NATO - Geschichte
Zwischen Kaltem Krieg und Globalisierung

Die frühe Geschichte der NATO ist vor allem eine der Konsolidierung der westlichen Gemeinschaft. Die Allianz diente sowohl der Abschreckung gegen den Ostblock als auch dazu, die Vereinigten Staaten in Europa präsent zu halten, der innenpolitischen Bedrohung durch den Kommunismus entgegenzuwirken und ein wiedererstarkendes Deutschland eng in ein westliches Bündnis einzubinden. In seinem Beitrag verdeutlicht. Martin Deuerlein, dass die NATO von Beginn an nicht nur der Abschreckung und Verteidigung, sondern auch der politischen Integration ihrer Mitgliedstaaten diente. Dabei war das Bündnis im Verlauf seiner Geschichte zunehmend mit globalen Verflechtungen und Herausforderungen wie der Dekolonisation konfrontiert, die auch innerhalb des Bündnisses zu Spannungen und Zielkonflikten führten. Bereits vor Ende des Kalten Krieges zeigt sich so eine vielschichtige, über den reinen Systemgegensatz von Ost und West hin ausgehende Geschichte der NATO, die sich neuen Herausforderungen immer wieder erfolgreich anpassen konnte.
Bei ihrer Gründung im April 1949 war die North Atlantic Treaty Organization, kurz NATO, ein Novum in der internationalen Politik. Zwar hatte es in der Geschichte immer wieder Nichtangriffspakte, Verteidigungsbündnisse, Ad-hoc-Koalitionen und Beistandsverträge zwischen Herrschern und Staaten gegeben. Sie wurden jedoch meist zwischen einer kleinen Anzahl von Beteiligten geschlossen, waren auf spezifische Machtkonstellationen zugeschnitten und daher selten von langer Dauer.
Doch noch nie waren solche Bündnisse oder Vereinbarungen von einer vergleichbaren Organisation flankiert worden, die die Zusammenarbeit koordiniert und verstetigt hätte. Auch wenn die Mitgliedstaaten ihre volle Souveränität und Unabhängigkeit behielten und sich nur „nach eigenem Ermessen“ zu militärischem Beistand verpflichtet hatten, waren sie mit dem Nordatlantikvertrag doch auch ein politisches Bündnis eingegangen, dessen Institutionalisierungsgrad und Aufgabenbereiche bald über den engeren militärischen Bereich hinausreichten. Mit der NATO war ein System der kollektiven Sicherheit entstanden, das nicht nur die Verteidigung nach außen organisierte, sondern auch nach innen Vertrauen erzeugte und die friedliche Austragung von Konflikten förderte.
Autor:
Dr. Martin Deuerlein ist Akademischer Rat auf Zeit am Seminar für Zeitgeschichte der Universität Tübingen.
NATO-FAQ: NATO-Infos kurz gefasst
Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was ist die NATO? Welche Länder sind Mitglieder der NATO? Wer kann dem Bündnis beitreten und wie geht das? Was ist der Bündnisfall? Die wichtigsten Fragen beantwortet unser
NATO im Wandel - Geschichte
Die Allianz diente in ihrer frühen Geschichte hauptsächlich der Abschreckung gegen den Ostblock. Dieser Beitrag zeigt auf, wie die Strukturen der NATO über den Zeitraum ihrer Geschichte gewachsen sind und sich mit wachsender Mitgliederzahl, aber auch angesichts veränderter strategischer Überlegungen ausdifferenzierten. Dabei führten Zäsuren wie das Ende des Kalten Krieges oder die neue Phase des internationalen Terrorismus zu Beginn des 21. Jahrhunderts sowie der Krieg Russlands gegen die Ukraine zu Umstrukturierungen und Veränderungen im Bündnis.
NATO - Strategiewandel
Mit dem Ende der Ost-West-Konfrontation entfiel für die NATO und ihre Mitgliedstaaten die unmittelbare Bedrohung durch einen mächtigen Gegner. Allerdings brachen verdrängte Konflikte wieder auf und es entstanden neue Risiken für die europäische wie auch die globale Stabilität. Die NATO entschied sich in dieser Situation für eine strategische Neuausrichtung. Trotz Rückschlägen wie in Afghanistan erwarb die NATO so neue strategische Fähigkeiten, die auch nach der Rückbesinnung auf ihre Kernaufgaben in Abschreckung und kollektiver Verteidigung in Folge der russischen Aggressionen in der Ukraine bedeutsam sind.
NATO - Militäreinsätze
Die NATO, 1949 als Verteidigungsbündnis gegründet, erlebte in den vergangenen Jahrzehnten einen bedeutenden Wandel von einer regionalen Verteidigungsstruktur zu einer global agierenden Ordnungsmacht. Der erste Militäreinsatz außerhalb des Bündnisgebiets erfolgte 1995 im ehemaligen Jugoslawien nach dem Ende des Ost-West-Konflikts. Die Allianz entwickelte sich zu einem „Bündnis im Einsatz“ mit Schwerpunkt auf weltweitem Krisenmanagement, begleitet von kontroversen Debatten über die Vor- und Nachteile dieser Entwicklung.
NATO - Beziehungen zu Russland
Für einen kurzen Moment hatten sich zu Beginn der 1990er Jahre die Spannungen zwischen dem Westen und der Sowjetunion bzw. Russland aufgelöst. Doch der Annäherung auf Wegen der Verhandlungen folgte bald erneut Misstrauen und Entfremdung, die spätestens seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim 2014 wieder in Gegnerschaft mündete. Dieser Beitrag beleuchtet die verschiedenen Etappen der NATO-Osterweiterung und der damit verbundenen Haltung der NATO-Mitgliedstaaten und Russlands.
Die NATO von 1949 bis 1956

Als sich der Zweite Weltkrieg in Europa und im Pazifik 1945 seinem Ende näherte, reichten die Erwartungen jedoch weit über ein Bündnis zur kollektiven Verteidigung hinaus; eine grundlegend „neue Weltordnung“ schien in greifbare Nähe gerückt. Schon im August 1941 hatten Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill in der Atlantik-Charta zentrale Prinzipien einer solchen Nachkriegsordnung festgelegt. Sie sollte auf nationaler Selbstbestimmung, Freihandel, ökonomischer Kooperation und der Schaffung eines „umfassenden und dauerhaften Systems allgemeiner Sicherheit“ beruhen. Anfang 1942 schlossen sich in der „Deklaration der Vereinten Nationen“ 24 weitere Staaten, darunter auch die Sowjetunion, diesen Prinzipien an.
Noch vor der Kapitulation Japans wurde am 26. Juni 1945 in San Francisco die Charta der Vereinten Nationen unterzeichnet. Während diese neue Organisation auf politischem Gebiet Sicherheit und Stabilität garantieren sollte, kam diese Aufgabe im Bereich der internationalen Finanz- und Handelsordnung dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank zu. Die amerikanischen Planer hatten dabei auch im wirtschaftlichen Bereich zunächst noch mit einer Teilnahme der Sowjetunion gerechnet. Ende 1945 ließ das Land die Ratifikationsfrist für die Institutionen des sogenannten Systems von Bretton Woods jedoch ohne Antwort verstreichen.
