrsystems der NATO, das das Gebiet, die Bevölkerung und die Streitkräfte der Allianz vor Luft- oder Raketenbedrohungen oder Angriffen schützt.
Obwohl sich die NATO nun wieder hauptsächlich auf Bündnisverteidigung konzentriert, bleiben internationale Kriseneinsätze ein wichtiger Teil des Aufgabenspektrums der Allianz. Derzeit sind etwa 4.500 alliierte und Partnertruppen als Teil der NATO Kosovo Force (KFOR) im Kosovo aktiv. Die NATO arbeitet eng mit der Europäischen Union zusammen, um politische Blockaden im nördlichen Kosovo zu überwinden und die Beziehungen zwischen Belgrad und Pristina zu normalisieren. Im Juli 2018 wurde auf dem NATO-Gipfel in Brüssel die NATO-Mission im Irak (NMI) ins Leben gerufen. Diese Mission ist eine nichtkämpferische Beratungs- und Kapazitätsaufbaumission, die dem Irak dabei helfen soll, nachhaltigere, transparentere, inklusivere und effektivere Streitkräfte und Sicherheitsinstitutionen aufzubauen. Im Februar 2021 beschlossen die NATO-Verteidigungsministerinnen und -minister, die Mission auf Ersuchen der irakischen Regierung auf den weiteren irakischen Sicherheitssektor auszuweiten. Im Jahr 2023 einigten sich die NATO-Verbündeten auf die Bereitstellung strategischer Transportunterstützung für AMISOMs Nachfolger, die AU Transition Mission in Somalia (ATMIS). Nach den verheerenden Erdbeben in der Türkei im Februar 2023 lieferte die NATO hunderte von temporären Unterkünften, darunter Zelte und Frachtcontainer, für die durch die Katastrophe obdachlosen Menschen. Schließlich wurden auch einige Einsatzkapazitäten den neuen strategischen Rahmenbedingungen angepasst. In Reaktion auf Russlands Invasion der Ukraine im Februar 2022 wurden etwa die ständigen Seestreitkräfte (SNF) zum maritimen Bestandteil der NATO Very High Readiness Joint Task Force (VJTF).

Literatur

Literatur

Auerswald, David P./Saideman, Stephen M. (2014): NATO in Afghanistan. Fighting Together, Fighting Alone. Princeton.

Chomsky, Noam (1999): The New Military Humanism. Lessons from Kosovo. Monroe.

Clinton, William Jefferson (1999): A Just and Necessary War. In: New York Times vom 23.05.1999. URL: https://www.nytimes.com/1999/05/23/opinion/a-just-and-necessary-war.html [08.01.2024]

Cohen, Roger (1999): Germany’s Pragmatic Ex-Radical Thinks Globally. In: New York Times vom 28.01.1999, A3. URL: https://www.nytimes.com/1999/01/28/world/germany-s-pragmatic-ex-radical-thinks-globally.html [14.02.2024].

Daalder, Ivo H. (1999): NATO, the UN, and the Use of Force, 01.03.1999. URL: https://www.brookings.edu/articles/nato-the-un-and-the-use-of-force/ [08.01.2024].

Daalder, Ivo H. (2000): Getting to Dayton. The Making of America’s Bosnia Policy. Washington, D.C.

Fischer, Joschka (1999): Rede des Außenministers zum NATO-Einsatz im Kosovo auf dem Sonderparteitag der Grünen in Bielefeld, 13. Mai 1999. URL https://www.lmz-bw.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Handouts/2018-06-13-fischer-kosovorede.pdf

Giegerich, Bastian (2012): Die NATO. Wiesbaden.

Gordon, Philip/Shapiro, Jeremy (2004): Allies At War. America, Europe, and the Crisis over Iraq. Washington, DC.

Guicherd, Catherine (1999): International Law and the War in Kosovo. In: Survival 41, Heft 2/1999, S. 25–29.

Holbrooke, Richard (1999): To End a War. New York.

Kantner, Cathleen (2016): War and Intervention in the Transnational Public Sphere. New York.

Koschut, Simon (2016): Undoing Peace. Security Community Disintegration and Normative Change. New York.

Kitchen, Veronica M. (2010): NATO’s Out-of-area Norm from Suez to Afghanistan. In: Journal of Transatlantic Studies 8, Heft 2/2010, S. 105–117.

Loquai, Heinz (2000): Der Kosovo-Konflikt. Wege in einen vermeidbaren Krieg. Baden-Baden

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