Schon gegen Ende des Zweiten Weltkrieges war immer offensichtlicher geworden, dass die Konflikte innerhalb der Anti-Hitler-Koalition deutlich zugenommen hatten. Nicht nur die Ausgestaltung einer „neuen Weltordnung“, sondern auch der Wiederaufbau Europas und vor allem die Frage nach dem Umgang mit dem besetzten Deutschland spalteten die ehemaligen Verbündeten und ließen die ideologische Konfrontation zwischen Kommunismus und Kapitalismus wieder stärker hervortreten. Auf die Frage der US-Regierung, weshalb sich die Sowjetunion einer weiteren Zusammenarbeit verweigere, antwortete George F. Kennan, Diplomat an der amerikanischen Botschaft in Moskau, im Februar 1946 in seinem berühmten Long Telegram, die sowjetische Führung fühle sich inzwischen durch Großbritannien und die USA bedroht und rechne mit einem Konflikt um die Vormachtstellung in Europa und die Kontrolle der Weltwirtschaft. (1)
Obwohl die stetige Verschlechterung der Ost-West-Beziehungen Ende der 1940er Jahre ein wichtiges Motiv zur Gründung der NATO darstellen sollte, war sie von Beginn an doch mehr als ein reines, gegen die Sowjetunion gerichtetes Verteidigungsbündnis. Die verschiedenen, miteinander verwobenen Motive zu ihrer Gründung hat ihr späterer Generalsekretär (1952–1957) Lord Hastings Lionel Ismay noch vor seinem Amtsantritt in dem berühmten Zitat zusammengefasst, es müsse aus Sicht der Westeuropäer darum gehen „to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down“. (2)
![Lord Hastings Lionel Ismay: „ [NATO was created] to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down“. Lord Hastings Lionel Ismay: „ [NATO was created] to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down“.](/fileadmin/_processed_/a/d/csm_NATO_Zitat_Ismay_1200_a92aff3108.webp)
Denn besonders aus französischer Sicht spielte die Angst vor einem Wiedererstarken Deutschlands weiterhin eine wichtige Rolle in den Überlegungen zu einer neuen europäischen Sicherheitsordnung. Im März 1947 schloss das Land mit Großbritannien im Dünkirchener Vertrag einen Beistandspakt gegen eine erneute deutsche Aggression. Ein Jahr später traten im Brüsseler Pakt die Beneluxstaaten diesem nun Westunion genannten Bündnis bei und verpflichteten sich damit nicht nur zur ökonomischen Zusammenarbeit und friedlichen Konfliktbeilegung, sondern auch zur kollektiven Selbstverteidigung gegen jeden potenziellen Angriff auf eines ihrer Mitglieder. Auch wenn die Gefahr einer „neuen deutschen Aggressionspolitik“ noch explizit erwähnt wurde, hatte sich die Stoßrichtung damit bereits in Richtung einer neuen militärischen Bedrohung durch die Sowjetunion verschoben.
Gleichzeitig waren mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges diejenigen Stimmen in den Vereinigten Staaten wieder lauter geworden, die eine Rückkehr des Landes zur traditionellen Politik des Isolationismus forderten. In westeuropäischen Ländern löste diese Entwicklung große Besorgnis aus, da vor allem Großbritannien und Frankreich inzwischen erkennen mussten, dass ihre weltpolitische Bedeutung stark abgenommen hatte und die Sicherheit Europas nur noch mit Unterstützung der USA gewährleistet werden konnte. Ein gemeinsames Verteidigungsbündnis sollte deshalb auch dazu dienen, die Vereinigten Staaten in Europa präsent zu halten und so die dortigen Demokratien nicht nur nach außen, sondern auch nach innen gegen die Bedrohung durch den Kommunismus zu verteidigen.
Allerdings setzten sich in den USA bald jene Stimmen durch, die sich gegen Isolationismus und für eine neue weltpolitische Rolle des Landes aussprachen. Im März 1947 verkündete US-Präsident Harry Truman angesichts des Bürgerkrieges in Griechenland die nach ihm benannte Doktrin: Jede Nation müsse in Zukunft zwischen Demokratie und Kommunismus wählen; die USA böten allen „freien Völkern“ ihre Unterstützung an. Denn in Washington ging man inzwischen davon aus, dass eine weitere Kooperation mit der Sowjetunion unmöglich war, ein direkter Konflikt aber vermieden werden sollte. Die ideologische, politische wie militärische Expansion des Kommunismus sollte deshalb eingedämmt werden (Strategie des Containment), indem nicht nur die militärische Verteidigungsfähigkeit, sondern auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Widerstandskraft demokratischer Staaten gestärkt werden sollte.
Zur US-Strategie der Eindämmung gehörte ein weltweites Netz von regionalen Militärbündnissen, von denen jedoch nur die NATO dauerhaft Bestand haben sollte. (3) Zur Strategie der Eindämmung gehörte aber auch der im Juni 1947 aufgelegte Marshallplan, mit dem der Wiederaufbau Europas unterstützt werden sollte, um die dortigen Demokratien zu stabilisieren und sie weniger anfällig gegen den Kommunismus zu machen – die Sowjetunion hatte Staaten in ihrem Einflussbereich die Teilnahme an diesem Programm untersagt. Im September 1947 antwortete KPdSU-Parteisekretar Andrej Ždanov mit der These, die Welt sei jetzt in „zwei Lager“ geteilt: ein imperialistisches, antidemokratisches und kapitalistisches Lager und ein antiimperialistisches, demokratisches und sozialistisches Lager. Damit waren nicht nur die Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion, sondern auch der Wiederaufbau Europas in den Sog jener ideologischen und weltpolitischen Konfrontation geraten, die bald als „Kalter Krieg“ bezeichnet wurde.
1948 rückte mit dem kommunistischen Umsturz in der Tschechoslowakei im Februar und der Berlin-Blockade im Juni neben der innenpolitischen auch die direkte militärische Bedrohung durch die Sowjetunion und ihre Verbündeten immer stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Im März 1948 begannen zwischen dem Vereinigten Königreich, Kanada und dem US-Außenministerium Beratungen über einen wechselseitigen Beistandspakt. Im Juni gab der US-Senat mit der „Vandenberg-Resolution“ seinen traditionellen Widerstand dagegen auf, dass sich die USA in Friedenszeiten an regionalen Verteidigungsbündnissen beteiligen durften. Am 4. April 1949 konnte schließlich in Washington, D.C. der Nordatlantikpakt unterzeichnet werden. In diesem auch als „Washingtoner Vertrag“ bekannten Gründungsdokument der NATO verpflichteten sich Belgien, Dänemark, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Island, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal sowie Kanada und die Vereinigten Staaten, Konflikte mit friedlichen Mitteln beizulegen und durch die Förderung freier Institutionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit zur Entwicklung freundschaftlicher internationaler Beziehungen beizutragen. Die NATO sollte damit ausdrücklich auf die Grundsätze der Vereinten Nationen aufbauen, deren Charta in Artikel 51 jedem Mitgliedsstaat das Recht auf „individuelle und kollektive Selbstverteidigung“ garantierte.
Dieses Recht wollten die unterzeichnenden Staaten nun im Rahmen der NATO gemeinsam wahrnehmen und verpflichteten sich in Artikel 4 des Nordatlantikvertrags, einander im Falle einer Bedrohung ihrer Sicherheit, ihres Territoriums oder ihrer politischen Unabhängigkeit zu konsultieren. Der zentrale Artikel 5 sah schließlich vor, dass die Parteien einen bewaffneten „Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als Angriff gegen sie alle“ ansehen würden. Sie gelobten, sich bei der Ausübung ihres Rechts auf Selbstverteidigung Beistand zu leisten – der US-Kongress hatte allerdings auf seinem Recht bestanden, Kriege zu erklären und deshalb durchgesetzt, dass es keine automatische Beistandsverpflichtung gab, sondern jeder Staat diejenigen Maßnahmen ergreifen sollte, die er in einem solchen Fall „für erforderlich“ erachtete.(4)
Trotz der bereits bestehenden Spannungen im Ost-West-Verhältnis war die weitere Entwicklung des Bündnisses zum Zeitpunkt seiner Gründung noch nicht eindeutig vorgezeichnet. Die Zündung der ersten sowjetischen Atombombe im August 1949 sowie der Ausbruch des Koreakrieges im Juni 1950 trieben die militärische und politische Integration der NATO jedoch bald voran, die anfangs eher einen losen Staatenbund als eine handlungsfähige Organisation dargestellt hatte: 1951 wurde eine integrierte Kommandostruktur eingerichtet, erster Oberbefehlshaber (SACEUR) wurde US-General Dwight D. Eisenhower. Ab 1952 verfügte die NATO über ein dauerhaftes militärisches Hauptquartier (Supreme Headquarters of Allied Powers in Europe, SHAPE) in Paris, wo nun auch das Generalsekretariat und der Nordatlantikrat als politisches Leitungsgremium angesiedelt waren. Noch im selben Jahr wurden mit Griechenland und der Türkei zwei Mitgliedstaaten von der „Südflanke“ des Bündnisses in die NATO aufgenommen.

Die Entwicklungen von 1949/50 hatten zudem deutlich werden lassen, was die US-Regierung aus militärischen wie finanziellen Gründen schon länger gefordert hatte: Die Verteidigung Westeuropas machte nicht nur eine weitere Integration der NATO, sondern auch einen militärischen Beitrag Westdeutschlands notwendig. Besonders in Frankreich gab es jedoch noch starke Vorbehalte gegen eine Wiederbewaffnung der im Mai 1949 gegründeten Bundesrepublik. Der französische Ministerpräsident René Pleven schlug deshalb im Oktober 1950 vor, die Errichtung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft in den Prozess der politischen Integration Europas einzubinden und westdeutsche Streitkräfte damit in einer gemeinsamen westeuropäischen Armee unter das Oberkommando der NATO zu stellen. Im August 1954 scheiterte der EVG-Vertrag jedoch in der französischen Nationalversammlung und damit auch alle Bemühungen um eine eigenständige europäische Integration im Bereich der Verteidigung. Die NATO erschien jetzt nicht nur als die einzige Organisation, die eine kollektive Verteidigung Westeuropas organisieren konnte, sondern auch als der beste Weg zur militärischen Integration der Bundesrepublik in das westliche Bündnis. Das war auch der Ansatz der Bundesregierung unter Konrad Adenauer, der durch die politische, militärische und wirtschaftliche Westbindung Demokratisierung und den Wiederaufbau vorantreiben und die Bundesrepublik gleichzeitig als souveränes Mitglied in die internationale Staatengemeinschaft zurückführen wollte.
Nach dem Scheitern der EVG wurden Anfang Oktober 1954 auf der Londoner Neunmächtekonferenz Alternativen verhandelt und die Pariser Verträge vorbereitet, die neben der Beendigung des Besatzungsstatuts auch einen Beitritt der Bundesrepublik zur NATO und zum Brüsseler Pakt vorsahen, der nun unter Einschluss Italiens zur Westeuropäischen Union erweitert wurde. (5) Nachdem die Pariser Verträge am 5. Mai 1955 in Kraft getreten waren, unterzeichnete Adenauer am 9. Mai – einem symbolischen Datum zehn Jahre nach der deutschen Kapitulation – in Paris die Beitrittsurkunde der Bundesrepublik zum Nordatlantikpakt. (6) Fünf Tage später riefen die Sowjetunion und ihre Verbündeten den Warschauer Pakt ins Leben, dem auch die DDR beitrat. Im November 1955 wurde die Bundeswehr, im Januar 1956 die Nationale Volksarmee aufgestellt – die militärische Konfrontation der beiden Blöcke auf deutschem Boden hatte einen neuen Höhepunkt erreicht.
Die Integration des westlichen Bündnisses

Neben ihrer Abschreckungs- und Verteidigungsfunktion sollten beide Bündnisse jedoch auch der politischen Integration ihres jeweiligen politischen Lagers dienen, was der NATO letztlich deutlich erfolgreicher gelang als dem Warschauer Pakt. Schon seit ihrer Gründung hatten Politikerinnen und Politiker aus den Mitgliedstaaten immer wieder betont, sie seien für ihre Sicherheit und Verteidigung wechselseitig aufeinander angewiesen. Als mit der Intensivierung des Kalten Krieges in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre über eine stärkere politisch-militärische Integration des Bündnisses und eine Ausweitung seiner Aufgaben nachgedacht wurde, gewann diese Rhetorik noch an Bedeutung. Nach einem Treffen in Washington erklärten US-Präsident Eisenhower und der britische Premier Harold Macmillan im Oktober 1957, Vereinbarungen zur kollektiven Verteidigung basierten auf der Anerkennung der Tatsache, dass das Konzept der „nationalen Autarkie“ mittlerweile überholt sei. Die „Nationen der freien Welt“ könnten nur durch die Zusammenlegung ihrer Ressourcen Fortschritt und Sicherheit gewährleisten. (7)
Diese wechselseitige Abhängigkeit ging aus Sicht von Zeitgenossen jedoch weit über den Bereich der engeren Sicherheitspolitik hinaus. Im Kontrast zu v.a. in Frankreich verbreiteten Ideen, Europa könne sich alleine verteidigen, betonte besonders US-Außenminister John Foster Dulles immer wieder, angesichts der „monolithischen, aggressiven Kraft“ des „internationalen Kommunismus“ könnten die „freien Nationen“ die „Vorzüge ihrer Unabhängigkeit“ nur durch ihre militärische, ökonomische und politische Zusammenarbeit, kurz durch das Einüben einer „Praxis der Interdependenz“ erhalten.(8) Immer wieder wurde die NATO in solchen Reden als die militärisch-politische Organisation der „westlichen Zivilisation“ beschworen. Und in der Tat beruhte der Zusammenhalt der NATO nicht nur auf einem gemeinsamen Gegner; im Laufe der Jahre bildete sich durch verstetigte Kooperation auch zunehmend jene „Wertegemeinschaft“ heraus, als die die NATO heute verstanden wird und die entscheidend zur Entstehung „des Westens“ als einem kulturellen und sozialen Raum beitrug. (9)
Demokratie und Dekolonisation – Neue Perspektiven auf die frühe NATO
Allerdings war diese „Wertegemeinschaft“ anders als manchmal dargestellt eher Ergebnis als Ausgangspunkt der Zusammenarbeit im Rahmen der NATO. Denn obwohl die Präambel des Nordatlantikpakts alle Mitglieder auf die Wahrung von „demokratischen Grundsätzen, […] individuellen Freiheiten und der Herrschaft des Rechts“ verpflichtet hatte, war die NATO kein reines Bündnis demokratischer Staaten. Mit Portugal war wegen seiner strategisch bedeutenden Militärbasen auf den Azoren schon bei der Gründung ein bis 1974 diktatorisch regiertes Land beteiligt. In der 1952 aufgenommenen Türkei kam es immer wieder zu Militärputschen. Griechenland wurde von 1967 bis 1974 von einer Militärdiktatur regiert, ohne dass die NATO-Mitgliedschaft dieser Länder je ernsthaft in Frage gestanden hätte. Denn im Zweifel wurden strategische meist vor politisch-moralische Überlegungen gestellt. (10)
Das galt streckenweise auch für eine zweite Gründungshypothek der NATO, die bis heute oft übersehen wird: 1949 waren nicht nur Portugal, sondern auch Dänemark, Belgien und besonders Frankreich und Großbritannien Kolonialmächte, die zum Teil noch über ausgedehnte Gebiete vor allem in Afrika verfügten, die sie ebenfalls in die NATO eingliedern wollten. Denn der britische Außenminister Ernest Bevin ging davon aus, nur durch die Mobilisierung ihrer kolonialen Ressourcen könnten die Westeuropäer bei Bevölkerungsstärke und Produktionskapazitäten der Sowjetunion Paroli bieten. (11) Umgekehrt hofften vor allem Frankreich und Belgien, die NATO-Verbündeten würden ihnen bei der Verteidigung ihrer kolonialen Besitzungen gegen kommunistisch unterstützte Unabhängigkeitsbewegungen beistehen. Die Aufnahme der europäischen Kolonien in das NATO-Bündnisgebiet wurde deshalb im Vorfeld des Washingtoner Vertrages kontrovers diskutiert.
Doch die Weltlage hatte sich inzwischen grundlegend verändert: Die zwischenzeitliche japanische Eroberung von europäischen Kolonien in Asien hatte die Behauptung europäischer Überlegenheit untergraben, der Kampf gegen den Nationalsozialismus die Widersprüche entlarvt, die zwischen antirassistischer Propaganda und der Realität in Kolonialreichen oder der US-Gesellschaft bestanden. Vor allem die Vereinigten Staaten wollten die europäischen Kolonialmächte keinesfalls bei dem Versuch unterstützen, ihre überseeischen Besitzungen gegen den Trend der Dekolonisierung zu halten. Denn dies hätte nicht nur einen Nachteil im globalen Wettbewerb um die „Köpfe und Herzen“ der Menschen in diesen Regionen bedeutet, (12) sondern lenkte aus Sicht der USA die Europäer auch von ihrer zentralen Aufgabe ab: dem Kampf gegen den Kommunismus in Europa selbst.
Ergebnis war zunächst ein Kompromiss: Der Washingtoner Vertrag beschränkte das Bündnisgebiet auf die Hoheits- und Besatzungsgebiete der Vertragsparteien in Europa und Nordamerika sowie auf Inseln im nördlichen Atlantik, schloss in Artikel 6 aber explizit „die algerischen Departments Frankreichs“ mit ein. (13) Auch NATO-Pläne zur Verteidigung Europas betrachteten während der 1950er Jahre Nordafrika ganz selbstverständlich als strategisches Hinterland. Schon aus diesen Gründen wird die Allianz bis heute gelegentlich als Bündnis zwischen den europäischen Kolonialmächten und den USA kritisiert, das die globale Überlegenheit der Weißen aufrechterhalten sollte. (14)
Allerdings war die Haltung der NATO und besonders der USA zur Dekolonisation im Laufe der 1950er Jahre nicht eindeutig, sondern richtete sich danach, welche Strategie der Eindämmung des Kommunismus jeweils besser zu dienen schien. Ab 1950 unterstützten die Vereinigten Staaten Frankreich bei dem Versuch, seine Kolonie in Indochina zu halten. Die NATO erklärte 1952 auch deshalb ihre moralische Unterstützung, weil so der französische Beitrag zur Verteidigung Europas sichergestellt werden sollte.
Ende der 1950er Jahre wurden angesichts der Auflösung der europäischen Kolonialreiche und der ideologischen und ökonomischen Offensive der Sowjetunion in der „Dritten Welt“ Forderungen laut, die Mitglieder des nordatlantischen Bündnisses müssten die Allianz zu einer global agierenden Gemeinschaft ausbauen. So unterschiedliche Akteure wie der britische Feldmarschall Bernard Montgomery oder der französische Präsident Charles de Gaulle argumentierten 1958, der Kommunismus stellte eine weltweite Bedrohung dar, auf die die NATO-Mitglieder mit einer globalen Antwort reagieren müssten. (15) Dafür wollten manche die Allianz zu einer zentralen Koordinationsinstanz etwa im Bereich der Entwicklungspolitik ausbauen; Staaten mit Kolonien wie Belgien forderten eine stärker politische, logistische und finanzielle Unterstützung der NATO bei Militäreinsätzen auch außerhalb des Bündnisgebiets (out of area). Unter anderem die britische Regierung war dagegen der Meinung, eine stärkere Rolle der NATO würde ihre Politik vor allem in Afrika eher behindern, da das Bündnis dort als imperialistische Organisation gesehen werde. 1959 wurden Diskussionen um einen Einsatz der NATO in Afrika in ein Expertenkomitee verlagert, das strategisch und politisch folgenlos blieb. (16)
Forderungen nach einer räumlichen Ausweitung der NATO-Aufgaben waren auch eine direkte Antwort auf eine der ersten schweren Krisen des westlichen Bündnisses. Im Oktober 1956 hatten Großbritannien und Frankreich zusammen mit Israel militärisch interveniert, nachdem der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser zuvor den Sues-Kanal verstaatlich hatte. Die Regierung in Washington war im Vorfeld nicht über diesen Schritt unterrichtet worden und stellte jetzt die Sorge vor einer Eskalation des Konflikts und seinen Auswirkungen auf das Ansehen des Westens vor die britisch-französischen Interessen. Sie nutzte daher diplomatischen und ökonomischen Druck, um gemeinsam mit der Sowjetunion einen Abzug der Interventionstruppen zu erzwingen. Die britisch-französische Offensive verlor so den Rückhalt ihres wichtigsten Partners und damit auch jegliche Legitimation vor der Weltöffentlichkeit.
Die NATO in den Krisen und Konflikten des Kalten Krieges, 1956–1969

Die Sues-Krise war jedoch nur einer von zahlreichen Konflikten, die sich im Laufe der Geschichte der NATO mehrfach auch intern krisenhaft zuspitzten, letztlich jedoch immer wieder erfolgreich überwunden werden konnten. Noch Anfang der 1960er Jahre konnte sich das Bündnis in einigen der schwersten Krisen des Kalten Krieges erfolgreich bewähren: Sowohl beim Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 als auch während der Kuba-Krise im Oktober 1962 hatten die NATO-Partner ihre Standfestigkeit unter Beweis gestellt.
Im Laufe der 1960er Jahre nahmen die inneren Spannungen im Bündnis jedoch zu. Während Großbritannien aus der Sues-Krise den Schluss gezogen hatte, seine Außenpolitik von nun an eng mit den USA abzustimmen, war das Verhältnis Frankreichs zu den Vereinigten Staaten und zur NATO schwer belastet. Präsident Charles de Gaulle versuchte ab 1959, den französischen Einfluss im Bündnis zu erhöhen und trieb gleichzeitig die Entwicklung eigener Atomwaffen voran. Nachdem de Gaulle Ende 1965 als Präsident wiedergewählt worden war, setzte er eine grundlegende Umstellung der französischen Verteidigungspolitik in Gang. Nachdem die USA und Kanada es abgelehnt hatten, ihre in Frankreich stationierten Einheiten unter französisches Kommando zu stellen, forderte de Gaulle am 10. Februar 1966 unter Berufung auf die „volle französische Souveränität“ den Abzug der alliierten Truppen und des militärischen NATO-Hauptquartiers aus Frankreich. Gleichzeitig erklärte er den Rückzug aus der militärischen Integration des Bündnisses, versicherte jedoch, Frankreich werde seine Beistandsverpflichtungen weiter erfüllen. Die Militärführung der NATO wurde daraufhin in das belgische Mons verlegt, auf Druck der USA zogen 1967 auch ihre politische Strukturen nach Brüssel um. Gleichzeitig konnte nach dem Ausscheiden Frankreichs die Integration der NATO-Streitkräfte weiter vorangetrieben werden; die Stabschefs aller Mitgliedstaaten kommen seit 1966 in einem gemeinsamen Militärausschuss zusammen.
Neben wiederholten Debatten um die Finanzierung der NATO-Aufgaben stellte auch die Frage nach der angemessenen Militärstrategie der NATO, besonders im Bereich der nuklearen Abschreckung, ein beständiges Konfliktthema im hier betrachteten Zeitraum dar. Das erste militärische Konzept der NATO von 1950 folgte der „Vorwärtsstrategie“, die einem sowjetischen Angriff auf das Bündnisgebiet so weit östlich wie möglich mit konventionellen Streitkräften begegnen sollte. (17) Im Mai 1957 übernahm die Allianz die zuvor in den USA eingeführte Strategie der „Massiven Vergeltung“, die einen sowjetischen Angriff auf Westeuropa durch die Androhung eines umfangreichen nuklearen Vergeltungsschlags abschrecken sollte. (18)
Anfang der 1960er Jahre hatte sich die Situation jedoch grundlegend geändert. Die Sowjetunion verfügte inzwischen über nukleare Interkontinentalraketen, die auch US-Gebiet erreichen konnten. Ein „Gleichgewicht des Schreckens“ begann sich zu etablieren und die „Strategie der Massiven Vergeltung“ damit ihre Abschreckungswirkung einzubüßen. Die Kubakrise hatte zudem die Gefahren einer ungewollten nuklearen Eskalation nur allzu deutlich werden lassen. Die Vereinigten Staaten führten deshalb schon 1962 die Strategie der Flexible Response ein, die fünf Jahre später auch von der NATO übernommen wurde. Diese sah vor, je nach Art eines Angriffs mit einer Reihe von Optionen zu reagieren, zu der auch konventionelle Streitkräfte gehörten, und im Laufe eines Konflikts bei Bedarf weiter zu eskalieren. (19)
Nun fürchteten die europäischen Verbündeten jedoch, die USA könnten im Falle eines konventionellen Angriffs auf Westeuropa nicht mehr bereit sein, ihr eigenes Territorium durch einen nuklearen Gegenschlag in Gefahr zu bringen. Dies betraf besonders die Bundesrepublik, die auch in der Standing Group – dem damals wichtigsten militärischen Planungsgremium der NATO – nicht vertreten war. Vor allem Verteidigungsminister Franz Josef Strauß stellte Anfang der 1960er Jahre öffentlich Überlegungen an, ob die Bundesrepublik nicht eigene Nuklearwaffen beschaffen müsse, was alte Ängste vor einer nuklearen Aufrüstung Deutschlands neu entfachte. Um dieses Dilemma aufzulösen, schlug die Kennedy-Regierung 1963 vor, eine Multilateral Force aus mit einer internationalen NATO-Mannschaft besetzten U-Booten aufzustellen, die der nuklearen Abschreckung dienen sollten. Nachdem diese Pläne gescheitert waren, wurde Ende 1966 die Nukleare Planungsgruppe eingerichtet, in der nun auch die Bundesrepublik ein Mitspracherecht bei der Formulierung der NATO-Nuklearstrategie hatte.
Wie auch dieses Beispiel zeigt, konnten solche internen Krisen jedes Mal erfolgreich überwunden werden. Dazu trug vor allem die Flexibilität der organisatorischen Struktur der NATO bei, die sich immer wieder an veränderte Rahmenbedingungen anpassen konnten. 1969 wurde trotz aller Schwierigkeiten der zunächst auf zwanzig Jahre angelegte Nordatlantikpakt auf unbestimmte Zeit verlängert.
Die NATO und die neuen Herausforderungen der 1970er Jahre

Von der Forschung ist die NATO während der Zeit des Kalten Krieges lange als ein „klassisches, eindimensionales Verteidigungsbündnis“ mit engem Sicherheitsbegriff dargestellt worden, das den politischen Status quo in Europa sichern sollte. (20) Erst nach 1989/90 habe die veränderte weltpolitische Situation dazu geführt, dass die NATO nicht nur neue Mitglieder aufgenommen, sondern sich auch neuer Themen wie Energie-, Umwelt- oder wirtschaftlicher Sicherheit und neuer Bedrohungslagen, etwa durch Terrorismus, nukleare Proliferation oder Cyberattacken angenommen habe. Eine genauere Betrachtung der Geschichte der NATO zwischen 1949 und 1991 zeigt jedoch, dass es bereits während der ersten vier Jahrzehnte ihrer Existenz zumindest ansatzweise Versuche gab, die NATO zu einem über die reine Verteidigung hinausgehenden Bündnis zu machen, das sich bald auch mit grenzüberschreitenden Problemen wie Umweltverschmutzung befassen sollte.
Zentrale Voraussetzung für diese Veränderungen war eine Phase der Entspannung zwischen den beiden Blöcken des Kalten Krieges. Schon nach dem Tod Stalins hatte dessen Nachfolger Nikita Chruščev im Februar 1956 die Doktrin der „friedlichen Koexistenz“ ausgerufen, nach der die beiden Systeme auf friedliche Weise konkurrieren sollten, indem sie die Vorzüge ihrer jeweiligen Gesellschaftsordnung unter Beweis stellten. Doch erst nachdem die Kubakrise die Welt an den nuklearen Abgrund geführt hatte, begannen die beiden Supermächte, gemeinsame Initiativen wie ein partielles Verbot von Nuklearwaffenversuchen (1963) und einen Atomwaffensperrvertrag (1968) zu verfolgen.
Auch die NATO musste auf diese Veränderungen reagieren. Ein vom belgischen Außenminister Pierre Harmel angestoßener „Bericht über die künftigen Aufgaben der Allianz“ stellte 1967 fest, die NATO habe zwei Hauptfunktionen: Erstens Abschreckung und Verteidigung des Bündnisgebiets und zweitens die Förderung von Beziehungen, mit denen grundlegende politische Fragen gelöst werden konnten. Militärische Sicherheit und eine Politik der Entspannung stellten in dieser Perspektive keine Widersprüche dar, sondern ergänzten sich gegenseitig. Denn nur durch kollektive Verteidigung könnten Europa und die Welt so stabilisiert werden, dass eine wirkliche Politik der Entspannung möglich sei. Sicherheit war in dieser Formel Verteidigung plus Entspannung. (21)
Auch wegen der Stabilisierung der Lage in Europa hatte sich die Konfrontation zwischen den beiden Blöcken inzwischen jedoch in die sogenannte „Dritte Welt“ verlagert, wo die Auflösung der europäischen Kolonialreiche Ende der 1960er Jahre nahezu abgeschlossen war. Damit kamen nun erneut Forderungen nach einer „globalen NATO“ auf; auch der Harmel-Bericht hielt fest, das Gebiet des Nordatlantikvertrags könne „nicht getrennt von der übrigen Welt behandelt werden“. Nun waren es jedoch die Vereinigten Staaten, die wegen des Krieges in Vietnam ein stärkeres militärisches Engagement ihrer europäischen Verbündeten außerhalb des Bündnisgebiets forderten. Die europäischen Mitgliedstaaten, die inzwischen kaum noch über Kolonialbesitz verfügten und deren Sicherheitsinteressen damit inzwischen selbst im britischen Fall weit weniger global waren, befürchteten jedoch eine unkontrollierbare Eskalation des Ost-West-Konflikts und fordern umgekehrt mehr Mitsprache und Beteiligung im Bündnis. Auch Portugal, die letzte verbliebene europäische Kolonialmacht in Afrika, wurde Anfang der 1970er Jahre nicht in dem gewünschten Ausmaß bei dem Versuch unterstützt, Unabhängigkeitsbewegungen niederzuschlagen. (22)
Erfolgreicher waren dagegen Bemühungen, die NATO von einer rein militärischen zu einer politischen Institution zu transformieren, die sich auch neuer Problemlagen annehmen sollte, mit deren Lösung einzelne Mitgliedstaaten überfordert waren. Besonders die 1970er Jahre werden heute als Zeit vielfältiger Umbruchsprozesse betrachtet, zu denen die rasante Zunahme globaler Verflechtungen in einem „Zeitalter der Interdependenz“ gehörte. (23) Nach den Protestbewegungen der 1960er Jahre nahmen nun vor allem die Friedens- und Umweltbewegung an Fahrt auf, womit sich nicht nur eine gesteigerte Aufmerksamkeit für „neue Probleme“ wie Umweltverschmutzung, sondern auch wachsende zivilgesellschaftliche Kritik an der NATO selbst verband.
Gleichzeitig war auch das transatlantische Verhältnis zwischen den USA und ihren europäischen Verbündeten Anfang der 1970er Jahre nicht das Beste; generell zeigte die Allianz immer dann Tendenz zur internen Fragmentierung, wenn Spannungen im Ost-West-Verhältnis abnahmen. Denn die Europäer befürchteten nun, die USA könnten etwa im Bereich der nuklearen Rüstungskontrolle Abkommen mit der Sowjetunion schließen, die ihre eigenen Interessen übergingen, während die die US-Regierung europäische Initiativen wie die „neue Ostpolitik“ Willy Brandts zunächst mit Argwohn beäugte und davor warnte, die Westeuropäer könnten sich durch ihren neuen Enthusiasmus für wirtschaftliche Kooperation mit dem Ostblock politisch erpressbar machen.

Auch die NATO konnte solche Entwicklungen nicht ignorieren, war eine breite Unterstützung in den Bevölkerungen der Mitgliedstaaten doch auch wichtig für eine glaubwürdige Abschreckung. Im April 1969 schlug US-Präsident Richard Nixon auf der Zwanzigjahrfeier des Bündnisses die Errichtung eines zivilen Standbeins vor, das die Ressourcen der Mitgliedstaaten bündeln sollte, um Wege zu finden, wie die Lebensqualität ihrer Bürgerinnen und Bürger erhöht werden könne. (24)
Ziel der Nixon-Administration war es, die friedlichen Absichten der NATO unter Beweis zu stellen, ihre Strukturen zur Bewältigung neuer Herausforderungen zu nutzen, dabei Zusammenarbeit zwischen den transatlantischen Verbündeten, aber auch mit anderen Staaten zu fördern und vor allem, die Unterstützung für die Allianz auch in der US-Bevölkerung zu erhöhen. Das Bündnis hatte sich für diese Initiative angeboten, weil es nicht nur eine der wenigen Institutionen des gesamten „Westens“ war, sondern auch, weil es bereits seit der Gründung eines eigenen Wissenschaftskomitees 1958 neben der militärischen und politischen über eine „dritten Dimension“ der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit verfügte und sich u. a. bereits mit ozeanographischen und meteorologischen Fragen auseinandergesetzt hatte.
Viele europäische Verbündete, insbesondere Großbritannien, waren zwar skeptisch, fürchteten sie doch eine Verschwendung von Ressourcen durch die Duplizierung von bereits im Rahmen der UNO oder OECD stattfindenden Bemühungen. Schon wegen des amerikanischen Drucks stimmten schließlich aber doch alle der Einrichtung des Committee on the Challenges of Modern Society zu, das Ende 1969 seine Arbeit aufnahm. Die Bundesrepublik engagierte sich nach anfänglicher Zurückhaltung unter Leitung von Ralf Dahrendorf stark in dessen Projekten, die sich mit Themen wie Luft- und Wasserverschmutzung, Katastrophenhilfe, aber auch Verkehrssicherheit befassten. Dabei wurden durchaus neue Themen auf die Tagesordnung gesetzt und ein engerer Austausch von Expertinnen und Experten erreicht, auch wenn die Mitgliedstaaten nicht verpflichtet waren, entsprechende Empfehlungen umzusetzen. (25)
Von der Krise der Entspannung zum Ende des Kalten Krieges, 1979–1991

Solche Versuche, die NATO in Richtung neuer Themen und Probleme auszurichten, traten allerdings wieder in den Hintergrund, als Ende der 1970er Jahre die Entspannung zwischen Ost und West in eine Krise geriet. Dabei hatten neben wachsenden Konflikten in der „Dritten Welt“ mehrere Faktoren zu einer Negativspirale wechselseitig eskalierender Bedrohungswahrnehmungen beigetragen. Im Oktober 1977 hatte Bundeskanzler Helmut Schmidt darauf aufmerksam gemacht, dass die Sowjetunion nukleare Mittelstreckenraketen (SS-20) in Osteuropa aufgestellt hatte, was erneut Sorge vor einer nuklearen „Abkoppelung“ der Europäer vom amerikanischen Abschreckungsschirm auslöste. Ein Vorschlag der Regierung Carter, Pershing-Raketen in Westeuropa zu stationieren, führte in Europa jedoch zu heftigen gesellschaftlichen Protesten gegen diese „Nachrüstung“. Der im Dezember 1979 vom NATO-Rat verabschiedete „Doppelbeschluss“ sah schließlich vor, der Sowjetunion ein Verhandlungsangebot zu machen, jedoch selbst entsprechend aufzurüsten, wenn es bis 1983 nicht zu einer Lösung kommen sollte.
Nachdem die Sowjetunion in diesem angespannten Klima Ende 1979 in Afghanistan einmarschiert war, deuteten besonders die USA diese eigentlich defensiv motivierte Aktion als Beginn eines neuen sowjetischen Expansionismus. (26) Die Wahl Ronald Reagans zum US-Präsidenten im November 1980 und die Verhängung des Kriegsrechts in Polen im Dezember 1981 führten zu einer stetigen Verschlechterung der Ost-West-Beziehungen, sodass Zeitgenossen bald von einem „Zweiten Kalten Krieg“ sprachen.
Erst als der im März 1985 zum Generalsekretär der KPdSU gewählte Michail Gorbačev ab 1986 eine gesellschaftliche Öffnung und Reformen einleitete (Glasnost und Perestroika), zu denen auch ein Wandel der sowjetischen Außenpolitik gehörte, kam es zu einer Wiederannäherung zwischen Ost und West. Ende 1987 konnte etwa im INF-Vertrag der Konflikt um nukleare Mittelstreckenraketen in Europa beigelegt werden.
Die NATO-Partner waren zunächst jedoch uneins, wie sie auf die neue Situation reagieren sollten. Noch im Mai 1989 zogen sie eine weitere Modernisierung ihrer nuklearen Kurzstreckenraketen in Betracht, falls die neue Annäherung zwischen Ost und West keinen Bestand haben sollte. Doch wurden solche Überlegungen bald von den Ereignissen überholt: Nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 bekundete die NATO in ihrer Londoner Erklärung vom 6. Juni 1990, dass sie die Staaten des Warschauer Paktes nicht länger als Gegner betrachtete und schlug einen gegenseitigen Gewaltverzicht vor. Im November 1990 erklärte die KSZE-Charta von Paris das „Zeitalter der Konfrontation und der Teilung Europas“ für beendet. Im November 1991 verabschiedete die NATO ein neues strategisches Konzept, das die Sicherheit Europas vor allem durch Partnerschaft und Kooperation mit ehemaligen Gegnern sicherstellen wollte (vgl. hierzu auch den Beitrag von Sven B. Gareis in dieser Ausgabe).
Fazit und Ausblick
Das Ende des Kalten Krieges stürzte die NATO in eine Sinn- und Legitimitätskrise. Mit der Auflösung des Warschauer Pakts im Juli und dem Ende der Sowjetunion im Dezember 1991 schien der Existenzzweck des Bündnisses weggefallen zu sein. Anfang der 1990er Jahre wurde der NATO damit ihr baldiges Ende prophezeit, worauf sie mit der Ankündigung reagierte, sich selbst reformieren und ihre politische Komponente stärken zu wollen.
Allerdings sollte sich bald herausstellen, dass das Ende des Kalten Krieges nur das Ende der „ersten NATO“ bedeutete, der bis heute mindestens drei weitere Phasen gefolgt sind. (27) Denn erstens stellte sich bald heraus, dass die Welt nach dem Ende des Kalten Krieges nicht so friedlich war wie zunächst erhofft. Im Gegenteil, besonders die Kriege auf dem Balkan machten ab 1991 das Gewaltpotenzial ethnischer Spannungen auch innerhalb Europas deutlich und führten zu einer neuen Rolle der Allianz bei friedenssichernden und friedenserzwingenden Maßnahmen. Besonders die USA trieben eine Reform der NATO voran, die in solchen Konflikten und Krisenfällen nun erstmals auch out of area militärisch eingriff – mit (Bosnien 1995) oder ohne (Kosovo 1999) Mandat der UNO (vgl. hierzu auch den Beitrag von Simon Koschut in dieser Ausgabe).
Zweitens hatte ihr damaliger Generalsekretär Manfred Wörner die NATO schon 1989 als „Hebamme des Wandels“ beschrieben, die sich schnell bemühte, partnerschaftliche Beziehungen zu ihren ehemaligen Gegnern in Mittel- und Osteuropa aufzubauen. (28) Indem sie die neuen Demokratien und Mittel- und Osteuropa ab 1999 in die transatlantische Sicherheitsarchitektur integrierte, trug die NATO dazu bei, eine neue gesamteuropäische Sicherheitsordnung zu etablieren und die politische Transformation ehemals sozialistischer Staaten zu unterstützen.
Drittens wurde nach den terroristischen Anschlägen vom 11. September 2001 erstmals der Bündnisfall nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrages ausgerufen, die NATO übernahm eine wichtige Rolle bei der internationalen Intervention in Afghanistan. Damit wurde die Transformation der NATO von einem regionalen Verteidigungsbündnis zu einer Interventionsallianz mit globaler Reichweite vorangetrieben, was jedoch nicht ohne interne Konflikte zwischen den Mitgliedstaaten vonstattenging (Irak 2003) und heftige Kritik nach sich zog, die NATO sei auf dem Weg zu einer „Weltpolizei“ unter Führung der USA. (29)
Nachdem ihm Anfang der 1990er Jahre noch sein baldiges Ende vorausgesagt wurde, hatte sich das Bündnis damit überraschend schnell an die veränderten Rahmenbedingungen und Herausforderungen einer neuen Ära angepasst. Darin liegt auch die Antwort auf einer der zentralen Fragen zu seiner Geschichte: Wie konnte das Bündnis trotz ständiger Probleme und Konflikten zwischen seinen Mitgliedern so lange Bestand haben?
Eine häufig angeführte Erklärung sind das gemeinsame kulturelle Erbe, die geteilten Werte und die demokratischen Institutionen der NATO-Mitgliedstaaten. Wie dieser Überblick über die Geschichte des Bündnisses gezeigt hat, traf diese Feststellung jedoch nicht immer und auf alle Staaten zu und war in manchen Fällen eher Ergebnis denn Voraussetzung ihrer Mitgliedschaft. Die Erklärung liegt damit nicht in der Harmonie, sondern im Gegenteil eher in den ständigen internen Konflikten, von denen die Geschichte der NATO geprägt war. Das Bündnis ist zurecht als „organized controversy“ (30) beschrieben worden. Gerade weil es durch sein langwieriges Konsensverfahren dem Ab- und Ausgleich unterschiedlicher Interessen seiner Mitglieder diente, die ihre Mitgliedschaft vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Bedrohungslage nie grundlegend in Frage stellten, förderte die NATO die weitere Integration des westlichen Bündnisses.
Gleichzeitig stellte die NATO nicht nur einen stabilen institutionellen Rahmen bereit, um unterschiedliche Interessen auszuhandeln, sondern bewies als Organisation stets ihre hohe Anpassungsfähigkeit an sich verändernde strategische Herausforderungen und politische Rahmenbedingungen. Diese Beobachtung gilt nicht erst für die Phase nach 1989/90. Auch die „erste NATO“ musste sich immer wieder an neue Bedrohungslagen anpassen. Ein Blick auf ihre Geschichte hat gezeigt, dass eine globale Rolle der NATO und die Option von Out-of-Area-Einsätzen schon seit den 1950er Jahren immer wieder angedacht und diskutiert worden waren. Eine Ausweitung des Sicherheitsbegriffs lässt sich bereits seit den 1970er Jahren beobachten, als etwa globale Erwärmung und ein Anstieg des Meeresspiegels erstmals als Bedrohungen benannt wurden.
Wenn sich die NATO angesichts der Bedrohung der europäischen Sicherheit durch Russland aktuell wieder stärker auf ihre Rolle als Verteidigungsbündnis konzentriert, lohnt ebenfalls ein Blick in die Vergangenheit: Denn viele Zeitgenossinnen und Zeitgenossen während und nach Ende des Kalten Krieges waren der Meinung, die zentrale Errungenschaft der NATO sei es nicht gewesen, eine militärische Invasion Europas abgeschreckt, sondern dessen politische Desintegration durch sowjetische Subversion und politische Erpressung verhindert zu haben. (31)
Literatur
Literatur
Ostermann, Falk: Die NATO: Institution, Politiken und Probleme kollektiver Verteidigung und Sicherheit von 1949 bis heute, München 2020.
Sayle, Timothy A.: Enduring Alliance. A History of NATO and the Postwar Global Order, Ithaca, London 2019.
Schmidt, Gustav (Hrsg.): A History of NATO – the First Fifty Years, 3 Bde., Basingstoke 2001.
The Organisation of Post-War Defence in Europe (1948–1954), Centre Virtuel de la Connaissance sur l’Europe, URL: https://www.cvce.eu/de/education/unit-content/-/unit/en/803b2430-7d1c-4e7b-9101-47415702fc8e [28.06.2024].
Wenger, Andreas/Nünlist, Christian/Locher, Anna (Hrsg.): Transforming NATO in the Cold War. Challenges Beyond Deterrence in the 1960s, New York 2007.
Anmerkungen
Anmerkungen
(1) The Chargé in the Soviet Union (Kennan) to the Secretary of State, Moscow, February 22, 1946, in: The Department of State (Hrsg.): Foreign Relations of the United States, 1946, Eastern Europe, The Soviet Union, Volume VI, Washington D.C. 1969, S. 698–709.
(2) Das Zitat wird heute in zahlreichen Publikationen wiedergegeben, lässt sich aber nur bis Peter Hennesey: Whitehall, London 1989, S. 412 zurückverfolgen, der sich auf eine „Legende des Verteidigungsministeriums“ beruft.
(3) ANZUS bzw. Pazifikpakt, 1951–1986; Southeast Asia Treaty Organization, 1954–1977; Central Treaty Organization bzw. Bagdadpakt, 1955–1979 (ohne direkte Beteiligung der USA).
(4) Der Atlantikpakt (Washington, 4. April 1949), URL: https://www.cvce.eu/de/obj/der_atlantikpakt_washington_4_april_1949-de-b9081831-6c1f-44fa-993a-50db7376de1a.htm [05.04.2024]. Eine ausführliche Analyse des Washingtoner Vertrages bei Johannes Varwick: Die NATO. Vom Verteidigungsbündnis zur Weltpolizei?, München 2008, S. 23–30.
(5) Hanns Jürgen Küsters: Die Pariser Verträge, 23. Oktober 1954, in: 100(0) Schlüsseldokumente zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. URL: https://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_de&dokument=0018_par&l=de [05.04.2024].
(6) Offiziell erfolgte der Beitritt schon am 6. Mai 1955, nachdem die letzte Ratifizierungsurkunde der NATO-Mitgliedstaaten in Washington hinterlegt worden war.
(7) Dwight D. Eisenhower: Declaration of Common Purpose by the President and the Prime Minister of the United Kingdom, 25. Okt. 1957, URL: https://www.presidency.ucsb.edu/node/233884 [05.04.2024].
(8) John F. Dulles: NATO: Interdependence in Action, Boston, Sept. 27, 1958, in: Department of State Bulletin, Vol. 39, No. 1007, 13. Oktober 1958, S. 571–574, hier: 571.
(9) Siehe etwa https://www.bmvg.de/de/themen/verteidigung/multinationale-zusammenarbeit/nato [05.04.2024]. Dazu Bradley S. Klein: How the West was One. Representational Politics of NATO. In: International Studies Quarterly 34, Heft 3/1990, S. 311–325.
(10) Spanien wurde allerdings trotz mehrfacher Bemühungen erst 1982, nach dem Ende der Franko-Diktatur, aufgenommen.
(11) No. 11 Extract from Conclusions of a Meeting of the Cabinet, held at 10 Downing St on Thursday, 8 January 1948 at 10 a.m., in: Tony Insall/ Patrick Salmon (Hrsg.): Documents on British Foreign Policy Overseas, Series I (1945–1950), Vol. X: The Brussels and North Atlantic Treaties, 1948-49, Abingdon 2015, S. 25-27.
(12) So brachte US-Präsident Lyndon B. Johnson am 4. Mai 1965 die nicht-militärischen Aspekte des Ost-West-Wettbewerbs auf den Punkt. URL: https://www.presidency.ucsb.edu/documents/remarks-dinner-meeting-the-texas-electric-cooperatives-inc [05.04.2024].
(13) Nach der Unabhängigkeit Algeriens erklärte der Nordatlantikrat im Januar 1963, der Washingtoner Vertrag habe dort keine Gültigkeit mehr.
(14) Diese These bei Cary Fraser: Decolonization and the Cold War. In: Richard H. Immerman/Petra Goedde (Hrsg.): The Oxford Handbook of the Cold War, Oxford 2013, S. 469–485, hier S. 470. Für weitere Kritik siehe u.a. Djibo Sobukwe: NATO and Africa: A Relationship of Colonial Violence and Structural White Supremacy, URL: https://mronline.org/2022/03/01/nato-and-africa/ [05.04.2024].
(15) Lecture to the Royal United Service Institution by Viscount Montgomery of Alamein, Okt. 1958, zit. nach Alastair Buchan: NATO in the 1960s. The Implications of Interdependence, London 1960, S. 102; Doc. 45: Letter From President de Gaulle to President Eisenhower, Paris, 17. September 1958. In: The Department of State (Hrsg.): Foreign Relations of the United States, 1958–1960, Western Europe, Volume VII, Part 2, Washington D.C. 1993, S. 81–83.
(16) Vgl. Moritz Pöllath: Eine Rolle für die NATO out-of area? Das Bündnis in der Phase der Dekolonisierung 1949–1961, Frankfurt a. M. 2017; Timothy A. Sayle: „A Great List of Potential Mistakes“. NATO, Africa, and British Efforts to Limit the Global Cold War. In: Cold War History 16, Heft 1/2015, S. 19–36.
(17) The Strategic Concept for the Defense of the North Atlantic area (DC 6/1), 6. Januar 1950 und Strategic Guidance for North Atlantic Regional Planning (MC 14), 28. März 1950; modifiziert im Dezember 1952 (MC 14/1).
(18) Overall Strategic Concept for the Defense of the North Atlantic Treaty Organization Area (MC 14/2), 23. Mai 1957.
(19) Overall Strategic Concept for the Defense of the North Atlantic Treaty Organization Area (MC 14/3), 12. Dez. 1967.
(20) U.a. von Johannes Varwick: Auf dem Weg zum Weltpolizisten?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 15–16/2009, S. 3–9, hier 3.
(21) https://www.nato.int/cps/en/natohq/topics_67927.htm [05.04.2024].
(22) Vgl. Frode Liland: Explaining NATO’s Non-Policy on Out-Of-Area Issues During the Cold War. In: Gustav Schmidt (Hrsg.): A History of NATO – the First Fifty Years, Vol. 1, Basingstoke 2001, S. 173–191.
(23) Vgl. Martin Deuerlein: Das Zeitalter der Interdependenz. Globales Denken und internationale Politik in den langen 1970er Jahren, Göttingen 2020.
(24) Doc. 18: Address by President Nixon to the North Atlantic Council, Washington, 10. April 1969. In: The Department of State (Hrsg.): Foreign Relations of the United States, 1969–1976, Volume I, Foundations of Foreign Policy, 1969–1972, Washington, D.C. 2003, S. 69–75.
(25) Vgl. Thorsten Schulz-Walden: Anfänge globaler Umweltpolitik. Umweltsicherheit in der internationalen Politik (1969–1975), München 2013, S. 79–152; Linda Risso: NATO and the Environment. The Committee on the Challenges of Modern Society. In: Contemporary European History 25, Heft 3/2016, S. 505–535.
(26) Zu den Deutungen der sowjetischen Invasion Deuerlein, Martin: Die Sowjetunion in Afghanistan: Deutungen und Debatten 1978–2016. In: Tanja Penter/Esther Meier (Hrsg.): Sovietnam. Die UdSSR in Afghanistan 1979–1989, Paderborn 2017, S. 289–317.
(27) Nach Michael Rühle: Entwicklungslinien des Atlantischen Bündnisses. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 56, Heft 43/2006, S. 3–10, erstreckte sich die erste Phase von 1949 bis 1989, die zweite von 1990 bis 1999, an die ab dem Kosovo-Krieg eine dritte Phase anschloss. Karl-Heinz Kamp: NATO: Rückblick auf ein Dreivierteljahrhundert, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 73:47-48 (2023), S. 4–9 macht eine vierte Phase aus, die 2014/2022 mit Russlands Invasionen der Krim bzw. der Ukraine einsetzte.
(28) https://archives.nato.int/worner-nato-is-midwife-of-change[05.04.2024].
(29) Zu dieser Transformation die Beiträge in Aus Politik und Zeitgeschichte 15–16 (2009).
(30) So Harlan Cleveland: Doc. 4, Telegram From the Mission to the North Atlantic Treaty Organization to the Department of State, Brussels, 23 Januar 1969, 2225Z. In: The Department of State (Hrsg.): Foreign Relations of the United States, 1969–1976, Volume XLI, Western Europe; NATO, 1969–1972, Washington, D.C. 2012, S. 19–21.
(31) Dieses Argument macht besonders Timothy A. Sayle: Enduring Alliance. A History of NATO and the Postwar Global Order, Ithaca, London 2019, S. 2 f.
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